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SARS-CoV-2: US-Behörden beraten über Myokarditis-Fälle nach mRNA-Impfungen

Freitag, 11. Juni 2021

/chatuphot, stock.adobe.com

Silver Spring – In den USA ist Zahl der Meldungen von Myokarditis-Fällen nach mRNA-Impfungen gegen SARS-CoV-2 vor dem 30. Lebensjahr in den letzten Wochen gestiegen. Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) wollen in der nächsten Woche über das weitere Vorgehen beraten. Einschrän­kungen erscheinen derzeit unwahrscheinlich, weil die Komplikationen in der Regel milde verlaufen.

Vereinzelte Myokarditis-Fälle nach der Impfung jüngerer Menschen wurden zuerst aus Israel berichtet, wo ausschließlich der mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer eingesetzt wurde. Inzwischen berichten auch andere Länder von Fällen, die auch den anderen mRNA-Impfstoff von Moderna betreffen.

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Wie jetzt Tom Shimabukuro von den CDC auf einer Tagung der Arzneimittelbehörde FDA berichtet, sind beim „Vaccine Adverse Event Reporting System“ (VAERS), das beide Behörden gemeinsam betreiben, bis Ende März 789 Berichte über Myokarditis oder Perikarditis eingegangen: 488 betrafen die Vakzine Comirnaty von Biontech/Pfizer und 301 den Impfstoff mRNA-1273 von Moderna (der anders als Comirnaty erst ab dem 18. Lebensjahr zugelassen ist).

Von den 789 Myokarditis-Verdachtsfällen traten 475 bei Personen im Alter unter 30 Jahren auf. Die Symptome und Zeichen waren Brustschmerz (296 Fälle), ein Anstieg der kardialen Enzyme (284 Fälle), ST- oder T-Wellenveränderungen im EKG (211 Fälle), Luftnot (92 Fälle) und abnorme Befunde in der Echokardiografie oder anderen bildgebenden Verfahren.

Insgesamt 226 Fälle erfüllen laut Shimabukuro die derzeitige Falldefinition der CDC, wobei die Prüfungen der anderen Fälle noch nicht abgeschlossen sind. Von 285 Patienten, zu denen klinische Daten vorliegen, wurden 270 bereits wieder aus der Klinik entlassen, 15 befinden sich noch im Krankenhaus, davon 3 auf der Intensivstation (davon einer mit einem BMI über 40 und einer mit einer positiven Stuhlkultur auf Campylobacter). Von den 270 Patienten, die aus der Klinik entlassen wurden, haben sich laut Shimabukuro 180 (81 %) vollständig erholt. Bei den anderen bestehen noch Symptome oder Zeichen einer Myokarditis oder der Zustand der Patienten ist nicht bekannt.

Die meisten Fälle (573 von 789) wurden nach der 2. Dosis gemeldet. Shimabukuro setzte sie mit der Zahl der zu erwartenden Myokarditiden in Beziehung. Myokarditiden können bei jüngeren Menschen nach verschiedenen Virusinfektionen auftreten. In der Altersgruppe von 16 bis 17 Jahren lag die Zahl der beobachteten Fälle mit 79 deutlich über den erwarteten 2 bis 19 Fällen. In der Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren standen 196 beobachtete Fälle 8 bis 83 erwarteten Fällen gegenüber.

Diese Zahlen deuten darauf hin, dass die CDC in der nächsten Woche die Myokarditis als eine mögliche Impfkomplikation einstufen wird. Die Häufigkeit könnte nach einer ersten Analyse des Vaccine Safety Datalink Project (VSD), das die Daten von Klinikpatienten auswertet, bei etwa 16 Fällen auf 1 Million Impfungen mit der 2. Dosis liegen.

Einen Eindruck von den Komplikationen liefern 7 Fallberichte, die Judith Guzman-Cottrilla von der Oregon Health and Science University in Portland in Pediatrics (2021; DOI: 10.1542/peds.2021-052478) vorstellt. Alle 7 jungen Männer im Alter von 14 bis 19 Jahren waren innerhalb von 4 Tagen nach der zweiten Dosis von Comirnaty an Symptomen einer Myokarditis erkrankt. Alle Patienten hatten einen erhöhten Troponinwert. In der kardialen Magnetresonanztomographie (MRT) wurde eine späte Gadolinium-Anreicherung beobachtet, die für eine Myokarditis charakteristisch ist.

Alle 7 Patienten erholten sich nach wenigen Tagen. 3 Patienten wurden nur mit nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAID) behandelt, 4 erhielten intravenöses Immunglobulin (IVIG) und Kortikosteroide. Bei allen Patienten konnten Virusinfektionen (einschließlich SARS-CoV-2) als Ursache der Myokarditis ausgeschlossen werden. © rme/aerzteblatt.de

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