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Myokarditis: US-Impfkommission sieht keine Gefährdung durch seltene Komplikation von mRNA-Vakzinen

Donnerstag, 24. Juni 2021

/Henrie, stock.adobe.com

Atlanta – Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) haben auf einer Tagung der Impfkom­mission ACIP („Advisory Committee on Immunization Practices“) neue Daten zum Auftreten einer Myokar­ditis und/oder Perikarditis nach der Gabe der mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna vorge­stellt.

Da die Komplikation insgesamt sehr selten ist und bei den zumeist jüngeren Impflingen in der Regel ohne Folgen bleibt, sind keine Einschränkungen zu erwarten. Die FDA dürfte einen Warnhinweis in die Fachinformationen aufnehmen.

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Nach den von CDC-Mitarbeiter Tom Shimabukuro vorgestellten Zahlen wurden dem „Vaccine Adverse Event Reporting System" (VAERS) nach etwa 300 Millionen Impfdosen insgesamt 1.226 Verdachtsfälle einer Myokarditis/Perikarditis gemeldet (791 zur Biontech- und 435 zur Moderna-Vakzine). Die meisten Fälle traten nach der 2. Dosis auf (827 versus 267 nach der 1. Dosis bei 132 unklaren Meldungen). Das mittlere Alter betrug nach der 1. Dosis 30 Jahre und nach der 2. Dosis 24 Jahre, 66 % beziehungsweise 79 % waren männlich.

Die Komplikation wurde median 4 beziehungsweise 3 Tage nach der 1. beziehungsweise 2. Dosis be­merkt. Die meisten Fälle waren mild. Die Patienten klagten zumeist über Abgeschlagenheit, Brustschmer­zen und Herzrhythmusstörungen, die nur von kurzer Dauer waren. Von 309 Patienten, die hospitalisiert wurden, konnten 295 wieder entlassen werden. Von diesen sind laut Shimabukuro 218 beschwerdefrei. Nur 9 Patienten befanden sich zuletzt weiter im Krankenhaus, davon 2 auf einer Intensivstation. Bei 5 Personen lagen keine Daten zum Ausgang der Komplikation vor.

Die CDC-Mitarbeiterinnen Megan Wallace und Sara Oliver sehen selbst für die jüngste Gruppe der 12- bis 17-Jährigen weiterhin ein eindeutig positives Nutzen-Risiko-Verhältnis: Bei den männlichen Teenagern kämen auf 1 Million 2. Dosierungen 56 bis 69 Myokarditisfälle. Durch die Impfung würden 5.700 COVID-19-Erkrankungen, 215 Hospitalisierungen, 71 Intensivbehandlungen und 2 Todesfälle verhindert.

Bei den weiblichen Teenagern stehen nach den Berechnungen der beiden CDC-Mitarbeiterinnen 8 bis 10 Myokarditisfälle nach der 2. Dosis 8.500 vermiedene COVID-19-Erkrankungen, 183 vermiedene Hospita­lisierungen, 38 vermiedene Intensivbehandlungen und 1 vermiedener Todesfall gegenüber.

Angesichts dieser Relationen ist nicht mit Einschränkungen der Impfung zu rechnen. Eine Reihe von medi­zinischen Fachgesellschaften wirbt nach der Tagung in einer Stellungnahme noch einmal für die Impfung. Die Fakten seien klar, heißt es in einer Stellungnahme.

Die Myokarditis sei eine äußerst seltene Nebenwirkung, die nur bei sehr wenigen Menschen nach der Impfung auftrete. Wichtig sei, dass die Betroffenen sich oft von selbst oder nach minimaler Behandlung erholen. Eine Myokarditis und/oder Perikarditis könne auch im Rahmen einer COVID-19-Erkrankung auf­treten, und für die Patienten sei das Risiko höher als nach einer Impfung.

Bei der FDA wird dem Vernehmen nach über eine Änderung der Fachinformation nachgedacht. Ob es zu einem umrahmten Warnhinweis kommt, erscheint aufgrund des milden Verlaufs der Komplikation jedoch fraglich. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #800581
vorwerdi
am Freitag, 25. Juni 2021, 08:28

Was macht die Stiko?

Es wäre schön, wenn sich die Stiko nunmehr auch den Erkenntnissen des CDC anschliessen könnte und ihre Bedenken zurückschrauben könnte. In einer Pandemie macht es mehr Sinn, den Schwerpunkt vom individuellen Risiko auf die allgemeinen Vorteile für das Gesamtkollektiv zu verlagern.
LNS

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