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Evaluation der Cardiolotsen: Weniger Rehospitalisierungen nach einem Jahr

Dienstag, 26. April 2022

/Have a nice day, stock.adobe.com

Mannheim – Die Mitbetreuung kardiologischer Patienten durch Cardio­lotsen kann die poststationäre Versorgung verbessern und insbesondere die Rate an Rehospita­lisierungen reduzieren.

Dies zeigt eine randomisiert-kontrollierte Studie, deren Ergebnisse bei der 88. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim vorgestellt wurden.

Der Einsatz von speziell ausgebildeten Patientenlotsen, der seit 2019 in Berlin getestet wird, ist Teil eines mit 4,6 Millionen Euro geförder­ten Innovationsfonds­projektes.

„Die Analyse einer Datenbank der AOK zeigte, dass die Rehospitalisier­ungsrate nach der stationären Behandlung verschiedener kardiolo­gischer Indexdiagnosen bei 25 % innerhalb eines Jahres liegt“, sagte Harald Darius, Projektleiter und Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie & konservative Intensivmedizin am Vivantes Klinikum Neukölln in Berlin.

Cardiolotsen sollen die Therapietreue verbessern

In die Studie wurden AOK-Versicherte eingeschlossen, die in einem der 8 Berliner Vivantes-Kliniken wegen einer Herzinsuffizienz, einer koronaren Herzkrankheit oder einer Herzrhythmusstörung behandelt wurden.

Sie wurden bereits auf der Station von den Cardiolotsen ange­sprochen und über die Möglichkeit der Studienteilnahme aufgeklärt. Die Mitbetreuung durch die Cardiolotsen umfasste Kontaktaufnahmen mit dem Hausarzt, dem Klinikarzt und dem Facharzt, Telefonate, Absprachen mit dem Sozialdienst, Terminvereinba­rungen, Medika­men­­­ten­absprachen, Absprachen bezüglich Heil- und Hilfsmitteln und die Vermittlung einer Infarktsportgruppe oder von Raucherentwöh­nungs­kursen.

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus erfolgte ein turnusmäßi­ger telefo­nischer Kontakt zu den Patienten, um therapeutischen Absprachen nachzuhalten, organisatorische Unterstützung zu bieten und im Bedarfsfall Rücksprache mit den behandelnden Ärzten zu halten.

Rehospitalisierungsrate war „noch höher als befürchtet“

Randomisiert in eine Interventionsgruppe und eine Kontrollgruppe (ohne Mitbetreuung durch einen Cardiolotsen) wurden 2.818 Patienten. Ausgewertet werden konnten letztlich 2.596 Studienteil­nehmer – 1.251 in der Interventions­gruppe und 1.345 in der Kontrollgruppe.

Sie waren im Schnitt 72 Jahre alt, zu 46 % weiblich und hatten zum größten Teil einen niedrigen Bildungsgrad „Wir hatten genau das Kollektiv in der Studie, das wir besser versorgen wollen, diejenigen mit dem höchsten Risiko immer wieder aufgenommen zu werden“, sagte Darius.

Die Rehospitalisierungsrate „war enorm, noch viel höher als wir befürchtet hatten“, berichtete der Berliner Kardiologe. Bereits inner­halb der ersten 30 Tage seien etwa 700 Patienten erneut stationär aufgenommen worden, in den 60 Tagen darauf noch einmal circa 900.

Weniger Wiederaufnahmen in der Interventionsgruppe

Allerdings gab es einen kleinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen: Die Mitbetreuung durch die Cardiolotsen war mit einer Reduktion der Rehospitalisie­rungs­rate aufgrund einer Indexdiagnose um 11 % assoziiert (p<0,1) – was in dieser Studie bereits als statistisch signifikant definiert war. „Bei derartigen Studien muss man mit den Signifikanzgrenzen etwas großzügiger sein“, erklärte Darius.

Was die Zahl der Rehospitalisierungen über 1 Jahr anging zeigte sich, dass nur etwa 1.080 Patienten nicht erneut stationär behandelt werden mussten . „Alle anderen wurden mindestens 1 Mal erneut aufgenommen, wir hatten einzelne Patienten mit 7-9 Rehospitali­sierungen“, berichtete Darius.

Unterschiede bei der Rehospitalisierungsrate zwischen den 3 Indexdiagnosen gab es nicht. Sie sank in allen 3 Patientengruppen etwa um 10 %. Statistische Signi­fikanz wurde hier nicht erreicht.

In der Untergruppe der Patienten mit dem niedrigsten Bildungsgrad dagegen lag die Reduktion der Rehospitalisierungsrate bei signifikan­ten 15 % (p<0,1). „Hier konnte jede 7. Rehospitalisierung vermieden werden“, sagte Darius.

Rehospitalisierungen mit kürzerer Verweildauer

Was in der Interventionsgruppe signifikant (p<0,05) gesenkt werden konnte, war die Verweildauer bei Rehospitalisierung. Mit 12,4 Tagen in der Interventionsgruppe und 14,2 Tagen in der Kontrollgruppe war die Mitbetreuung durch einen Cardio­lotsen mit einem um 1,8 Tage kürzeren Krankenhausaufenthalt assoziiert. Für Darius ein Zeichen dafür, dass die Patienten in der Interventionsgruppe „schon eine geringere Krankheitsausprägung zu haben scheinen“.

Auch die Mortalität wurde in der Studie untersucht, wenn auch eine Nachbeob­achtung von 1 Jahr dafür recht kurz sei, wie Darius ein­räumte: „Der Anteil verstor­bener Patienten nahm innerhalb der 12 Monate Beobachtungsdauer tendenziell von 20,7 % auf 18,9 % ab.“ Auffällig sei gewesen, dass der häufigste Versterbezeit­punkt im ersten Quartal gelegen habe, „da gab es den größten Unterschied zwischen den Gruppen“.

Die Auswertung der randomisiert-kontrollierten Studie ist noch nicht abges­chlossen. Hinweise gibt es unter anderem auch auf eine hohe subjektive Patien­ten­zufriedenheit. Aber auch andere prozess- und gesundheitsökonomische Parameter werden noch evaluiert. „Anschließend wird der G-BA über die Einführung von Lotsen­modellen für verschiedene Erkrankungen in die Regelversorgung entscheiden“, so Darius. © nec/aerzteblatt.de

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