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Ärzteschaft

Psychische Erkrankungen zu selten als Komorbidität bei KHK erkannt

Donnerstag, 28. April 2022

/gpointstudio, stock.adobe.com

Köln – Nur bei der Hälfte der Patientinnen und Patienten, die sowohl eine koronare Herzkrankheit (KHK) als auch eine psychische Begleiterkrankung haben, wird letztere diagnostiziert.

Das zeigen auf den Raum Köln begrenzte Daten aus einem Versorgungsbericht von CoRe-Net (Cologne Research and Development), dem Kölner Kompetenznetzwerk aus Praxis und Forschung.

Um die medizinische Betreuung der Betroffenen mit KHK und psychischer Komorbidität zu verbessern, werden in dem Bericht „Versorgung von Menschen mit koronarer Herzerkrankung und psychischer Begleiterkrankung“ vier Handlungsempfehlungen vorgeschlagen:

  • Diagnostik von psychischen Komorbiditäten in die kardiologische Versorgung integrieren
  • Kommunikation über psychische Komorbiditäten stärken
  • Zugang zu Selbsthilfe und Psychotherapie erleichtern und Care-Managerinnen und -Manager einsetzen
  • gemeinsame Entscheidungsfindung bei der Therapieplanung und transparente Arzneimitteltherapie

Die Daten, die dem Bericht zugrunde liegen, stammen aus einer Befragung von Betroffenen und aus der Auswertung von Krankenkassendaten.

Die erste Handlungsempfehlung beruhe zum einen auf der festgestellten Unterdiagnose der psychischen Störungen und zum anderen auf der Beobachtung, dass während des stationären Aufenthalts Untersuchungen auf derartige Erkrankungen selten erfolgen, berichtete die Erstautorin des Berichts Katja Blaschke auf der Launchveranstaltung. Häufiger würden sie in dem halben Jahr danach erkannt.

Daraus ließen sich mehrere empfohlene Strategien ableiten. Dazu gehöre ein frühzeitiges Screening mit gegebenenfalls nachfolgender Diagnostik. Hierfür sollten bereits bestehende Instrumente weiterverbreitet werden, zum Beispiel die Anwendung von Screeningfragen zu psychischen Störungen aus der Nationalen VersorgungsLeitlinie Chronische KHK.

Darüber hinaus böten sich Schulungen des ärztlichen Personals an, um das Wissen über psychosomatische Krankheitsbilder auszubauen, erklärte Blaschke: „Dafür gibt es die Zusatzqualifikation ‚psychokardiologische Grundversorgung‘, die von der Arbeitsgruppe der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie entwickelt wurde.“ Seit Juli 2020 sei zudem die psychosomatische Grundversorgung ein Bestandteil der Weiterbildung zur Fachärztin/zum Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie.

Weiterhin sollte ein interdisziplinärer Austausch zwischen Ärztinnen und Ärzten aus der Kardiologie und der Psychosomatik stattfinden.

Die Handlungsempfehlung „Zugang zu Selbsthilfe und Psychotherapie erleichtern und Care-Managerinnen und -Manager einsetzen“, war der zweite Aspekt, den die Expertin näher beleuchtete. „Die Gesamtzufriedenheit mit der Versorgung wurde als recht gut bewertet“, aber die geringste Zufriedenheit bestand „bei Aspekten hinsichtlich der psychologischen Unterstützung durch die behandelnden Ärztinnen und Ärzten“, erläuterte Blaschke die Ergebnisse der Befragung.

Eine Empfehlung, die sich daraus ergäbe, sei eine strukturierte Zusammenarbeit zwischen Selbsthilfegruppen und kardiologisch tätigen Ärztinnen sowie Ärzten. Denn letztere „sind bedeutende Vertrauenspersonen bei den Patientinnen und Patienten und somit haben sie eine vermittelnde Rolle auch zu Selbsthilfegruppen.“ Durch eine engere Zusammenarbeit würden die Ärztinnen und Ärzte ebenfalls für die Thematik sensibilisiert werden.

Der „collaborative-care“-Ansatz ist Blaschke zufolge als zweite wichtige Empfehlung in diesem Zusammenhang zu nennen. Dahinter verberge sich eine Kombination aus der kardiologischen Basistherapie und Therapien psychischer Störungen wie Psychotherapie oder Psychopharmaka.

Hilfe könnten hier Care-Managerinnen und -Manager leisten. Sie unterstützten beispielsweise die Betroffenen bei der Umsetzung des Behandlungsplans im Alltag und vermittelten auch weitere Therapien. © aks/aerzteblatt.de

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