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Medizin

Hirnblutung: Wiederaufnahme einer Antithrombozyten­therapie erweist sich in Studie als sicher

Donnerstag, 23. Mai 2019

/Mariia Petrakova, stockadobecom

Edinburgh – Die Wiederaufnahme einer Antithrombozytentherapie, die nach einem hämorrhagischen Schlaganfall aus Sorge vor weiteren Hirnblutungen häufig vermieden wird, hat sich in einer randomisierten klinischen Studie als sicher erwiesen. Laut den im Lancet (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(19)30840-2) veröffentlichten Ergebnissen kam es in den ersten 2 Jahren sogar tendenziell seltener zu Hirn­blutungen, wenn die Patienten die Behandlung mit Acetylsalicylsäure (ASS) oder einem anderen Antithrombozytenmedikament wieder aufnahmen.

Mehr als ein Drittel aller Patienten, die in höher entwickelten Ländern einen hämorrhagischen Schlaganfall erleiden, haben zuvor ASS, Clopidogrel oder einen anderen Thrombozytenaggregationshemmer eingenommen. Die Antithrombozyten­therapie gilt deshalb als wichtiger Auslöser von Hirnblutungen. Die Medikamente müssen zunächst abgesetzt werden. Dies bedeutet jedoch, dass die Patienten den Schutz vor thrombotischen Herz-Kreislauf-Ereignissen wie Herzinfarkt oder einen ischämischen Schlaganfall verlieren, die die Verordnung der Antithrombozyten­therapie veranlasst hatten.

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Es gibt deshalb gute Gründe, die Therapie wieder aufzunehmen, wenn die Patienten sich von der Hirnblutung erholt haben. Die RESTART-Studie („REstart or STop Antithrombotics Randomised Trial“) hat diese Strategie an 537 Patienten im Alter von 69 bis 82 Jahren untersucht, die eine spontane (sprich nicht durch Trauma ausgelöste) Hirnblutung erlitten hatten. Nachdem ein Radiologe die Diagnose in der Magnetresonanztomografie bestätigt hatte, wurden die Patienten auf eine Wieder­aufnahme der Antithrombozytentherapie oder auf eine Vermeidung jeglicher Medikamente randomisiert, die Blutungen auslösen könnten.

Eigentlich sollten 720 Patienten an der Studie teilnehmen. Es gelang jedoch nur, jeden zwölften potenziellen Patienten für die Studie zu rekrutieren. Einigen ging es zu schlecht, bei anderen hatten die behandelnden Ärzte oder die Patienten Einwände. Dennoch kommt die Studie zu einem klaren Ergebnis.

Von den 268 Teilnehmern, die der Wiederaufnahme der Therapie zugelost worden waren, erlitten nach median 2,0 Jahren nur 12 (4 %) eine erneute Hirnblutung gegenüber 23 von 268 Patienten (9 %) der Kontrollgruppe. Das Team um Rustam Salman von der Universität Edinburgh ermittelt eine adjustierte Hazard Ratio von 0,51 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,25 bis 1,03. Dies bedeutet, dass die Wiederaufnahme der Therapie nicht wie befürchtet zu einer Zunahme von erneuten Hirnblutungen geführt hat. Das Risiko war tendenziell sogar um die Hälfte reduziert. Angesichts der oberen Grenze des 95-%-Konfidenzintervalls von 1,03 ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass ein erhebliches Risiko übersehen wurde.

Auch wenn andere hämorrhagische Ereignisse (etwa gastrointestinale Blutungen) in den Endpunkt einbezogen wurden, blieb die Bilanz tendenziell positiv: 18 hämorrhagischen Ereignissen (7 %) nach Wiederaufnahme der Antithrombozyten­therapie standen 25 hämorrhagische Ereignisse (9 %) bei Teilnehmern in der Kontrollgruppe gegenüber (Hazard Ratio 0,71; 0,39-1,30).

Gleichzeitig erfüllte die Antithrombozyten-Therapie ihre Schutzfunktion. Die Zahl der schweren vaskulären Ereignisse (Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herz-Kreislauf-Tod) wurde signifikant um 35 % gesenkt (Hazard Ratio 0,65; 0,44-0,95).

Trotzdem bleiben Fragen offen. Die Editorialistin Wendy Ziai von der Johns Hopkins Universität in Baltimore hält es für möglich, dass die schwache Rekrutierung der Studienteilnehmer zu einer Selektion geführt haben könnte. Außerdem sei die Zahl der schweren intrazerebralen Blutungen insgesamt zu gering gewesen, um zu wasserdichten Aussagen zu kommen.

Es bleibt abzuwarten, ob 2 laufende Studien die RESTART-Studie bestätigen werden. Ergebnisse der norwegischen „STATICH“- und der französischen „RESTART-Fr“-Studie werden für 2021 erwartet. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #720508
e.ne
am Freitag, 24. Mai 2019, 09:43

Mögliche Geschlechtsunterschiede fehlen leider

Es wurde wiederholt in letzter Zeit angeführt, dass Frauen anders auf ASS
reagieren als Männer.
LNS
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