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Medizin

Blutdruckmanschette könnte vor einem Schlaganfall schützen

Dienstag, 4. Juni 2019

/Alex, stockadobecom

Changchun/China – Das 4-malige Aufpumpen einer Blutdruckmanschette und eine darauffolgende Blutleere über jeweils 5 Minuten haben in einer randomisierten kon­trollierten Studie in Neurology (2019; doi: 10.1212/WNL.0000000000007732) die Durchblutung im Gehirn über bis zu 24 Stunden verbessert und zu einem Anstieg von 2 neuroprotektiven Substanzen im Blut geführt.

Das Aufpumpen einer Blutdruckmanschette erzeugt eine Ischämie in der Extremität. Der Sauerstoff- und Glukosemangel führt zur Freisetzung von protektiven Faktoren ins Blut, die sich nach Beseitigung der Blutleere auch auf andere Regionen des Körpers auswirken. 

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Das Verfahren wird von Physiologen als „remote ischemic preconditioning“ oder RIPC bezeichnet und bereits an einigen Herzzentren zur Vorbereitung von Patienten auf größere Operationen erprobt. Die neuroprotektiven Faktoren sollen den Herzmuskel schützen. Tatsächlich kommt es bei den Patienten postoperativ zu einem geringeren Anstieg von Troponin, einem Marker für die Schädigung von Herzmuskelzellen. 

Auch eine protektive Wirkung auf das Gehirn ist vorstellbar. In einer früheren Studie aus Dänemark wurde RIPC begleitend zur Lysetherapie des Schlaganfalls eingesetzt. Ein Einfluss auf die Infarktgröße ließ sich jedoch nicht nachweisen (Stroke 2014; 45: 159-167). Chinesische Forscher hatten zuvor berichtet, dass RIPC das Rezidivrisiko nach einem Schlaganfall deutlich senkt (Neurology 2012; 79: 1853-61). Die Studie war jedoch klein und die Therapie wurde bisher nicht von anderen Zentren aufgegriffen.

Ein Team um Yi Yang von der Jilin Universität in Changchuh hat jetzt in einer randomi­sierten klinischen Studie die physiologischen Auswirkungen von RIPC auf die Hirn­durchblutung von 50 gesunden Personen (Durchschnittsalter 35 Jahre) untersucht. Bei den Teilnehmern wurden Blutdruckmanschetten an Oberarm und Oberschenkel angelegt und für 5 Minuten soweit aufgepumpt, dass kein frisches Blut in die Arterien gelangen konnte. Dieses Manöver wurde nach jeweils 5-minütiger Pause 4-mal wiederholt.

In den folgenden 24 Stunden wurde mehrmals die Fließgeschwindigkeit in der linken und rechten mittleren Hirnarterie bestimmt. Zunächst wurden keine Veränderungen gefunden. Doch nach 6 Stunden kam es zu einem Anstieg der Durchblutung, der bis zum Ende der Beobachtungszeit nach 24 Stunden anhielt. 

Die Laboruntersuchungen ergaben, dass es bereits eine Stunde nach dem RIPC-Manöver zu einem Anstieg von 2 Substanzen im Blut kommt, die als Biomarker die späteren Auswirkungen auf die Hirndurchblutung erklären könnten. 

Dies war einmal VEGF-A („vascular endothelial growth factor-A“). VEGF-A stimuliert in der Gefäßwand die Produktion von Stickstoffmonoxid, was eine Gefäßerweiterung (Vasodilatation) zur Folge hat. Der zweite Faktor war GDNF („glial cell line-derived neurotrophic factor“), dem eine neuroprotektive Wirkung etwa bei Morbus Parkinson oder Epilepsie zugeschrieben wird. Die Konzentration von GDNF stieg laut Yang innerhalb der ersten Stunde nach dem Manöver durchschnittlich von 0,289 auf 0,789 pg/ml an. 

Außerdem kam es zu einem Anstieg von 4 bekannten Entzündungsmarkern TGF-beta1, LIF, MMP-9 und TIMP-1, während ein fünfter Entzündungsmarker (MCP-1) zurückging. Die Unterschiede waren signifikant, da Yang jedoch insgesamt 30 Bio­marker unter­suchte, lässt sich ein Zufallsbefund nicht unbedingt ausschließen. Es wurde zudem nur eine einzige Blutuntersuchung durchgeführt.

Eine weitere Einschränkung besteht darin, dass die jüngeren Teilnehmer vermutlich gesunde Hirnarterien hatten. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht unbedingt auf ältere Personen mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko übertragen. Es bleibt abzu­warten, ob die Idee aufgegriffen wird und der Nutzen von RIPC zur Behandlung des Schlaganfalls oder zur Sekundärprävention in größeren klinischen Studien überprüft wird. © rme/aerzteblatt.de

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