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Medizin

Enzyme aus Darmbakterium verwandeln Blutgruppe A in Blutgruppe 0

Dienstag, 11. Juni 2019

/totojang1977, stockadobecom

Vancouver – Kanadische Chemiker haben in Darmbakterien ein Enzympaar entdeckt, das die Blutgruppe A mit hoher Effizienz in die universelle Spenderblutgruppe 0 verwandelt. Erste Tests an Blutkonserven zeigen laut Nature Microbiology (2019; doi: 10.1038/s41564-019-0469-7), dass die entstandene Blutgruppe unbedenklich sein könnte.

Erythrozytenkonzentrate der Blutgruppe 0 können universell eingesetzt werden, da auf ihrer Oberfläche die Antigene A und B fehlen. Die Erythrozyten werden deshalb weder von den Anti-B-Isoagglutininen der Blutgruppe A noch von den Anti-A-Isoagglutininen der Blutgruppe B angegriffen. In der Notfallversorgung von Verletzten wird die Blutgruppe 0 bevorzugt eingesetzt, was trotz einem Anteil von 41 % einen ständigen Mangel verursacht.

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Der erhöhte Bedarf könnte gedeckt werden, wenn es gelänge, die Blutgruppen A und B in die Blutgruppe 0 zu verwandeln. Dies ist vom Prinzip her einfach. Es müssten lediglich die Oberflächenmoleküle – N-Acetyl-Galaktosamin für Blutgruppe A und Galaktose für Blutgruppe B – entfernt werden. Schon 1982 wurde ein Enzym gefunden, das das Oberflächenantigen B entfernt und im Jahr 2000 wurden an wenigen Probanden erfolgreiche Transfusionen durchgeführt. Die Effektivität des Enzyms, das aus der grünen Kaffeebohne gewonnen wurde, war jedoch gering. Zur Umwandlung einer Konserve wurden mehrere Gramm Enzym benötigt. Das traf auch auf die Umwandlung der Blutgruppe A zu, die sich als schwieriger gestaltete, da das Antigen in verschiedenen Varianten existiert. 

Jetzt hat ein Team um Stephen Withers von der Universität von British Columbia in Vancouver 2 Enzyme gefunden, die mit höherer Effizienz die Blutgruppe A in 0 verwandeln. Die Enzyme „FpGalNAcDeAc“ und „FpGalNase“ wurden in dem Darmbakterium Flavonifractor plautii entdeckt, das die Enzyme vermutlich zur Verdauung von Mucinen der Darmschleimhaut verwendet, die den Blutgruppen-Antigenen A und B ähneln. 

Die Forscher haben die beiden Enzyme an Blutkonserven getestet. Eine geringe Konzentration der Enzyme reichte aus, um eine Konserve der Blutgruppe A umzuwandeln. Sie wurde danach in einer serologischen Untersuchungen als Blutgruppe 0 erkannt. Withers gelang es zudem, die Enzyme restlos aus dem Blut zu entfernen. Transfusionsversuche wurden bisher nicht durchgeführt.

Ob das Verfahren von der Transfusionsmedizin aufgegriffen wird, bleibt abzuwarten. Nach Ansicht von Johannes Oldenburg vom Universitätsklinikum Bonn stehen praktische Gesichtspunkte einem Einsatz entgegen. Der Direktor des Instituts für Experimentelle Hämatologie und Transfusionsmedizin gibt zu Bedenken, dass das Verfahren auf jede einzelne Blutkonserve angewendet werden müsste. Dies sei nur in einem Reinraum der Klasse A möglich, der nicht an jeder Einrichtung vorhanden sei. Die Kosten für umgewandelte Erythrozytenkonzentrate, die derzeit bei 70 bis 90 Euro liegen, würden nach Einschätzung des Experten deutlich ansteigen. © rme/aerzteblatt.de

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