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Medizin

Vorhofflimmern erhöht Demenzrisiko

Mittwoch, 19. Juni 2019

Grafische Darstellung des Vorhofflimmerns. /Alila Medical Media stock.adobe.com
Beim Vorhofflimmern werden elektrische Impulse, die ihren Ursprung nicht im Sinusknoten haben, unkontrolliert weitergeleitet, so dass die Vorhöfe scheinbar flimmern. /Alila Medical Media stock.adobe.com

Seoul – Koreanische Senioren, bei denen Ärzte ein Vorhofflimmern diagnostizierten, entwickelten in den Folgejahren häufiger eine Demenz als andere Senioren. Das Risiko war in der bevölkerungsbasierten Langzeitstudie im European Heart Journal (2019; doi: 10.1093/eurheartj/ehz386) auch bei den Patienten erhöht, die zwischenzeitig nicht an einem Schlaganfall erkrankt waren, der eine Folge des Vorhofflimmerns und eine bekannte Ursache von Demenzen ist.

Das Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung bei älteren Menschen. Da der Vorhof nicht mehr oder nur selten entleert wird, können sich in ihm Blutgerinnsel bilden, die ins Gehirn abdriften und dort einen Schlaganfall auslösen. Zu den Folgen eines Schlaganfalls gehören neben Lähmungen auch Hirnleistungsstörungen bis hin zur Demenz.

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Es war deshalb nicht überraschend, dass es unter den 10.435 Senioren mit Vorhof­flimmern, deren Daten Boyoung Joung von der Yonsei Universität von Seoul und Mitarbeiter ausgewertet haben, häufiger zu einer Demenz kam als in einer Kontrollgruppe von 252.176 Senioren ohne Vorhofflimmern.

Beide Gruppen hatten zwischen 2005 und 2012 an Vorsorgeuntersuchungen teilgenommen, die die staatliche Kran­ken­ver­siche­rung Südkoreas ihren Mitgliedern anbietet. Die Senioren waren zu Beginn der Studie median 71 Jahre alt. Bis Ende 2015 erkrankten 24,4 % der Senioren mit Vorhofflimmern an einer Demenz gegenüber 14,4 % der Kontrollgruppe.

Joung ermittelt eine adjustierte Hazard Ratio von 1,52, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,43 bis 1,63 signifikant war. In einer zweiten Analyse wurden alle Senioren aus den Berechnungen herausgenommen, die zwischenzeitig einen Schlaganfall erlitten hatten. Die Hazard Ratio auf eine Demenz war mit 1,27 etwas niedriger als in der ersten Analyse, aber mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,18 bis 1,37 weiter signifikant.

Das Vorhofflimmern steigerte die Inzidenz der Demenz von 2,7 auf 4,1 Neudiagnosen auf 100 Personenjahre, was eine Differenz um 1,4 auf 100 Personenjahre ergibt. Bei den Senioren ohne zwischenzeitigem Schlaganfall stieg die Inzidenz von 2,5 auf 3,5, also um 1,0 Demenzen auf 100 Personenjahre.

Klinisch stumme Schlaganfälle als potenzielle Verursacher

Die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass viele Senioren mit Vorhofflimmern, die später eine Demenz entwickelten, einen oder mehrere klinisch stumme Schlaganfälle erlitten. Diese Ereignisse sind häufig und in den bildgebenden Verfahren als punktuelle Läsionen erkennbar.

Dass die Demenzen vermutlich Folge von Schlaganfällen waren, zeigte sich auch daran, dass die Hazard Ratio auf eine vaskuläre Demenz mit 2,11 (1,85-2,41) höher war als das Risiko auf einen klassischen Morbus Alzheimer, der aber mit einer Hazard Ratio von 1,31 (1,20 bis 1,43) bei den Patienten mit Vorhofflimmern ebenfalls signifikant häufiger auftrat. Da der Morbus Alzheimer in der Regel nicht postmortal durch Autopsie bestätigt wird, ist nicht auszuschließen, dass sich in dieser Gruppe Patienten mit vaskulärer Demenz befanden.

Die Behandlung mit oralen Antikoagulantien, die zur Prävention von Schlaganfällen erfolgt, könnte auch vor einer Demenz schützen. Joung ermittelt eine Hazard Ratio von 0,61 (0,54 bis 0,68), was einen Rückgang um 39 % bedeuten würde. Die epide­miologische Studie kann allerdings nicht abschließend beweisen, dass tatsächlich die oralen Antikoagulanzien für den Rückgang verantwortlich sind. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #609000
Elisif
am Samstag, 13. Juli 2019, 14:40

Warum bekommen ältere Menschen leichter Herzrhythmusstörungen?

Es könnte auch der dem Vorhofflimmern möglicherweise zugrundeliegende Mangel an Vitamin B1 und/oder -12 die Demenz begünstigen...
Avatar #770228
Dr. Bobzin
am Freitag, 21. Juni 2019, 13:29

Sie haben die Studie gelesen?

Es wurde eine Adjustierung u.a. für arteriellen Hypertonus vorgenommen: "...We adjusted for age, sex, and clinical variables, including hypertension,..."
Avatar #62932
isenman
am Mittwoch, 19. Juni 2019, 18:43

Wohl eher Hypertonus schuld

Eine gemeinsame Ursache von VHF und Demenz ist die arterielle Hypertonie, die am Gehirn zu einer cerebralen Mikroangiopathie mit kognitiven Störungen führt und zugleich die häufigste Ursache der Entwicklung von VHF ist. Da helfen wohl eher Antihypertensiva in der Prophylaxe....
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