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Medizin

Cannabis-Abhängige erleiden nach Operation häufiger Herzinfarkte

Donnerstag, 5. Dezember 2019

/dpa

Toronto – Die Auswirkungen der Cannabis-Droge auf das Herz-Kreislauf-System sind wenig bekannt und werden deshalb unterschätzt. Eine bevölkerungsbasierte Kohortenstudie in Anesthesiology (2019; doi: 10.1097/ALN.0000000000003067) kommt zu dem Ergebnis, dass starke Cannabis-Konsumenten nach Operationen ein erhöhtes Risiko auf einen Herzinfarkt haben.

Die Rezeptoren für Cannabinoide sind nicht nur im Gehirn vorhanden, wo ihre Stimulierung die euphorisierende Wirkung erzeugt. Die Bindungsstellen der Droge sind auch im Herz-Kreislauf-System weit verbreitet. Beim Cannabis-Konsum kommt es zu einem akuten Anstieg von Herzfrequenz und Blutdruck. Der langfristige Konsum wird mit einer Schä­digung der Blutgefäße („Cannabis Arteritis“), Vasospasmen und einer vermehrten Throm­bozytenaggregation in Verbindung gebracht.

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Ein aktiver Cannabis-Konsum könnte deshalb ein Risikofaktor für perioperative Kompli­ka­tionen sein. Ein Team um Karim Ladha vom St. Michael’s Hospital in Toronto hat hierzu die Daten des Nationwide Inpatient Sample ausgewertet, das jährlich die Krankenhausdaten von mehr als 7 Millionen US-Amerikanern erfasst.

Darunter waren 4,1 Millionen Patienten, die sich in den Jahren 2006 bis 2015 einem von 11 häufigen geplanten chirurgischen Eingriffen unterzog, etwa einem Gelenkersatz, einer Bypass-Operation, einer Gallen-OP oder auch einem Kaiserschnitt.

Da die Ärzte die Patienten mittlerweile auch nach ihrem Cannabis-Konsum befragen, konnte Ladha in einer Propensity-Analyse 27.206 Patienten mit „Cannabis Use Disorder“ der gleichen Zahl von Nicht-Konsumenten gegenüberstellen. Bei den meisten möglichen Komplikationen wie Schlaganfall, Sepsis, tiefe Venenthrombose, Lungenembolie, akute Nierenverletzung oder Atemversagen war kein erhöhtes Risiko früh die Cannabis-Konsu­menten erkennbar. Ein auf den ersten Blick leicht erhöhtes Risiko auf diese Ereignisse ließ sich bei der genaueren Analyse auf den insgesamt ungesünderen Lebensstil von Cannabis-Konsumenten zurückführen.

In einem Punkt blieb jedoch auch nach Berücksichtigung der Begleitfaktoren ein erhöhtes Risiko übrig: Patienten mit einer „Cannabis Use Disorder“ erlitten zu 88 % häufiger in der Klinik einen Herzinfarkt (adjustierte Odds Ratio 1,88; 95-%-Konfidenzintervall 1,31 bis 2,69).

Insgesamt wurde für 89 von 13.603 Cannabis-Konsumenten (0,7 %) ein perioperativer Herzinfarkt in den Klinikdokumenten notiert. Von den Patienten ohne Cannabis-Konsum erlitten 46 von 13.603 Patienten (0,3 %) einen Herzinfarkt. Dies ergibt eine nicht-adjustierte Odds Ratio von 2,88 (2,34 bis 3,55). Für die Anästhesisten bedeutet dies, dass ein Cannabis-Konsum ein fast dreifach erhöhtes Risiko auf einen perioperativen Herzinfarkt anzeigt, das teilweise auf die Droge und teilweise auf einen ungesunden Lebensstil zurückzuführen ist. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #655918
stefanallgaier
am Freitag, 6. Dezember 2019, 12:24

einseitige Berichterstattung

Zum Thema Cannabis fällt mir eine sehr einseitige Berichterstattung unangenehm auf. Ich würde auch gern etwas von den Studien zu den therapeutischen Möglichkeiten lesen und nicht nur Negativberichterstattungen, die wenn man das Kleingedruckte liest häufig nicht einmal signifikant sind.
Avatar #79783
Practicus
am Freitag, 6. Dezember 2019, 02:05

Im Abstract der Studie

zeigt sich ein anderes Bild: Der urprünglich definierte kombinierte Endpunkt ergab keine Signifikanz, erst die isolierte Betrachtung der postoperativen Herzinfarkte. zeigte eine Auffälligkeit.
Man werfe den Pfeil gegen eine Wand und zeichne das Bulls-Eye drum herum...
Ob die erhöhten Risiken tatsächlich auf Cannabis oder vielmehr auf das Rauchen (mit oder ohne Tabak) von Kräutern zurückzuführen ist - Fehlanzeige!
Für den Endpunkt "postoperativer Infarkt" hätte auch der Raucherstatus und die Art des Konsums (Rauchen, Vaporizer, Tee, Kekse) und die Dosierungen abgefragt werden müssen.
Da war einfach die Versuchung zu groß, für eine fehlgeschlagene Untersuchung noch eine Veröffentlichungsmöglichkeit zu finden!
Avatar #752363
psychbrwg
am Donnerstag, 5. Dezember 2019, 21:27

Cannabis Ursache für Herzinfarkte nach OP?

Dann müsste man mal andere Faktoren, wie Nikotinabusus, herausfiltern, um zu sehen, was hier den Einfluss ausmacht. Oder Vergleichsgruppen haben. Das übliche Korrelation-Kausalitätsproblem und dann Nichtverantwortung hinterfragt. Ich stelle die Hypothese auf, dass Cannabisuser, die THC z.B. über Backwaren hinsichtlich nehmen, sich signifikant von denen, die es inhalieren bez. der Herzinfarktrate nach OP unterscheiden und ein in etwa ähnliches Risiko wie Non-THC-User haben, die nicht rauchen. Ich vermisse die Gegenüberstellung mit Rauchern (Nikotin).
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