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Erhöhtes kardiovaskuläres Sterberisiko für Pyrethroid-Insek­tizide entdeckt

Montag, 6. Januar 2020

Insektizid aus einer gelben Sprühflasche wird auf einen Obstbaum gesprüht. /encierro, stock.adobe.com
/encierro, stock.adobe.com

Iowa City – Eine erhöhte Harnkonzentration von 3-Phenoxy-Benzoesäure (3-PBA), einem Abbauprodukt von Pyrethroid-Insektiziden, war in einer Kohortenstudie mit einem erhöhten kardiovaskulären Sterberisiko verbunden. Die in JAMA Internal Medicine (2019; doi: 10.1001/jamainternmed.2019.6019) publizierten Ergebnisse stellen erstmals die Sicherheit von Pyrethroiden infrage, die zunehmend als Alternative zu Organophosphaten als Insektizide eingesetzt werden.

Die Produktion von synthetischen Pyrethroiden wie Permethrin, Cypermethrin, Deltamethrin und Cyfluthrin ist in den letzten Jahren gestiegen. Die Mittel gelten als weitgehend ungiftig für den Menschen, obwohl sie über Lungen, Nahrungsmittel und sogar über die Haut rasch vom Körper aufgenommen werden. Ebenso rasch werden sie im Körper von P450-Enzymen der Leber abgebaut und beispielsweise als 3-PBA über die Nieren ausgeschieden. Da die Bevölkerung jedoch beständig mit den Insektiziden in Berührung kommt, beispielsweise über Rückstände auf Obst und Gemüse, ist 3-PBA bei den meisten Menschen im Urin nachweisbar.

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Ein Team um Wei Bao von der Universität in Iowa City hat die Konzentration von 3-PBA in archivierten Urinproben von 2.116 Erwachsenen bestimmen lassen, die in den Jahren 1999 bis 2002 an den National Health and Nutrition Examination Surveys (NHANES) teilge­nommen hatten. Es handelt sich um eine regelmäßige Umfrage und Untersuchung einer repräsentativen Stichprobe der US-Bevölkerung durch die US-Statistikbehörde im Auftrag der Centers for Disease Control and Prevention (CDC).

Die Ergebnisse der Laboruntersuchungen wurden dann mit Einträgen in den Sterberegistern in Beziehung gesetzt. In den median 14,4 Jahren der Nachbeobachtung sind 246 der 2.116 Teilnehmer gestorben, darunter (nach den Angaben in den Todesbescheinigungen) 41 an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 52 an Krebs.

Die Forscher fanden heraus, dass das Sterberisiko mit der 3-PBA-Konzentration im Urin zunahm: Im obersten Tertil waren 81 von 701 Teilnehmern (11,9 %) gestorben, im mittleren Tertil waren es 75 von 709 Teilnehmern (10,2 %) und im untersten Tertil 75 von 709 Teilnehmern (8,5 %).

Nach der Berücksichtigung der Unterschiede in Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, sozioökonomischem Status, Ernährungs- und Lebensstilfaktoren, Body-Mass-Index und Kreatininspiegel im Urin ermittelt Bao eine Hazard Ratio von 1,56 (95-%-Konfidenzintervall 1,08 bis 2,26) für das oberste Tertil, also ein um 56 % erhöhtes Sterberisiko. Für kardio­vaskuläre Todesfälle betrug die Hazard Ratio sogar 3,00 (1,02 bis 8,80). Für die Krebs­mortalität wurde keine signifikante Assoziation gefunden (Hazard Ratio 0,91; 0,31 bis 2,72).

Eine Assoziation belegt noch keine Kausalität, und da es sich um die 1. Studie zum Einfluss der 3-PBA-Exposition auf das Sterberisiko handelt, sind Konsequenzen vorerst nicht zu erwarten. Bao kann jedoch auf eine tierexperimentelle Studie verweisen, in der 3-PBA langfristig zu Herzschäden bei Ratten geführt hatte (Chemosphere 2013; 93: 1029-1034). In einer weiteren in vitro-Studie waren arrhythmogene Effekte am Herzmuskel von Fischen beobachtet worden (Pesticide Biochemistry and Physiology 2016; 129: 36-42).

Zu den Schwächen der Studie gehört, dass die Teilnehmer zum Zeitpunkt der Umfrage erst durchschnittlich 42,6 Jahre alt waren und bei der Analyse noch nicht das Alter erreicht hatten, in dem die meisten tödlichen Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen auftreten. Entsprechend weit waren die 95-%-Konfidenzintervalle. Die Studie dürfte jedoch weitere Analysen zur Sicherheit von Pyrethroid-Insektiziden nach sich ziehen, wie Steven Stellman von der Mailman School of Public Health, New York, im Editorial anmerkt. © rme/aerzteblatt.de

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