MedizinKardiologieStudien Kardiologie
Studien
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Wie ein gesunder Lebensstil Vorhofflimmern lindern und verhindern kann

Donnerstag, 12. März 2020

Beim Vorhofflimmern werden elektrische Impulse, die ihren Ursprung nicht im Sinusknoten haben, unkontrolliert weitergeleitet, so dass die Vorhöfe scheinbar flimmern. /Alila Medical Media stock.adobe.com
Beim Vorhofflimmern werden elektrische Impulse, die ihren Ursprung nicht im Sinusknoten haben, unkontrolliert weitergeleitet, so dass die Vorhöfe scheinbar flimmern. /Alila Medical Media stock.adobe.com

Dallas/Texas – Die Zahl der Menschen mit Vorhofflimmern nimmt nicht nur wegen der steigenden Lebenserwartung zu. Verantwortlich ist nach Einschätzung der American Heart Association auch ein ungesunder Lebensstil der Bevölkerung mit Adipositas, Bewegungs­mangel, Schlafstörungen, Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum. Die Fachgesellschaft der US-Kardiologen gibt in einer wissenschaftlichen Stellungnahme in Circulation (2020; DOI: CIR.0000000000000748) Tipps zur Vermeidung der häufigen Erkrankung.

Mit einem Lebenszeitrisiko von 37 % für Menschen über 55 Jahren gehört das Vorhof­flimmern zu den Volkskrankheiten. Wegen der ausbleibenden Kontraktionen im linken Herzvorhof können sich dort Blutgerinnsel bilden. Wenn sie als Embolus in eine Hirnarterie abdriften, können sie die Blutzufuhr in Teilen des Gehirns unterbrechen. Das Vorhofflimmern gehört zu den häufigsten Ursachen für einen Schlaganfall.

Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass ein Vorhofflimmern ein vermeidbares Schicksal ist. Eine überraschend effektive präventive Maßnahme ist eine Gewichtsreduktion. In der australischen LEGACY-Studie wurde 355 übergewichtigen Patienten mit Vorhof­flimmern zusätzlich zur medizinischen Behandlung ein Gewichtsmanagement verordnet. Die Patienten, die ihr Gewicht um mehr als 10 % senken konnten, waren nach 4 Jahren fast 6-fach häufiger ohne Vorhofflimmern als die Patienten, die weniger als 3 % abnahmen. Eine rechtzeitige Gewichtsreduktion kann auch einem Vorhofflimmern vorbeugen. Die Teilnehmer der SOS-Studie („Swedish Obese Subjects“) erkrankten nach einer Adipositas-Operation in den Folgejahren zu 27 % seltener an einem Vorhofflimmern.

Körperliche Aktivität könnte ebenfalls eine vorbeugende Wirkung haben. Menschen, die regelmäßig Ausdauersport betrieben, hatten in mehreren Beobachtungsstudien ein vermindertes Erkrankungsrisiko. Leistungssport war dagegen mit einem teilweise deutlichen Anstieg von Erkrankungen verbunden. Es erscheint deshalb fraglich, ob Patienten zu dem derzeit in den USA populären „High-intensity interval training“ geraten werden sollte, auch wenn in einigen Studien kurzfristige günstige Effekte beobachtet wurden.

Bei Ablation auch Rauchentwöhnung anbieten

Zu den Lebensgewohnheiten, die das Risiko auf ein Vorhofflimmern erhöhen, gehören Rauchen und ein übermäßiger Alkoholkonsum. Rauchen erhöht nicht nur das Risiko, an Vorhofflimmern zu erkranken, es verringert laut der American Heart Association auch die Wirksamkeit der Ablation, der derzeit effektivsten Therapie. Das Vorhofflimmern wird dabei durch die Zerstörung von Zellen in der Nähe des Herzvorhofs beendet, die Ausgangspunkt der abnormalen Rhythmen sind. Die American Heart Association rät den Ärzten, den Patienten parallel zu Ablation eine Raucherentwöhnung anzubieten.

Studien haben gezeigt, dass mehr als 7 alkoholische Getränke pro Woche bei Frauen und 14 „Drinks“ pro Woche bei Männern das Risiko auf ein Vorhofflimmern erhöhen. Ein weitgehender Verzicht auf alkoholische Getränke hat kürzlich in einer randomisierten Studie die Anzahl und die Dauer der Rezidive nach einer erfolgreichen Ablation deutlich gesenkt.

Kein Beleg für Risikofaktor Koffein

Koffein zählt nicht zu den etablierten Risikofaktoren des Vorhofflimmerns und es gibt laut der American Heart Association keine Studie, die eine ungünstige Auswirkung von Koffein auf die Erkrankung belegt hat. Viele Patienten sehen dies anders: Bei Befragungen gibt ein Viertel an, dass Kaffee zu den Triggern des Vorhofflimmerns gehört.

Zu den Risikofaktoren gehören auch Schlafstörungen. Vor allem das Schlafapnoe-Syndrom ist bei Patienten mit Vorhofflimmern häufig. Der regelmäßige nächtliche Sauerstoffmangel scheint dem Herzmuskel zu schaden. Beobachtungsstudien deuten darauf hin, dass die Behandlung der Schlafapnoe mit CPAP-Atemtherapiegeräten nützlich sein kann. In einer Studie wurde die Zahl der Rezidive nach einer Kardioversion gesenkt. Der Beleg durch eine randomisierte klinische Studie steht jedoch noch aus.

Menschen mit einem Typ-2-Diabetes haben ein erhöhtes Risiko, an Vorhofflimmern zu erkranken. Auch hier deuten Ergebnisse aus epidemiologischen Studien darauf hin, dass eine gute Einstellung des Blutzuckers das Risiko der Patienten senkt. Ähnlich ist die Situation mit der Blutdruckkontrolle. Eine arterielle Hypertonie ist ein wichtiger Risikofaktor für das Vorhofflimmern. Die Auswirkungen einer Blutdrucksenkung auf das Erkrankungsrisiko sind jedoch kaum untersucht. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
NEWSLETTER