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Medizin

In westlichen Ländern sinkt der Cholesterinspiegel – in Asien steigt er

Montag, 22. Juni 2020

/Jamrooferpix, stock.adobe.com

London – Das „Epizentrum“ ungünstiger Cholesterinspiegel, die zu den wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen, hat sich in den letzten 4 Jahr­zehn­ten von Nordwesteuropa nach Südostasien verschoben, wofür Forscher in Nature (2020; DOI: 10.1038/s41586-020-2338-1) vor allem Änderungen der Lebens- und Ernäh­rungs­gewohnheiten verantwortlich machen.

Cholesterin ist ein lebenswichtiger Bestandteil von gesunden Zellen. Bei einem zu starken Anstieg im Blut kann es sich jedoch in den Gefäßwänden ablagern und die Entwicklung einer Atherosklerose fördern. Zu den Folgen zählen Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Gefährlich ist vor allem das in den Low-density Lipoproteinen (LDL) transportierte Cholesterin, während die High-density Lipoproteine (HDL) eine günstige Auswirkung haben.

Hohe Cholesterinwerte sind kein unabwendbares Schicksal. Gesunde Ernährung und die Behandlung mit Statinen und anderen Lipidsenkern können das LDL-Cholesterin senken und kardiovaskuläre Erkrankungen vermeiden. In den letzten Jahrzehnten ist in west­lichen Ländern das Problembewusstsein gestiegen, was sich auf die Cholesterinwerte ausgewirkt hat.

Ein Team um Majid Ezzati vom Imperial College London School of Public Health hat hierzu die Daten aus 1.127 bevölkerungsbasierten Studien zusammengefasst, die im Zeitraum von 1980 bis 2018 die Cholesterinwerte von 102,6 Millionen Menschen erfasst hatten.

Global gesehen hat sich wenig geändert. Das Non-HDL-Cholesterin (das ist im Wesentlichen das LDL-Cholesterin) lag 2018 bei erwachsenen Männern und Frauen bei 3,3 mmol/l. Das sind in etwa die gleichen Werte wie 1980. Regional gibt es jedoch deutliche Unterschiede.

In Nordwesteuropa ist das Non-HDL-Cholesterin pro Jahrzehnt um 0,3 mmol/l gesunken. In Ost- und Südostasien, Teilen Afrikas südlich der Sahara und in Melanesien ist es zu einem Anstieg gekommen.

Am stärksten fiel er in Südostasien mit 0,2 mmol/l pro Dekade aus. Gleichzeitig ist es dort zu einem leichten Anstieg des HDL-Cholesterins gekommen, was die negativen Auswir­kungen abgefedert haben könnte.

Nach den Berechnungen von Ezzati waren erhöhte Non-HDL-Cholesterinspiegel im Jahr 2017 für geschätzte 3,9 Millionen Todesfälle weltweit durch ischämische Herzerkrank­ungen und ischämische Schlaganfälle verantwortlich. Dies entspricht 1/3 der Todesfälle an diesen Erkrankungen.

Im Zeitraum von 1990 bis 2017 ist die Zahl der Todesfälle weltweit um rund 910.000 gestiegen, wobei sicherlich die Zunahme der Weltbevölkerung eine Rolle gespielt hat) Der Anstieg wird durch eine Zunahme der Erkrankungen in den asiatischen Ländern verursacht, die den Rückgang in westlichen Ländern mehr als ausgeglichen haben.

Der Rückgang des Non-HDL-Cholesterins begann laut Ezzati in den westlichen Ländern in den 1980er Jahren, bevor Statine weit verbreitet waren. Dies weise darauf hin, dass Ernäh­rungs­umstellungen, insbesondere der Ersatz von gesättigten durch ungesättigte Fette und die Verringerung der Transfette einen wesentlichen Beitrag am Rückgang des Non-HDL-Cholesterins hatten.

Der vermehrte Einsatz von Statinen seit Ende der 1990er Jahre könnte nach Einschätzung von Ezzati bis zur Hälfte des Rückgangs in westlichen Ländern erklären, in denen Statine weit verbreitet sind.

Im Gegensatz zu einkommensstarken westlichen Ländern habe der Verbrauch von Lebensmitteln aus tierischen Quellen, raffinierten Kohlenhydraten und Palmöl in Ost- und Südostasien erheblich zugenommen, schreibt Ezzati. Dort seien die Verordnungen von Statinen weiterhin niedrig.

Die größten Fortschritte haben laut Ezzati Belgien und Island gemacht, wo die Non-HDL-Cholesterinwerte um 1980 zu den höchsten der Welt gehörten. In den beiden Ländern ist das mittlere Non-HDL-Cholesterin bei Frauen und Männern pro Jahrzehnt um etwa 0,45 mmol/l gesunken. In den beiden Ländern liegen die Non-HDL-Cholesterinwerte inzwisch­en unterhalb des globalen Durchschnitts.

Auch in Deutschland hat es Fortschritte gegeben. Die deutschen Frauen, die 1980 noch den 23. Platz in der Welt und 19. Platz in Europa belegten, befinden sich heute auf Position 100. in der Welt und auf Position 27 in Europa. Die Männer haben sich weltweit von Platz 24 auf 83 und in Europa von Platz 21 auf 31 verbessert. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #810440
Heli Lange
am Samstag, 4. Juli 2020, 07:08

Cholesterin ist böse?

Wenn Menschen nur den Arzt aufsuchten, wenn sie gesundheitliche Probleme haben, wüsste trotzdem jeder Mensch, dass er vom Tode bedroht ist.

Es ist aus wirtschaftlichen Gründen sehr attraktiv, erst eine Normung vorzunehmen und dann die Normabweichungen zu behandeln!

Meine durchaus ernstgemeinte Stellungnahme: Wie konnten die alten Kelten überleben, ohne ihre Cholesterinwerte zu kennen?
Antwort: Gar nicht. Sie sind alle gestorben!
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Mittwoch, 24. Juni 2020, 13:00

@Practicus

In anderen Worten, Sie weigern sich vorzustellen, dass Vitamin C Arteriosklerose zu verhindern bzw. zu heilen imstande sein würde.
Sofern Sie bereit sind, mir zu folgen:
Vitamin C wird bei der Erneuerung der Kollagenfasern benötigt.
Unterbleibt infolge Vitamin-C-Mangels die Erneuerung der Kollagenfasern in den Arterienwänden, beginnen diese infolge des oszillierenden Zustandes des Systems brüchig zu werden. Diese Brüche werden mit Cholesterin und Kalzium geflickt. Damit ist der arteriosklerotische Prozess definiert. Findet dieser nicht statt, wird weniger Cholesterin benötigt und bereitgestellt. Deshalb bedeutet den Fokus auf das Cholesterin gerichtet zu haben, den Fokus auf eine falsche Sache gerichtet zu haben.
Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 24. Juni 2020, 00:24

@Wolfbeißer

Aha, die Wirkung von Statinen ist also nicht belegt - obwohl vielfach und mit hochsignifikanten Ergebnissen untersucht.... aber die Wirkung von Vitamin C ist gesichert und braucht keine Belege, weil die Überlegungen eines Stellmachers natürlich weit vor wissenschaflichen Studien mit zahlreichen Beteiligten qualifizierten Wissenschaftlern einzuordnen sind?
Lernen Se einfach mal Stochastik, Biostatistik, Physiologie, Epidemiologie... geht an allen Universitäten
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Dienstag, 23. Juni 2020, 11:05

Das Absinken der

der Cholesterinwerte könnte auch darauf beruhen, weil die cholesterinsenkende Eigenschaft von Nahrungsmitteln, für welche diese Eigenschaft zutrifft, darauf beruht, weil diese zufällig reich an Vitamin C sind. Ausreichende Vitamin-C-Zufuhr gewährleistet die rechtzeitige Erneuerung verschlissener Kollagenfasern, sodass Gewebsbrüche an den Gefäßgeweben unterbleiben, welche ansonsten durch Cholesterin und Kalziumeinlagerungen geflickt würden.
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Dienstag, 23. Juni 2020, 09:59

Punkt!

@DrNorbertClemens
Und warum sind dann Statine nicht zielführend: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22981406/
Avatar #794668
Johanna K.
am Dienstag, 23. Juni 2020, 08:26

Weshalb beobachten und beschreiben, wenn man auch vermuten kann!

Nett, diese Anhäufung von (nüchternen) Daten.
Ganz unscheinbar kommen dann auch die damit verbundenen Schlussfolgerungen um die Ecke: Eine Ernährungsumstellung sei vermutlich neben der (erst später hinzugekommenen) Therapie mit Statinen der Grund für die Absenkung des Cholesterinspiegels - der ja lediglich einen statistischen/epidemiologischen Wert wiedergibt.
Zitat: " Dies weise darauf hin, dass Ernäh­rungs­umstellungen, insbesondere der Ersatz von gesättigten durch ungesättigte Fette und die Verringerung der Transfette einen wesentlichen Beitrag am Rückgang des Non-HDL-Cholesterins hatten." Wie wurden diese Ernährungsumstellungen festgestellt? Wer hat da flächendeckende Ernährungsberatungen durchgeführt? Wie lässt sich diese Behauptung anhand von Umsatzzahlen des Lebensmittelhandels belegen? Wie sieht die durchschnittliche Ernährung in verschiedenen geopolitisch zusammenhängenden Regionen eigentlich aus und wo sind Änderungen nachgewiesen?
Ganz nebenbei fällt ein anderes "unschönes" Wort : raffinierte Kohlenhydrate. Ach ja, war da nicht was? Convenience food? Lebensmittel, die immer süßer werden? Ampel-Kennzeichnung? Zuckersteuer auf gesüßte Getränke?
Avatar #576
DrNorbertClemens
am Montag, 22. Juni 2020, 20:28

Cholesterin ist als Ursache belegt. Punkt.

Das Zitieren von viertklassigen Artikeln erinnert mich an Karl-Eduard von Schnitzler und seine unsäglichen Beiträge. Lesen Sie nur deshalb keine evidenzbasierte medizinische Literatur, weil Ihnen die Kosten der Journale zu hoch sind? Ich empfehle Ihnen die Lektüre von Echt-Daten, z.B. aus dem DLAR (Schettler et al. 2017: doi: 10.1007/s11789-017-0089-9). Hier haben Sie Daten von mehr als 15.000 Behandlungen zusammengefasst und auch noch kostenlos. Lesen bildet.
Avatar #576
DrNorbertClemens
am Montag, 22. Juni 2020, 20:28

Cholesterin ist als Ursache belegt. Punkt.

Das Zitieren von viertklassigen Artikeln erinnert mich an Karl-Eduard von Schnitzler und seine unsäglichen Beiträge. Lesen Sie nur deshalb keine evidenzbasierte medizinische Literatur, weil Ihnen die Kosten der Journale zu hoch sind? Ich empfehle Ihnen die Lektüre von Echt-Daten, z.B. aus dem DLAR (Schettler et al. 2017: doi: 10.1007/s11789-017-0089-9). Hier haben Sie Daten von mehr als 15.000 Behandlungen zusammengefasst und auch noch kostenlos. Lesen bildet.
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Montag, 22. Juni 2020, 17:49

Hohes Cholesterin

In der Medizin gilt die Ursache der Arteriosklerose als nach wie vor ungeklärt: http://www.mednet.at/news/medartikel.asp?id=3590 Wie kann man da angesichts dieser Tatsache das Cholesterin für den Verursacher halten? Korrelation ist nicht Kausalität!
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