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Ärzteschaft

Kompetenznetz: Ärzte beraten herzkranke Kinder „übervorsichtig“

Donnerstag, 11. Juni 2020

/Kara, stock.adobe.com

Berlin – Nur neun Prozent der von angeborenen Herzfehlern betroffenen Kinder und Ju­gendlichen treiben täglich eine Stunde Sport. Bei den Herzkindern mit schweren angebo­re­nen Herzfehlern sind es nur acht Prozent.

Das berichten Wissenschaftler um den Kinderkardiologen Christian Apitz am Universi­täts­­klinikum Ulm gemeinsam mit der Sportwissenschaftlerin Claudia Niessner vom Karlsru­her Institut für Technologie und dem Kinderkardiologen Jannos Siaplaouras. „Herzkinder treiben zu wenig Sport“, lautet ihr Fazit.

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Für ihre Studie am Kompetenznetz Angeborene Herzfehler haben die Wissenschaftler die vollständigen Datensätze von 1.198 Teilnehmern des „Nationalen Registers für angebo­rene Herzfehler“ im Alter zwischen 6 und 17 Jahren mit leichten, moderaten und komple­xen angeborenen Herzfehlern ausgewertet und sie mit den Daten von 3.385 gleichaltri­gen Teilnehmern aus der KiGGS Studie des Robert-Koch-Instituts verglichen.

Bundesweit haben zudem rund 1.700 minderjährige Herzpatienten sowie ihre Eltern Fra­gen zur körperlichen Aktivität, zur medizinischen Versorgung sowie zu den Sport­empfeh­lungen der behandelnden Ärzte beantwortet. Die detaillierten Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift Frontiers in Pediatrics erschienen (DOI: 10.3389/fped.2020.00170).

„Überrascht“ hat das Forscherteam nach eigenen Angaben die hohe Zahl der Studienteil­nehmer, die angaben, ihre körperliche Aktivität auf ärztlichen Rat hin eingeschränkt zu haben.

Bei Kindern und Jugendlichen mit komplexen angeborenen Herzfehlern war das bei der Hälfte der Fall, bei Patienten mit moderaten angeborenen Herzfehlen gab dies jeder Dritte an. Bei Patienten mit einfachen angeborenen Herzfehlern machte noch immer je­der Achte diese Angabe.

Die Wissenschaftler sehen hier dringenden Handlungsbedarf. Dass vor allem Eltern und Sorgeberechtigte dazu neigen würden, die jungen Herzpatienten in Watte zu packen, seiaus anderen Studien bekannt gewesen.

„Dass sich ein ähnliches Verhalten auch bei den behandelnden Ärzten abzeichnet, erfüllt uns mit Sorge“, sagte Apitz. Es liege eine Beratungslücke vor, die dringend geschlossen werden müsse.

Die Wissenschaftler weisen daraufhin, dass der tägliche körperliche Ausgleich für Kinder und Jugendliche mit angeborenen Herzfehlern besonders wichtig sei. Sie empfehlen da­her, die Bewegungsangebote für Kinder und Jugendliche mit schweren angeborenen Herz­fehlern deutlich auszubauen. © hil/aerzteblatt.de

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