szmtag Herzstillstand: Einkommen und Bildung des Patienten...
MedizinKardiologieStudien Kardiologie
Studien
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Herzstillstand: Einkommen und Bildung des Patienten beeinflussen Erfolg einer Reanimation

Dienstag, 29. Dezember 2020

/sudok1, stock.adobe.com

Växjö/Kalmar– Bildung und Einkommen können im Fall eines plötzlichen Herzstillstands lebensrettend sein. Auch im egalitären Gesundheitswesen Schwedens, das keine Unterschiede bei der Behandlung seiner Patienten kennt, werden Patienten bei einem Herzstillstand in der Klinik häufiger erfolgreich wiederbelebt, wenn sie über einen höheren Bildungsstand oder ein höheres Einkommen verfügen. Das kam jetzt in einer Studie in European Hart Journal (2020; DOI: 10.1093/eurheartj/ehaa954) heraus.

Frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass Menschen mit einem niedrigen sozioökonomischen Status einen Herzstillstand außerhalb der Klinik häufiger nicht überleben. Mögliche Gründe sind die geringere Bereitschaft zu einer Laienreanimation oder auch eine spätere Alarmierung des Notarztes.

Diese Faktoren spielen bei einem plötzlichen Herzstillstand in der Klinik keine Rolle. Ärzte und Pflege­personal sollten keine Standesunterschiede zwischen den Patienten machen, schon gar nicht in Schweden, das sich klar zur Gleichbehandlung aller Bevölkerungsgruppen bekennt.

Vor diesem Hintergrund erstaunt, was Jens Agerström von der Linné-Universität in Växjö und Kalmar und Mitarbeiter bei einer Analyse des schwedischen Qualitätsregisters für die kardiopulmonale Reanimation herausgefunden haben.

Die Ausgangssituationen für die Patienten waren gut. Bei fast 60 % der Patienten konnte die kardiopul­monale Reanimation ohne Verzögerung begonnen werden. Die Hälfte der Patienten (51,6 %) überlebte den Herzstillstand. 1/4 (23,1 %) konnte mit einem guten neurologischen Ergebnis aus der Klinik entlassen werden. Das Personal war zu 71,8 % mit dem Ergebnis zufrieden. Man hatte getan, was möglich war.

Dennoch hatten Bildung und Einkommen einen Einfluss auf die Behandlung: Bei Patienten mit einem höheren Bildungsniveau verzögerte sich die Reanimation zu 11 % seltener als bei Patienten mit geringer Bildung. Beim Einkommen kam es pro Perzentile zu einer Verzögerung um 2 %.

Die Chance, die Klinik lebend und ohne neurologische Schäden zu verlassen, war für Menschen mit hohem Bildungsniveau höher. Dieses Ziel erreichten 30,0 % der Patienten mit Hochschulbildung aber nur 21,9 % der Personen, die nach der Schule in den Beruf gingen. In den Einkommensgruppen wurden 28,2 % im Viertel mit dem höchsten Einkommen und 17,5 % im Viertel mit dem niedrigsten Einkommen lebend und ohne neurologische Schäden aus der Klinik entlassen.

Auch die 30-Tages-Überlebensrate war bei Patienten mit besserer Bildung höher (36,9 versus 28,0 %). Beim Einkommen waren es 34,8 versus 23,5 % beim Vergleich der oberen mit der unteren Einkommens­gruppe. Interessanterweise hatten weder Einkommen noch Bildung einen Einfluss auf die Zufriedenheit des Personals mit der Reanimation.

Neben der schnelleren Reanimation könnte auch die bessere medizinische Versorgung vor dem Herzstill­stand das Ergebnis beeinflusst haben. Der Anteil der Patienten mit Herzmonitoring (Herzschrittmacher, ICD) war unter den gebildeten Patienten (57,0 bis 50,6 %) und den Patienten mit höherem Einkommen (54,8 versus 47,3 %) höher.

Die Unterschiede blieben bestehen, nachdem Agerström den Einfluss von Alter, Geschlecht und Begleit­erkrankungen mathematisch korrigiert hatte. Die Untersuchung konnte jedoch die Auswirkungen des Lebensstils nicht berücksichtigen. Aus anderen Studien ist bekannt, dass Menschen mit niedriger Bildung oder Einkommen häufiger Rauchen, mehr Alkohol trinken und sich ungesünder ernähren. Dies könnte ebenfalls die Chancen auf eine erfolgreiche Reanimation in der Klinik senken. Es wäre deshalb falsch, allein eine Diskriminierung des Personals für die Unterschiede verantwortlich zu machen. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 29. Dezember 2020, 16:23

Einkommen und Bildung sind reine Surrogat Parameter

und nicht nur bei Einkommen und Bildung der Patient*Innen, sondern auch bei den Ärzt*Innen. Ausbildung, Erfahrung und Status in der cardiopulmonalen Reanimation (CPR) beeinflussen ebenfalls den Erfolg einer Reanimation.

Neben der schnelleren Reanimation könnte auch die bessere medizinische Versorgung vor dem Herzstill­stand das Ergebnis beeinflusst haben. Der Anteil der Patienten mit Herzmonitoring (Herzschrittmacher, ICD) war unter den gebildeten Patienten (57,0 versus 50,6 %) und den Patienten mit höherem Einkommen (54,8 versus 47,3 %) höher. Ergänzt wird das durch geringeres Gesundheits-Bewusstsein, -Verhalten, -Wissen, -Denken, -Fühlen, -Wollen und -Handeln in den Unterschichten.

Die Unterschiede blieben bestehen, nachdem Agerström den Einfluss von Alter, Geschlecht und Begleit­erkrankungen mathematisch korrigiert hatte. Die Untersuchung konnte jedoch die Auswirkungen des Lebensstils nicht berücksichtigen. Aus anderen Studien ist bekannt, dass Menschen mit niedriger Bildung oder Einkommen häufiger Rauchen, mehr Alkohol trinken und sich ungesünder ernähren. Dies könnte ebenfalls die Chancen auf eine erfolgreiche Reanimation in der Klinik senken. Es wäre deshalb falsch, allein eine Diskriminierung des Personals für die Unterschiede verantwortlich zu machen.

Das beweist auch zusätzlich den völlig irreführenden Untersuchungsansatz des Autorenteams als "retrospektives statistisches Kaffeesatz-Lesen".

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

Stellenangebote

    NEWSLETTER