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Vorhofflimmern: Alkohol erhöht Risiko bereits in niedriger Menge

Dienstag, 2. Februar 2021

/ANGHI, stock.adobe.com

Hamburg – Schon ein einziges alkoholisches Getränk pro Tag könnte auf Dauer das Risiko auf ein Vorhofflimmern erhöhen. Dies kam in einer Analyse von mehreren prospektiven Beobachtungsstudien im European Heart Journal (2021; DOI: 10.1093/eurheartj/ehaa953) heraus. Ein mäßiger Alkoholkonsum war dort aber auch mit einem niedrigeren Risiko auf eine Herzinsuffizienz verbunden.

Dass ein erhöhter Alkoholkonsum ein Vorhofflimmern triggern kann, gilt als gesichert. Schon bei jünge­ren Menschen kann es nach Alkoholexzessen zu einer Tachykardie kommen, die sich durch Palpitationen bemerkbar macht und als Holiday-Heart-Syndrom bezeichnet wird. In einer früheren Studie an Besu­chern des Münchner Oktoberfests stieg die Häufigkeit dieser Herzrhythmusstörungen mit dem Alkohol­pegel der Besucher (European Heart Journal, 2017; DOI: 10.1093/eurheartj/ehx156).

Auch ein regelmäßiger höherer Alkoholkonsum hat sich in epidemiologischen Studien als Erkrankungs­risiko erwiesen. Unklar war bisher, ob auch kleinere Alkoholmengen auf Dauer zum Vorhofflimmern führen können. Ein Team um Prof. Renate Schnabel vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hat zu dieser Frage jetzt die Daten des MORGAM-Projekts ausgewertet.

Es umfasst 5 prospektive Kohorten aus Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark und Italien mit insge­samt 107.845 Teilnehmern, von denn 5.854 im Verlauf von 13,9 Jahren neu an Vorhofflimmern erkrankt sind. Die Teilnehmer waren zu Beginn der Studie im mittleren Alter von 47,8 Jahren zu ihrem Alkohol­konsum befragt worden. Als „Drink“ wurden 120 ml Wein, 330 ml Bier oder 40 ml Spirituosen gewertet, die etwa 12 g Ethanol enthalten.

Diese relativ geringe Menge war, wenn sie täglich konsumiert wurde, mit einem um 16 % erhöhten Risi­ko für spätere Episoden eines Vorhofflimmerns assoziiert. Schnabel und Mitarbeiter ermitteln eine Hazard Ratio von 1,16, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,11 bis 1,22 signifikant war. Eine Assoziation bestand bereits ab einem durchschnittlichen Konsum von 3 g/Tag (Hazard Ratio 1,04; 1,02 bis 1,05).

Dagegen wurde für das Risiko einer chronischen Herzinsuffizienz eine j-förmige Assoziation gefunden. Das niedrigste Risiko lag hier bei einem täglichen Konsum von 20 g/Tag oder 1,6 „Drinks“ am Tag. Men­schen die weniger oder mehr Alkohol tranken, erkrankten in der Folge häufiger an einer chronischen Herzinsuffizienz.

Die Studie ist nicht ohne Schwächen. Der Alkoholkonsum wurde nur 1 Mal zu Beginn der Studie erfragt, und verschiedene Trinkgewohnheiten wie gelegentliche Alkoholexzesse wurden nicht ermittelt. Die Ergebnisse stimmen allerdings mit früheren Studien überein. In der Women’s Health Study waren 2 Drinks am Tag mit einem um 60 % erhöhten Risiko auf ein Vorhofflimmern verbunden, während die PREDIMED-Studie für einen „mediterranen Alkoholkonsum“, sprich vor allem Rotwein, kein erhöhtes Risiko fand.

Eine Metaanalyse von 7 prospektiven Studien mit 12.554 Erkrankungen hatte vor einigen Jahren einen Anstieg des Risikos um 8 % pro täglichem Drink ermittelt (Journal of the American College of Cardiology, 2014; DOI: 10.1016/j.jacc.2014.03.048). In einer randomisierten Studie, deren Ergebnisse im letzten Jahr veröffentlicht wurden, hat der weitgehende Verzicht auf alkoholische Getränke bei Patienten, die wegen eines Vorhofflimmerns in Behandlung waren, die Anzahl und die Dauer der Herzrhythmusstörungen signifikant gesenkt. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #720508
e.ne
am Samstag, 27. Februar 2021, 12:38

Lustig - Europa will nix wissen

D fragt überhaupt nicht nach Alkohol/Drogen seit ca mindestens 40 Jahren.
Und die 4 nördlichen europ. Länder s.o. und Italien fragten: 1x!
Toll.
Tolle Leistung.

Avatar #782408
Paramecium caudatum
am Dienstag, 2. Februar 2021, 19:42

Kritik

Die Studie überzeugt aufgrund wenig valider und reliabler Daten nicht und suggeriert so den Eindruck, als könne man bei Vermeidung jeglichen Alkoholkonsums Vorhofflimmern weitgehend entgehen. Das ist aber nicht der Fall! Habe Vorhofflimmern sehr zur Überraschung verschiedener Kardiologen und insgesamt 6 Kranken­haus­auf­enthalten selbst bei völligem Alkoholverzicht, täglichem Ausdauersport und dem Nichtvorhandensein weiterer Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes, schlechte Ernährung oder gar Herzschwäche trotzdem bekommen, was man mehrfach während der Untersuchungen ausgeschlossen hat. Es lag selbst nach 72 stündigen Langzeit EKG´s nie Vorhofflimmern vor und trotzdem hatte ich vor Monaten einen mittelschweren Schlaganfall, da eine Antiagglutionation für nicht nötig befunden wurde und auch da wurde zum ersten Mal Vorhofflimmern als Auslöser nachgewiesen. Einziger risikofaktor: Alter über 65.
Meine Bekannten - alle Spät 60er mit viel Drogen- und Alkoholkonsum können bisher dar+ber nicht klagen und waren mehr als erstaunt, dass es mich als "fast" Asket getroffen hat.
Was lehrt uns das mal wieder: entscheidend ist die genetische Ausstattung, da die in erster Linie darüber entscheidet, ob man Vorhofflimmern bekommt oder nicht!
LNS

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