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Herzinsuffizienz: Reha verbessert Fitness nach Klinikbehandlung

Donnerstag, 15. Juli 2021

/Kzenon, stock.adobe.com

Winston-Salem/North Carolina – Menschen mit dekompensierter Herzinsuffizienz wird heute nach der Entlassung aus der Klinik selten eine Rehabehandlung angeboten. Eine US-Studie zeigt jedoch, dass sich Kraft, Gleichgewicht, Mobilität und Ausdauer der Patienten verbessern lassen.

Ein Einfluss auf die Rehospitalisierungsrate war nach den auf der Jahrestagung des American College of Cardiology vorgestellten und im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2026141) publizierten Ergebnissen allerdings nicht erkennbar. Die Sterberate war sogar tendenziell erhöht.

Patienten, die wegen einer akuten Dekompensation einer Herzinsuffizienz im Krankenhaus behandelt werden, gelten als körperlich zu schwach für eine anschließende Reha. Die meisten Kardiologen sind froh, wenn sie die Herzfunktion so weit stabilisieren können, dass die oft gebrechlichen Patienten ohne Atemnot und andere Symptome nach Hause entlassen werden können.

Einem Team um Dalane Kitzman von der Wake Forest School of Medicine in Winston-Salem/North Carolina ist dies zu wenig. Die Mediziner haben ein Rehaprogramm entwickelt, das auf die beschränkten Möglichkeiten von Menschen mit chronischer Herzschwäche ausgerichtet ist.

Die Reha wird nach Möglichkeit noch im Krankenhaus eingeleitet und nach der Entlassung in einer ambulanten Einrichtung fortgesetzt. Bei Bedarf erhalten die Patienten zunächst Hausbesuche, bis sie „fit“ genug sind, um an den ambulanten Sitzungen in der Rehaeinrichtung teilzunehmen.

In den ersten 3 Monaten erhalten die Patienten 36 Behandlungen über jeweils 60 Minuten, in denen sie einzeln betreut werden. Für die Tage ohne Rehatermin erhalten die Patienten „Hausaufgaben". Im Anschluss an das 3-monatige Rehaprogramm sollen sie die Übungen selbsttätig zuhause fortsetzen. Ziel der Behandlung ist eine Verbesserung von Kraft, Gleichgewicht, Mobilität und Ausdauer.

Die REHAB-HF-Studie („Rehabilitation Therapy in Older Acute Heart Failure Patients“) hat das Konzept klinisch getestet. An der Studie nahmen an mehreren US-Zentren 349 Patienten teil im Alter von durch­schnittlich 73 Jahren mit im Mittel 5,4 Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Adipositas, Bluthoch­druck, Lungen- oder Nierenerkrankungen. Insgesamt 53 % erfüllten 3 der 5 Frailty-Kriterien nach Fried (Gewichtsverlust, Erschöpfung, geringe körperliche Aktivität, langsame Ganggeschwindigkeit und schwache Handgriffkraft).

Bei weiteren 44 % lagen 1 oder 2 Frailty-Kriterien vor. Wie schwach die Patienten waren, zeigte sich daran, dass zu den Einschlusskriterien gehörte, dass sie 4 Meter mit oder ohne Gehhilfe oder einem anderen Hilfsmittel laufen konnten.

Der Hälfte der Teilnehmer wurde das Rehaprogramm angeboten, die anderen erhielten eine normale ärztliche Betreuung. Nach 3 Monaten wurden beide zu einer Nachuntersuchung einbestellt. Primärer Endpunkt war der „Short Physical Performance Battery Test“, ein auch in Deutschland gebräuchlicher Test zur Beurteilung von Gleichgewicht, Gehgeschwindigkeit und Beinkraft. Die Gesamtpunktzahl reicht von 0 bis 12, wobei niedrigere Punktzahlen auf eine schwerere körperliche Funktionsstörung hinweisen.

Die Teilnehmer des Rehaprogramms verbesserten sich von 6,0 auf 8,3 Punkte. In der Kontrollgruppe kam es nur zu einer minimalen Zunahme von 6,1 auf 6,9 Punkte. Im Vergleich bedeutete dies für die Reha­gruppe eine Verbesserung um 1,5 Punkte, die laut den Berechnungen von Kitzman mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,9 bis 2,0 Punkten signifikant war. Der Vorteil war in allen 3 Domänen des Tests nachweisbar.

Anschaulicher sind einige Ergebnisse in den sekundären Endpunkten: Die 6-Minuten-Gehstrecke verlän­gerte sich von 194 auf 293 Meter. Gegenüber der Verbesserung von 193 auf 260 Meter in der Kontroll­gruppe ist dies ein Vorsprung von 34 Metern (12 bis 56 Meter). Bei der Ganggeschwindigkeit kam es zu einer Zunahme von 0,60 auf 0,80 Meter/Sekunde. Der Vorteil gegenüber der Kontrollgruppe betrug hier 0,12 (0,07 bis 0,16) Meter/Sekunde.

Vorteile bestanden auch im „Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire“ (KCCQ), einem Messinstrument zur Erfassung der Lebensqualität bei chronischer Herzinsuffizienz.

Fitness und Lebensqualität der Patienten hatten sich demnach verbessert. Ein günstiger Einfluss auf klinische Endpunkte war jedoch nicht sicher nachweisbar. Die Rehospitalisierungsrate wurde nur unwe­sentlich auf 1,18 in der Interventionsgruppe gegenüber 1,28 in der Kontrollgruppe gesenkt (Rate Ratio 0,93; 0,66 bis 1,19).

Bei den Todesfällen kam es sogar zu einem Anstieg: In der Interventionsgruppe starben 21 Teilnehmer (darunter 15 aufgrund kardiovaskulärer Ursachen). In der Kontrollgruppe gab es 16 Todesfälle (davon 8 aufgrund kardiovaskulärer Ursachen). Kitzman ermittelt eine Rate Ratio von 1,17, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,61 bis 2,27 zwar nicht statistisch signifikant war. Der Anstieg der kardiovas­kulären Todesfälle deutet jedoch darauf hin, dass die Rehabehandlung von Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz nicht ohne Risiken ist.

Die Bewertung durch Stefan Anker von der Berliner Charité fällt positiv aus. Der Vorteil im „Short Physical Performance Battery Test“ sei beeindruckend und die Unterschiede in Gehstrecke und Gangge­schwindigkeit klinisch bedeutsam und beträchtlich, schreibt der Kardiologe im Editorial.

Der Anstieg des KCCQ deute auf einen erheblichen Gewinn an Lebensqualität hin. Es scheine, dass das Rehaprogramm die Patienten glücklicher – oder zumindest weniger depressiv – mache, was sich auch im Rückgang der Geriatric Depression Scale-15 gezeigt habe. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Donnerstag, 15. Juli 2021, 18:39

Der gegenständliche Artikel hat mich

an diesen Inhalt erinnert: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/54539/Herzinsuffizienz-Coenzym-Q10-senkt-Sterblichkeit-in-Studie Auf dieser Seite ist sogleich am ihrem Beginn zu lesen, dass vor einem voreiligen Einsatz dieses Wirkstoff gewarnt wird. Irgendwie seltsam, dass vor etwas gewarnt wir, bei dessen Anwendung keine Nebenwirkungen zu befürchten sind.
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