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Herz-Kreislauf-Erkran­kungen: Mäßiger Alkoholkonsum könnte sekundärpräventiv wirken

Freitag, 3. September 2021

bit24 stock.adobe.com bier alkohol

London – Ein mäßiger Alkoholkonsum könnte bei älteren Erwachsenen, die bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben, das Risiko auf weitere kardiovaskuläre Ereignisse oder einen Herz-Kreislauf-Tod senken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Metaanalyse in BMC Medicine (2021; DOI: 10.1186/s12916-021-02040-2) die 3 neuere Studien berücksichtigt. Das Limit war jedoch geringer als in früheren Untersuchungen.

Ein Einfluss von Alkohol auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat in den letzten Jahrzehnten die Epidemi­ologen wiederholt beschäftigt. Viele Studien haben einem mäßigen Alkoholkonsum eine günstige Wir­kung in der Primärprävention bescheinigt. Ob allerdings Menschen, die bereits einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erlitten haben, Alkohol trinken sollten, ist dagegen umstritten.

Die meisten Leitlinien erheben keine Einwände gegen einen mäßigen Konsum. Die American Heart Association sieht das obere Limit bei 196 Gramm reinem Alkohol pro Woche für Männer (entsprechend 2 US-Drinks pro Tag) und 98 Gramm pro Woche für Frauen (entsprechend 1 US-Drink pro Tag) mit kardio­vaskulären Vorerkrankungen.

Das britische National Institute for Health and Care Excellence empfiehlt beiden Geschlechtern, nicht mehr als 112 Gramm Alkohol pro Woche zu konsumieren (14 UK-Drinks pro Woche). Die Weltgesund­heitsorganisation (WHO) hält sogar 166 Gramm Alkohol pro Woche für Herz-Kreislauf-Patienten für sicher.

Chengyi Ding vom University College London und Mitarbeiter haben jetzt die Daten aus 3 prospektiven Beobachtungsstudien ausgewertet. Dies waren der „Health Survey for England“ aus den Jahren 1994 bis 2008, der „Scottish Health Survey“ aus den Jahren 1995, 1998 und 2003 und die „UK Biobank“-Studie von 2006 bis 2010. Den größten Anteil hatte mit 14.386 Teilnehmern die „UK Biobank“-Studie. Die beiden anderen Studien steuerten 2.802 Patienten bei.

In einer Metaanalyse haben die Epidemiologen noch 12 weitere bereits publizierte Studien einbezogen. Insgesamt beruht die Analyse auf 48.423 Patienten. Das sind 3 Mal so viele wie in der letzten Metaana­lyse zu diesem Thema, die vor 9 Jahren im European Heart Journal (2012; DOI: 10.1093/eurheartj/ehs047) veröffentlicht wurde.

Das Ergebnis ist eine J-förmige Kurve, die im unteren Bereich auf eine protektive Wirkung hinweist, wäh­rend ein zu hoher Alkoholkonsum Herz-Kreislauf-Patienten eher schadete. Die niedrigste Gesamtsterb­lichkeit hatten Teilnehmer, die 7 Gramm Alkohol am Tag konsumierten. Sie hatten ein um 21 % vermin­dertes Sterberisiko (relatives Risiko 0,79; 95-%-Konfidenzintervall 0,73 bis 0,85). Signifikant war die Schutzwirkung nur für Männer und nur bei Angina und Herzinfarkt als Vorerkrankung, nicht aber für Patienten mit Schlaganfall.

Die niedrigste Herz-Kreislauf-Sterblichkeit hatten Patienten, die 8 Gramm Alkohol am Tag tranken mit einem relativen Risiko von 0,73 (0,64 bis 0,83). Auch hier war die Assoziation nur für Männer und nur für einen Herzinfarkt in der Vorgeschichte signifikant.

Kardiovaskuläre Ereignisse traten bei einem Konsum von 6 Gramm Alkohol pro Tag am seltensten auf. Der Rückgang betrug hier 50 % (relatives Risiko 0,50; 0,26 bis 0,96). Der Vorteil war dieses Mal nicht auf Patienten mit kardialen Ereignissen in der Vorgeschichte beschränkt. Auch nach einem Schlaganfall ging ein mäßiger Alkoholkonsum mit einem verminderten Risiko auf ein erneutes Ereignis einher.

Insgesamt scheint Alkohol das Erkrankungs- und Sterberisiko bis zu einem Konsum von 15 Gramm/Tag zu senken. Dies ergibt eine Wochenration von 105 Gramm für beide Geschlechter, die vor allem bei Män­nern unter der derzeit von den Fachgesellschaften als sicher eingestuften Menge liegt.

Für die Beratung der Patienten dürfte wichtig sein, dass verschiedene Medikamente das Risiko beeinflussen. Die Einnahme von Statinen könnte die günstige Wirkung von Alkohol verstärken, schreibt Ding. Bei einer Behandlung mit Vitamin K-Antagonisten bestehe dagegen die Gefahr, dass die antikoagulatorische Wirkung verstärkt wird. Ein Alkoholkonsum könnte hier schweren Blutungen Vorschub leisten.

Die Grenze von 15 Gramm am Tag entspricht in etwa einer kleinen Flasche (0,3 Liter) Starkbier oder 1 Glas Rotwein (0,15 l). Ein großes Weizenbier (0,5 l) liegt mit 20 Gramm bereits darüber.

© rme/aerzteblatt.de

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