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Medizin

Präparation des Venengraft beeinflusst Erfolg einer Bypassoperation

Mittwoch, 20. Oktober 2021

/pirke, stock.adobe.com

Peking – Die „No Touch“-Präparation bei der Entnahme der Beinvene, die bereits an vielen Zentren durchgeführt wird, hat in einer randomisierten Studie aus China die Häufigkeit einer Bypassokklusion nach 3 und 12 Monaten deutlich gesenkt und dadurch erneute pektanginöse Beschwerden verhindert. Die Publikation in Circulation (2021; DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.121.055525) dürfte damit letzte Zweifel am Vorteil der „No Touch“-Präparation beseitigen.

Bei etwa 80 % der mehr als 1 Mio. aortokoronaren Bypassoperationen, die weltweit jedes Jahr durch­geführt werden, wird ein Abschnitt der Vena saphena magna verwendet, der größten oberflächlichen Beinvene. Ein Nachteil der Venentransplantate war lange eine hohe Verschlussrate in den ersten Monaten nach der Operation. In diesem Fall hat die Operation ihr Ziel, einen Umgehungskreislauf für die verengte Koronararterie zu schaffen, verfehlt. Die meisten Patienten leiden danach erneut unter Angina pectoris.

Die „No Touch“-Präparation der Vene, die in den 1990er Jahren von schwedischen Herzchirurgen entwick­elt wurde, soll dies verhindern. Bei der konventionellen Präparation hatten die Chirurgen nur die Vene selbst aus dem Oberschenkel entnommen. Die Vene verlor dabei ihre „Aufhängung“ im umgeben­den Bindegewebe.

Um zu verhindern, dass die Vene vor der Implantation am Herzen kollabiert, wurde sie mit Kochsalz­lösung durchspült, was möglicherweise zu Schäden am Endothel führt. Bei der „No Touch“-Präparation wird die Vene zusammen mit einer dünnen Schicht des umgebenden Gewebes entfernt. Das umgebende Bindegewebe verhindert ein Kollabieren, sodass das „Graft“ nicht mit Kochsalzlösung offen gehalten werden muss.

Die neue Technik leuchtete vielen Herzchirurgen ein, so dass sie sich an vielen Zentren durchgesetzt hat, obwohl die Evidenz zumeist auf kleineren Studien an einzelnen Zentren beruhte. Die europäische Leitlinie von 2018 spricht deshalb eine verhaltene Empfehlung vom Grad IIa aus mit einem Evidenzlevel B.

Chinesische Mediziner haben in den letzten Jahren erstmals in einer randomisierten Studie beide Venenpräparationen miteinander verglichen. An der PATENCY-Studie nahmen an 7 Herzchirurgiezentren 2.655 Erwachsene im Durchschnittsalter von 61 Jahren teil. Sie wurden per Los zu gleichen Teilen auf eine konventionelle Präparation oder eine „No Touch“-Präparation verteilt. Das Team um Shengshou Hu von der Fuwai Klinik in Peking konnte die Durchgängigkeit der Bypässe nach 3 und 12 Monaten bei 96,0 % und 92,2 % der Patienten mittels Computertomografie kontrollieren.

Nach 3 Monaten waren 2,8 % der mit der „No Touch“-Technik präparierten Venengrafts verschlossen gegenüber 4,8 % nach konventioneller Präparation. Die Mediziner ermitteln eine Odds Ratio von 0,57, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,41 bis 0,80 signifikant war. Nach 12 Monaten waren 3,7 % versus 6,5 % der Bypässe dicht. Auch hier war die Odds Ratio von 0,56 (0,41 bis 0,76) signifikant, so dass am Vorteil der „No Touch“-Präparation nicht zu zweifeln ist.

Die seltenere Okklusion wirkte sich auch auf die Beschwerden der Patienten aus. In der „No Touch“-Gruppe litten nach 12 Monaten 2,3 % der Patienten wieder unter einer Angina pectoris. In der konventionellen Gruppe waren es 4,1 % (Odds Ratio 0,55; 0,35 bis 0,85). Hinsichtlich schwerwiegender unerwünschter kardialer und zerebrovaskulärer Ereignisse unterschieden sich die beiden Gruppen nicht.

Die „No Touch“-Präparation führt jedoch öfter zu Komplikationen an der Entnahmestelle. Es kam häufiger zu Wundexsudationen (4,3 % versus 1,9 %), Taubheitsgefühlen (23,2 % versus 17,8 %) und zu Ödemen (19,0 % versus 12,9 %). Es wurden mit 10,3 % versus 4,3 % auch häufiger chirurgische Eingriffe am Bein (Wundnaht, Revision) notwendig (Odds Ratio 2,55; 1,85 bis 3,52).

Ein erhöhtes Risiko für Wundkomplikationen wurde bei Frauen, Patienten mit Typ-2-Diabetes oder Bluthochdruck gefunden. Die Rate der Wundkomplikationen ging im Verlauf der Studie zurück, was Hu auf die zunehmende Erfahrung der chinesischen Chirurgen mit der „No Touch“-Präparation zurückführt. © rme/aerzteblatt.de

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