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Mediterrane Diät könnte Präeklampsie vermeiden

Mittwoch, 11. Mai 2022

/natapetrovich, stock.adobe.com

Baltimore – Schwangere, die sich überwiegend mediterran ernährten, erkrankten in einer Kohortenstudie im Journal of the American Heart Association (JAHA, 2022; DOI: 10.1161/JAHA.121.022589) seltener an einer Präeklampsie.

Etwa 5 % bis 10 % aller Schwangeren erkranken an einer Prä­eklampsie, die die Gesundheit von Mutter und Kind gefährdet und eine häufige Ursache für eine medizinisch eingeleitete Frühgeburt ist. Die Ursachen sind nicht bekannt.

Einige kardiometabolische Risikofaktoren wie Diabetes, Hypertonie und Adipositas deuten jedoch auf Stoffwechselstörungen hin, die ihre Ursache in einer ungesunden Ernährung haben könnten. Diese ist in sozioökonomisch benachteiligten Bevölke­rungs­gruppen verbreitet, zu denen in den USA vor allem die Afroamerikanerinnen gehören.

Forscher der Bloomberg School of Public Health in Baltimore haben jetzt in einer Kohortenstudie untersucht, wie sich die Ernährung der Schwangeren auf das Präeklampsierisiko auswirkt.

Die „Boston Birth Cohort“ besteht aus 8.507 Frauen, die im Innen­stadtbereich der Hauptstadt von Massachusetts wohnen. Der Anteil der Afroamerikanerinnen an der Kohorte betrug 46 %. Hinzu kamen noch 28 % Frauen mit lateinamerikanischen Wurzeln (Hispanics). Zur sozialen Risikokonstellation gehörte ein hoher Anteil von unver­heirateten Frauen mit geringer Bildung und niedrigem Einkommen.

Wie Anum Minhas und Mitarbeiter berichten, erkrankten 848 Schwangere (10 %) an einer Präeklampsie. Der Anteil lag damit deutlich über dem Landesdurchschnitt, der in den USA 2 % bis 6 % beträgt.

Es war aber bekannt, dass Afroamerikanerinnen doppelt so häufig erkranken. Minhas kann zunächst bekannte Risikofaktoren bestätigen. Dazu gehört eine Hoch­druck­erkrankung (Odds Ratio OR 9,0; 95-%-Konfidenzintervall 7,33 bis 11,04), ein Diabetes (OR 2,17; 1,62-2,92) und eine Adipositas (OR 2,07; 1,76-2,42).

Schwangere mit Hypertonie und Diabetes wurden deshalb von der weiteren Analyse ausgenommen. Bei der Adipositas war dies nicht möglich, da jede 5. Teilnehmerinn fettleibig war.

Die Teilnehmerinnen hatten nach der Geburt des Kindes einen ausführlichen Ernährungsfragebogen ausgefüllt. Aus den Angaben zum Verzehr von Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Getreide, Milchprodukten und Meeresfrüchten konnte Minhas für jede Teilnehmerin einen „Mediterranean-style diet score“ (MSDS) ermitteln und mit dem Auftreten einer Präeklampsie in Verbindung setzen.

Die meisten Teilnehmerinnen ernährten sich nicht gesund. Im unteren 1/3 (Tertil) lag der MSDS zwischen 4 und 23 Punkten. Das mittlere Tertil erreichte 24 bis 26 Punkte, das obere Tertil 27 bis 38 Punkte.

Im oberen Tertil erkrankten die Frauen zu 22 % seltener an einer Präeklampsie. Die adjustierte Odds Ratio von 0,78 war mit einen 95-%-Konfidenzintervall von 0,64 bis 0,96 signifikant. Bei den Afroamerikanerinnen senkte die mediterrane Diät das Präeklampsierisiko sogar um 26 % (Odds Ratio 0,74; 0,76- 0,96).

Eine einzelne Beobachtungsstudie kann eine Kausalität nicht beweisen. Es gibt jedoch Hinweise aus anderen Studien. So hatte die randomisierte Ernährungsstudie PREDIMED („Primary Prevention of Cardiovascular Disease With a Mediterranean Diet“) gezeigt, dass eine traditionelle mediterrane Ernährung (bei nicht schwange­ren Personen) den Blutdruck senken kann, der ein wichtiger Risikofaktor für die Präeklampsie ist (BMC Medicine, 2013; DOI: 10.1186/1741-7015-11-207).

In der australischen „Generation R Study“ war das traditionelle westliche Ernäh­rungs­muster im Gegensatz zu einem mediterranen Ernährungsstil mit einem höhe­ren Blutdruck in der Schwangerschaft verbunden (AJOG, 2011; DOI: 10.1016/j.ajog.2011.05.013).

In der „Australian Longitudinal Study on Women’s Health“ erkrankten Frauen, die sich mediterran ernährten, seltener an einem Schwangerschaftshochdruck (American Journal of Clinical Nutrition, 2015; DOI: 10.3945/ajcn.114.102475).

Es gibt aber auch ein wichtiges Gegenbeispiel. In der randomisierten ESTEEM-Studie waren 1.252 Schwangere aus den Innenstadt­bereichen von London und Birmingham auf eine mediterrane Diät oder eine Vergleichsgruppe ohne Diät randomisiert worden.

Die mediterrane Diät, die durch die kostenlose Verteilung von Nüssen und Olivenöl gefördert wurde, hatte zwar die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft begrenzt und die Häufigkeit eines Gestationsdiabetes um 35 % gesenkt.

Ein Rückgang der Präeklampsien war jedoch nicht nachweisbar. Im Gegenteil: In der Gruppe mit mediterraner Diät kam es sogar tendenziell häufiger zur Eklampsie, was am Ende einen signifikanten Vorteil im primären Endpunkt aus Diabetes und Präeklampsie verhinderte (PLoS Medicine, 2019; DOI: 10.1371/journal.pmed.1002857). © rme/aerzteblatt.de

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