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Medizin

PFAS könnten bei Frauen mittleren Alters zu Bluthochdruck beitragen

Dienstag, 21. Juni 2022

/Caito, stock.adobe.com

Boston – Frauen mittleren Alters mit höheren Konzentrationen an Per- und Polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS) im Blut haben offenbar ein höheres Risiko, eine Hypertonie zu entwickeln als gleichaltrige Frauen mit niedrigeren Konzentrationen. Dies zeigen Studiendaten, die im Fachjournal Hypertension veröffentlicht wurden (2022; DOI: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.121.18809).

PFAS sind eine Gruppe von chemischen Verbindungen, die sich in allen möglichen Alltagsprodukten finden, von Shampoo über Zahnseide bis hin zu Antihaftbrat­pfannen, Lebensmittelverpackungen, Sitzpolstern und Kleidung.

In die Nahrungskette gelangen sie zum Beispiel über Fisch, der in PFAS-kontaminiertem Wasser gefangen wird, und Milchprodukte von Kühen, die zum Beispiel über Düngemittel mit PFAS in Kontakt kommen.

Dass PFAS einen schädlichen Effekt auf die Gesundheit haben können, wurde bereits in verschiedenen Studien gezeigt. Einige der Verbindungen sind zum Beispiel mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko in Verbindung gebracht worden, andere mit einem möglicherweise erhöhten Krebsrisiko.

Fast alle Amerikaner haben mindestens eine PFAS im Blut

Bereits veröffentlichte Daten der National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) zeigen wie verbreitet die Exposition gegenüber PFAS ist: Fast alle Amerikaner haben demnach nachweisbare Konzentrationen mindestens einer PFAS im Blut haben.

„PFAS sind auch als ‚forever chemicals‘ bekannt, da sie sich in der Umwelt nie abbauen und Trinkwasser, Boden, Luft, Nahrung und zahlreiche Produkte kontaminieren, die wir regelmäßig konsumieren oder mit denen wir häufig in Berührung kommen“, sagte Erstautorin Ning Ding vom Department of Epidemiology der University of Michigan School of Public Health in Ann Arbor.

„Frauen scheinen besonders vulnerabel zu sein, wenn sie mit diesen chemischen Verbindungen in Kontakt kommen“, ergänzte sie. „Die Exposition gegenüber PFAS könnte ein unterschätzter Risikofaktor für die kardiovaskuläre Gesundheit von Frauen sein.“

Zu Studienbeginn hatten alle Frauen noch normale Blutdruckwerte

Ding und ihre Kollegen verwendeten Daten der Study of Women’s Health Across the Nation-Multi-Pollutant Study (SWAN-MPS). Die Auswertung umfasst mehr als 1.058 Frauen im Alter von 45-56 Jahren, die zu Studienbeginn normale Blutdruck­werte hatten. Die Blutkonzentrationen an PFAS wurden ebenfalls zu Studienbeginn ermittelt.

Im Verlauf von 11.722 Personenjahren Nachbeobachtung entwickelten 470 Frauen einen Bluthochdruck. Es zeigte sich, dass Frauen mit höheren PFAS-Konzentra­tionen im Blut häufiger eine Hypertonie entwickelt hatten.

Konzentration und Vielfalt an PFAS im Blut treibt Hypertonierisiko nach oben

Frauen im obersten Drittel der Konzentrationen an Perfluoroctansulfonsäure (PFOS), Perfluoroctansäure (PFOA) und N-Ethyl-Perfluorooctansulfona­midoessigsäure (N-EtFOSAA; eine PFOS-Vorstufe) hatten um 42 %, 47 % und 42 % höhere Risiken für die Entwicklung eines Bluthochdruck – verglichen mit Frauen im untersten Drittel dieser PFAS.

Frauen, die sich hinsichtlich der Konzentration aller 7 untersuchten PFAS im obersten Drittel befanden, hatten sogar ein um 71 % erhöhtes Risiko, eine Hypertonie zu entwickeln.

„Es ist wichtig zu wissen, dass wir sowohl den Effekt einzelner PFAs als auch den Effekt verschiedener PFAS in Kombination untersucht haben“, sagte Seniorautor Sung Kyun Park, Professor für Epidemiologie und Umweltmedizin an der University of Michigan School of Public Health in Ann Arbor. „Und die kombinierte Exposition gegenüber mehreren PFAS hatte einen deutlich stärkeren Effekt auf den Blutdruck“.

Verwendung von PFAS muss dringend eingeschränkt werden

Die Ergebnisse machten sehr deutlich, dass dringend Strategien entwickelt werden müssten, um die Verwendung von PFAS in Konsumgütern einzuschränken, schreiben die Autoren.

Die Umstellung auf Alternativen könnte dabei helfen, die Inzidenz von Hypertonie bei Frauen mittleren Alters zu senken. Ob sich die Ergebnisse auch auf Männer oder Frauen anderer Altersstufen übertragen lassen, müsse noch geklärt werden. © nec/aerzteblatt.de

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