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Ärzteschaft

Nutzen eines verlängertes Dosierungsintervalls von Natalizumab bei Multipler Sklerose unklar

Freitag, 20. Dezember 2019

ralwel, stock.adobe.com

München – Der Nutzen eines verlängerten Dosierungsintervalls des Antikörpers Natalizu­mab von sechs Wochen statt wie bislang vier Wochen bei Multipler Sklerose (MS) ist un­klar. Das verlängerte Dosierungsintervall wird als Maßnahme gegen das Risiko für eine sogenannte Progressive multifokale Leukoenzephalopathie (PML) diskutiert.

Unklar ist laut dem krankheitsbezogenen Kompetenznetzwerk Multiple Sklerose (KKNMS) vor allem, ob das Medikament bei dem verlängerten Intervall seine primäre Wirkung noch in ausreichendem Maß entwickelt. Natalizumab war bislang in der Dosierung von 300 mg einmal alle vier Wochen intravenös für die Behandlung der schubförmig-remittie­renden MS zugelassen. Das sogenannte „Extended Interval Dosing“ (EID) soll jetzt das Ri­siko für die Entstehung einer PML verringern.

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Die PML ist eine Virusinfektion des zentralen Nervensystems, die durch das JC-Virus (JCV) ausgelöst wird und bleibende neurologische Defizite oder gar den Tod zur Folge hat.

Insgesamt trat diese Erkrankung weltweit bei bisher (Stand: März 2019) 814 Patienten un­ter Natalizumab auf – das entspricht einer Inzidenz von gut 4 von 1.000 behandelten Patienten. Als Risikofaktoren, eine PML zu entwickeln, gelten die Behandlungsdauer, der JCV-Antikörper-Titer und die Vorbehandlung mit immunsuppressiven Medikamenten.

Das neue Dosierungsintervall beruht auf einer Auswertung der Daten von mehr als 35.000 JCV-Antikörper positiven Patienten. Wissenschaftler konnten an ihnen die Häufig­keit des Auftretens einer PML unter der Standarddosierung gegenüber drei unter­schiedli­chen Szenarien eines verlängerten Dosierungsintervalls untersuchen.

Die Analyse ergab laut KKNMS, dass ein verlängertes Dosierungsintervall zu einem signi­fikant niedrigeren PML-Risiko führt als eine Therapie mit dem zugelassenen Dosierungs­in­tervall. Dabei handelt es sich allerdings nur um eine Auswertung retrospektiver Daten.

Besonders wichtig ist laut dem Kompetenznetz aber, dass die Daten keine Aussage zur Wirksamkeit des Medikamentes beim verlängerten Dosierungsintervall zulassen. „Damit ist unbekannt, ob und bei wie vielen Patienten nach einer Ausweitung des Dosierungs­intervalls die MS wieder aktiv wurde“, so die KKNMS-Experten.

Eine Ausweitung des Behandlungsintervalls könne aber erst eine wissenschaftlich basier­te Alternative zum zugelassenen Schema werden, wenn prospektive Daten zur erhaltenen Wirksamkeit eines solchen verlängerten Dosierungsintervalls vorlägen.

Das Netzwerk hat Empfehlungen ausgesprochen. So sei Natalizumab weiterhin eines der Mittel der ersten Wahl bei hochaktiven Patienten mit negativer JCV-Serologie und sollte hier in der regulären Dosis eingesetzt werden.

JCV-positive Patienten, die mit Natalizumab weiterbehandelt werden möchten, müssten in jedem Fall über das PML-Risiko und die Studienlage zum verlängerten Dosierungsin­tervall aufgeklärt werden, hieß es. „In jedem Fall soll bei JCV positiven Patienten, die länger als 24 Monate behandelt werden, weiterhin das empfohlene Sicherheitsmoni­to­ring erfolgen“, rät das Kompetenznetz zudem. © hil/aerzteblatt.de

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