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Politik

Startschuss zur Umsetzung der Nationalen Demenzstrategie

Mittwoch, 23. September 2020

Bun­des­for­schungs­minis­terin Anja Karliczek (CDU, l-r), Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Franziska Giffey (SPD) und Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) stellen bei einer Diskussionsrunde die Nationale Demenzstrategie im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vor. /picture alliance, Reuters Pool, Hannibal Hanschke

Berlin – In Berlin haben heute Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU), Bundes­familienministerin Franziska Giffey (SPD) und Bun­des­for­schungs­minis­terin Anja Karliczek (CDU) sowie 57 Verbände die Nationale Demenzstrategie unterzeichnet. Zu diesen zählen unter anderem auch die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) und die Kassenärztliche Bundes­vereinigung (KBV). Mit der Unterschrift verpflichten sie sich zur Einhaltung von 160 Maßnahmen, die in den nächsten Jahren umgesetzt werden sollen.

Das Ziel der Strategie ist insbesondere, die Bevölkerung über die Demenz zu informieren und die Krankheit dadurch stärker zu entstigmatisieren. „Es geht darum, Demenzkranken respektvoll und hilfsbereit zu begegnen“, erklärte Spahn. „Ein breites gesellschaftliches Bündnis ist ein wichtiger Schritt, dieses neue Bewusstsein zu schaffen.“

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Spezielle Schulung notwendig

Giffey betonte: „An Demenz erkrankte Menschen können noch sehr lange aktiver Teil der Gesellschaft bleiben, wenn die Gesellschaft sich darauf einstellt. Das bedeutet: Busfahrerinnen, Schaffner, Ärzte oder Mitarbeiter von Behörden müssen speziell geschult werden, genauso wie sich Sportvereine oder Kirchenchöre auf Menschen mit Demenz vorbereiten müssen.“

Um das zu schaffen, brauche es Teamgeist für Menschen mit Demenz. „Darum starten wir die Umsetzung der Nationalen Demenzstrategie mit einem breiten gesellschaftlichen Bündnis. Mit der Strategie wollen wir bundesweit mehr Vor-Ort-Netzwerke aus Kommunen, Vereinen, Kirchen oder Unternehmen schaffen, Familien von Menschen mit Demenz unterstützen und mit einem breiten Bündnis die Gesellschaft darauf einstellen, für Menschen mit Demenz da zu sein.“

Die Nationale Demenzstrategie wurde in den vergangenen zwei Jahren von Bund, Ländern und Kommunen gemeinsam mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft sowie weiteren Verbänden des Gesundheitswesens, der Sozialversicherungsträgern, der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft erarbeitet. Spahn wies darauf hin, dass die Zahl der Demenzkranken vor zwei Jahren noch bei etwa einer Million gelegen habe. „Heute liegt sie bei 1,6 Millionen“, so der Minister. Das zeige, wie schnell sich diese Erkrankung in einer älter werdenden Gesellschaft verbreite.

Hausärzte für rechtliche Fragen sensibilisieren

Verschiedene Maßnahmen richten sich auch an die Ärzteschaft. „Hausärztinnen und Hausärzte nehmen in der Versorgung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen eine zentrale Rolle ein und werden bei Problemen häufig als Erste kontaktiert“, heißt es zum Beispiel in der Demenzstrategie. „Sie sollten daher für rechtliche Fragen im Zusammenhang mit Demenz sensibilisiert sein und darüber hinaus über einen Überblick über lokale Möglichkeiten der Rechtsberatung für Betroffene und Angehörige verfügen.“

Spahn forderte, dass der Umgang mit Demenzkranken zum Beispiel in Hausarztpraxen geübt werden müsse, um Sicherheit zu gewinnen. „Ich bin den Verbänden der Hausärzte sehr dankbar, dass sie das zu ihrem Thema machen und entsprechende Fortbildungen und Schulungen anbieten“, sagte er.

Die BÄK empfiehlt den Lan­des­ärz­te­kam­mern im Rahmen der Demenzstrategie, ärztliche Demenzbeauftragte einzusetzen, die den Kammerangehörigen für Fragen zur Versorgung demenziell erkrankter Patienten und für Maßnahmen der Fortbildung zu Demenz zur Verfügung stehen. Bis Ende 2022 wird die BÄK eine Empfehlung an die Landesärzte­kammern aussprechen.

Demenzsensible Versorgung im Krankenhaus

Unter der Überschrift „Demenzsensible Versorgung im Krankenhaus“ heißt es: „Ein Ziel der Nationalen Demenzstrategie ist es, Einweisungen von Menschen mit Demenz ins Krankenhaus zu reduzieren, soweit sie vermeidbar sind, sowie notwendige Krankenhausbehandlungen von Menschen mit Demenz demenzsensibel zu gestalten.“

Konkret will die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) dabei zum Beispiel darauf hinwirken, „dass die organisatorischen Abläufe der medizinischen und pflegerischen Versorgung in Krankenhäusern den besonderen Bedürfnissen demenzerkrankter Patienten angepasst werden. Dazu gehören zum Beispiel Untersuchungen ohne Ortswechsel (auf Station), Berücksichtigung möglichst kurzer Nahrungs- und Flüssigkeitskarenzzeiten bei der OP-Planung, Begleitung auf Wegen innerhalb des Krankenhauses und Vermeidung von Wartezeiten.“

Zudem will die DKG darauf hinwirken, „dass validierte Screening-Verfahren für Demenz und für Delir im Krankenhaus implementiert und die Durchführung durch geschulte Mitar­beiterinnen und Mitarbeiter erfolgt“. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und die Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP) wollen entsprechende Empfehlungen für die Krankenhäuser entwickeln und dabei die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG), die Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) einbeziehen.

Das Verfahren soll bis Ende 2022 entwickelt sein. Bis Ende 2024 wird die Implementierung durch die Landeskrankenhausgesellschaften überprüft.

Zu den Partnern der Initiative zählen auch die Deutsche Bahn, die Berliner Verkehrsbetriebe und die Regensburger Stadtwerke. Ziel ist es dabei, den öffentlichen Verkehr demenz­freundlicher zu machen, indem die Mitarbeiter der Unternehmen im Umgang mit Demenzerkrankten geschult werden. Der Deutsche Olympische Sportbund will in die knapp 90.000 Sportverein in Deutschland hineinwirken, um deren Strukturen demenzfreundlicher zu machen. © fos/aerzteblatt.de

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Avatar #672734
isnydoc
am Mittwoch, 23. September 2020, 21:53

TEAM-Lösung ... toll ein anderer macht`s

Hoffentlich nicht jemand, der als dementiell betrachtet wird ... toll, was sich da in Berlin so alles gesetzgeberisch-politisch bewegt!
Alternativen? Keine natürlich ...
Avatar #836044
Christine Salzer
am Mittwoch, 23. September 2020, 18:12

Richtlinien für Demente

Haben Demente nicht so schon genug Ärger? Warum jetzt auch noch Alltagschoreografien? Meine Mutter hat seit 2017 kein Bargeld mehr ausgehändigt bekommen. Natürlich ruft der Busfahrer dann die Polizei. Inzwischen muss ich sie unter vier Augen berühren, um noch irgendein Feedback zu erhalten. Lilith war ein unberechenbarer Vulkan dagegen. Aber wahrscheinlich ist erst das Krematorium in der Lage, sie vor so viel Nächsten"liebe" zu retten.
LNS

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