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Politik

Zuschläge für neurovaskuläre Zentren sowie bei Zentren für Lungenerkrankungen

Freitag, 20. November 2020

/Peakstock, stock.adobe.com

Berlin – Krankenhäuser, die zukünftig als ein neurovaskuläres Zentrum oder Lungen­zent­rum finanzielle Zuschläge erhalten wollen, müssen dafür Qualitätsanforderungen des Ge­meinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) erfüllen.

Werden die bundeseinheitlichen G-BA-Voraussetzungen zu Art und Anzahl von Fachab­tei­lungen, Mindestfallzahlen und Koope­ra­tionen eingehalten, kann das Krankenhaus damit als Kompetenz- und Koordinierungs­zentrum fungieren und gesondert finanzielle Unter­stützung bekommen. Denn diese Aufgaben der Spitzenmedizin gehen über die Patienten­versorgung hinaus und werden entsprechend nicht über das Fallpau­schalen-System ab­gedeckt.

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Die Details zu den grundlegenden Qualitätsanforderungen für neurovaskuläre Zentren und Lungenzentren hat der G-BA heute in seinen Zentrumsregelungen ergänzt. Die der­zeitigen Zentrumsregelungen sehen bereits die Anforderungen an fünf Zentrenarten vor, beispiels­weise onkologische Zentren und Herzzentren.

Bei den Lungenzentren betrifft diese Regelung etwa 24 Standorte, bei den neurovaskulä­ren Zentren 26 Einrich­tungen. Einige Zentren könnten je nach künftiger Entwicklung bei Personal oder Ausstattung noch dazu kommen. Die Zentren sollen dabei bundesweit wirken.

„Die Zentren nehmen auch Aufgaben wahr, die über den Standort hinausgehen – sie tra­gen also ihre Expertise in die Fläche“, erklärte der unparteiische Vorsitzende des G-BA, Josef Hecken, nach der Sitzung in einer Mitteilung.

„Das ist die herausragende Besonder­heit, die auch mit Zuschlägen vergütet werden soll.“ Dabei gehe es nicht um bestehenden Zentren im Sinne von Fachklinken, betonte Hecken. „An diesem Punkt gibt es leider immer wieder Missverständnisse, die daher rühren, dass der Zentrumsbegriff versorgungspolitisch recht beliebig verwendet wird.“

In der Debatte bei der heutigen Plenumssitzung ging es vielen Diskutanten genau darum: Vor allem die Patientenvertretung merkte an, dass Vertreter der Krankenhäuser sowie des GKV-Spitzenverbandes die Folgeabschätzung von Zentrenbildung für die Versorgungs­politik besser abschätzen sollten. Um diesen Diskurs über die Versorgungslandschaft mit Bildung von Zentren weiter zu führen, bat die Bank der Patientenvertreter um entsprech­en­de Daten von Krankenhäusern und Krankenkassen.

Sobald der Beschluss des G-BA in Kraft getreten ist, haben die von den Bundesländern bereits zu diesen Zentren ernannten Standorte sechs Monate Zeit, die beschlossenen Qualitätsanforderungen umzusetzen.

„Mit dieser Übergangszeit stellen wir sicher, dass die Zentrums-Zuschläge für das gesam­te Verhandlungsjahr 2021 gezahlt werden können – auch wenn die Qualitätsvorg­a­ben im ersten halben Jahr noch nicht vollständig erfüllt werden“, erläutert Hecken. Dieser Punkt war besonders der Deutschen Krankenhausgesellschaft wichtig.

„Die Höhe des Zuschlags wird zwischen dem Krankenhaus und den Krankenkassen in den Regionen vereinbart“, so Hecken weiter, der auch Vorsitzender des zuständigen Unteraus­schusses Bedarfsplanung ist.

Die gezielte Behandlung von Schlaganfallpatienten in neurovaskulären Fachbereichen gehört in vielen Bundesländern bereits zur regionalen und überregionalen Versorgungs­landschaft. In Abgrenzung dazu übernehmen die neurovaskulären Zentren im Sinne der G-BA-Richtlinie zusätzlich die Funktion eines Kompetenz- und Koordinationszentrums mit bundesweiter Strahlkraft.

Indem die neurovaskulären Zentren andere an der Schlaganfall- oder neurovaskulären Behandlung beteiligten Krankenhäuser fortbilden und beraten, tragen sie dazu bei, die Versorgung kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Als zuschlagsauslösende Qualitätsvorgabe für diese Zentren verlangt die Richtlinie nicht nur, dass bestimmte Fachabteilungen vorhanden sind, sondern auch Netzwerkstrukturen, die den Bereich der Rehabilitation einschließen, regelmäßige Qualitätszirkel oder die Mitarbeit an der Weiterentwicklung medizinischer Leitlinien.

Auch für Lungenerkrankungen existieren in mehreren Bundesländern spezialisierte Fach­kliniknetzwerke. Die zuschlagsfähige Kernaufgabe eines Lungenzentrums soll darin bestehen, andere Krankenhäuser zu beraten, um langzeitbeatmete Patienten von einer künstlichen Sauerstoffversorgung zu entwöhnen.

Die Qualitätsanforderungen des G-BA verlangen daher von einem Lungenzentrum auch, dass es spezielle Einheiten zum Abtrainieren vom Beatmungsgerät (Weaningeinheiten) vorhalten muss. Hier sollen sich die Vorgaben im Jahr 2022 noch einmal verschärfen.

Da Lungenzentren andere Krankenhäuser zudem mit ihrer Expertise bei der Versorgung seltener Infektionserkrankungen wie Tuberkulose, interstitieller Lungenkrankheiten oder auch schwerer und komplexer Fälle von chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) unterstützen sollen, muss am Standort eines Zentrums mindestens eine von diesen drei spezialisierten Behandlungseinheiten vorhanden sein.

In Hinblick auf die Versorgung von Patienten mit Lungenkrebs muss das Lungenzentrum keine spezialisierte Behandlungseinheit vorhalten, sondern muss entwe­der Teil eines onkologischen Zentrums sein oder mit einem solchen kooperieren. Bei dieser Indikation ist die Zusammenarbeit vieler, in der Onkologie erfahrener Fach- und Querschnittsdiszi­plinen wie Radiologie und Strahlentherapie notwendig.

Der G-BA hat mit dem Pflegepersonalstärkungsgesetz von Anfang 2019 den Auftrag bekommen, die besondere Aufgaben von stationären Zentren zu definieren, die für spezielle Qualitätsanforderungen finanzielle Zuschläge bekommen. Zentrenzuschläge gibt es bereits für Zentren für seltene Erkrankungen, onkologische Zentren, Trauma- sowie rheumatologische Zentren und Herzzentren. © bee/EB/aerzteblatt.de

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