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Deutsch-israelisches Forschungsprojekt zur Neurobiologie des Vergessens

Donnerstag, 30. September 2021

/freshidea, stock.adobe.com

Mainz – Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert im Rahmen ihres Exzellenzprogramms „Deutsch-Israelische Projektkooperation“ (DIP) ein neues Forschungsprojekt zur Neurobiologie des Vergessens. Die Leitung liegt bei Simon Rumpel, Arbeitsgruppenleiter am Institut für Physiologie der Universitätsmedizin Mainz. Für das Vorhaben „Die Neurobiologie des Vergessens – Spontaner synap­tischer Umbau, Stabilität kortikaler Repräsentationen, Retention des Gedächtnisses und Flexibilität des Verhaltens“ stehen über fünf Jahre insgesamt rund 1,6 Millionen Euro zur Verfügung.

Für die neurobiologische Forschung war bisher die Annahme grundlegend, dass sich bei der Bildung und Speicherung von Gedächtnisinhalten die Verknüpfungen von Nervenzellen langanhaltend verändern. Die Forschung ging davon aus, dass die fortlaufende, aktive Speicherung von neuen Gedächtnisinhalten im neuronalen Netzwerk zu einem teilweisen Überschreiben von alten Gedächtnisinhalten und somit zum Vergessen führt.

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Neuere Studien weisen laut der Arbeitsgruppe jedoch darauf hin, dass sich synaptische Verbindungen nicht nur im Zusammenhang von Lernprozessen verändern. Vielmehr verändern sie sich offenbar auch unabhängig davon ständig. Diese spontane Umbaufähigkeit der Synapsen wird als intrinsische Plasti­zität bezeichnet.

„Das Besondere an unserem Forschungsansatz ist, dass wir das Vergessen nicht wie bisher als notwen­dige Konsequenz neuen Lernens betrachten, sondern als ungerichteten, physiologischen Prozess, der durch die intrinsische Umbaufähigkeit synaptischer Verbindungen getrieben wird“, erläutert Rumpel. Mit ihrer Forschung könnten die Wissenschaftler dazu beitragen, die Behandlungsmöglichkeiten von Demenzerkrankungen zu verbessern, so die Hoffnung.

An der Forschungskooperation beteiligen sich auf deutscher Seite neben dem Institut für Physiologie der Universitätsmedizin Mainz das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, das Max-Planck-Institut (MPG) für experimentelle Medizin in Göttingen sowie das Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS). Kooperationspartner auf israe­lischer Seite sind unter der Sprecherschaft von Noam Ziv zwei Arbeitsgruppen am Technion – Israel Institute of Technology in Haifa. © hil/aerzteblatt.de

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