MedizinNeurologieAktuelles Neurologie
Aktuelles
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Cocktail­party-Effekt: Selektives Hören auch ein Problem des Gehirns

Mittwoch, 26. Oktober 2016

/dpa

College Park – Das Problem vieler älterer Menschen, bei Umgebungslärm Gesprächen schlecht folgen zu können, ist vielleicht nicht nur ein Problem der peripheren Hörorgane, sondern auch der Verarbeitung im Gehirn. Das berichten Alessandro Presacco, Jona­than Simon und Samira Anderson von der University of Maryland im Journal of Neuro­phy­siology (doi:10.1152/jn.00373.2016).

Um auf einer Party im Stimmengetümmel einem bestimmten Gespräch gut folgen zu können, bedarf es eines guten selektiven Hörens. Im Alter nimmt diese Fähigkeit jedoch zu­nehmend ab. Häufig wird dies von Patienten als ein Symptom von Schwerhörigkeit in­ter­pretiert. Trotz einer schlechten Hördiskrimination können solche Menschen jedoch ein völlig normales Hörvermögen bei klinischen Tests aufweisen. Das Problem selektiv zu hö­ren, wird auch als Cocktailparty-Effekt bezeichnet.

Anzeige

Die Forscher der Studie rekrutierten Teilnehmer zwischen 18 und 30 Jahren, sowie zwi­schen 61 und 73 Jahren. Über funktionelle MRT-Aufnahmen analysierten sie das Hörver­stehen der Teilnehmer in lauter sowie leiser Gesprächsumgebung. Sie überprüften die Ge­hirnaktivität auf Mittelhirnniveau und im auditiven Kortex.

Es stellte sich heraus, dass die jüngere Versuchsgruppe in lauter Gesprächsumgebung mit Stimmengewirr einem Gespräch besser folgen konnte als die ältere Gruppe. Die Hirn­ak­tivität sprach dafür, dass die jüngeren Teilnehmer das relevante Gespräch auf neuro­naler Ebene besser filterten.

Die älteren Teilnehmer konnten dem relevanten Gespräch erst dann besser folgen, wenn die Umgebungsgespräche in einer Fremdsprache stattfanden. Dies spiegelte sich auch in der neuronalen Aktivität der älteren Teilnehmer wieder. Die jüngeren Teilnehmer pro­zessierten die Gespräche im auditiven Kortex insgesamt schneller als die alten Teilneh­mer. Die Fähigkeit selektiv zu hören, korrelierte außerdem mit der kognitiven Leistung.

Die Forscher schließen aus den Ergebnissen, dass ein schlechtes selektives Hören nicht unbedingt ein Problem des Hörvermögens ist. In lauter Umgebung empfehlen sie, den Ge­sprächspartner direkt anzugucken und nicht lauter, sondern langsamer zu sprechen. Dies helfe dem Gehirn, die relevanten Gesprächsinformationen zu filtern.

© hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
NEWSLETTER