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Hochschulen

Neurowissenschaftler bauen EEG-Labor in Pakistan auf

Freitag, 28. Juli 2017

Oldenburg – Forscher der Universität Oldenburg um Stefan Debener bauen zusammen mit Wissenschaftlern der National University of Science and Technology in Islamabad in Pakistan ein Forschungslabor für Elektroenzephalographie (EEG) auf. Ziel ist, die Diagnose von Epilepsie unabhängig von der Entfernung zum nächsten Facharzt zu ermöglichen.

„In Pakistan gibt es etwa einen Neurologen pro 1,4 Millionen Einwohner, in Europa sind es etwa zehn pro 100.000. Bei vielen neurologisch relevanten Erkrankungen wie der Epilepsie haben Betroffene in Pakistan kaum eine Chance auf eine angemessene medizinische Versorgung“, sagte Debener. Vor allem in den ländlichen Gebieten sei die Situation problematisch.

Im Oldenburger Exzellenzcluster Hearing4all erforscht Debener mit seinem Team mobile, drahtlose EEG-Systeme, die am Körper getragen werden können und mit günstiger Smartphonetechnologie funktionieren. „Normalerweise leitet man das EEG über Elektrodenhauben ab. Diese zu tragen wird für Patienten jedoch schnell unan­genehm. Außerdem stören die vielen Kabel“, erklärte Debener. Sein Team hat miniaturi­sierte Elektroden entwickelt, die man hinter das Ohr kleben kann.

Damit werde die Technik zunehmend transparent und beeinträchtige den Träger und seine Umgebung im Alltag kaum. Eigentlich für die Steuerung von Hörgeräten konzi­piert, lassen sich diese mobilen EEG-Systeme laut der Arbeitsgruppe auch für andere Anwendungen weiterentwickeln, zum Beispiel für die Epilepsiediagnostik.

Die Vision der Wissenschaftler ist, über mobile EEG-Systeme Daten in abgelegenen Regionen mit geringem technischen Aufwand aufzunehmen und über eine Daten-Cloud an eine entfernte Klinik zur Diagnose  zu schicken – ohne dass der Facharzt vor Ort ist. „Krankenschwestern in den ländlichen Gemeinden könnten dann auf Grundlage von Ferndiagnosen Behandlungsempfehlungen umsetzen“, hieß es aus der Oldenburger Arbeitsgruppe.

Geplant ist, das Forschungslabor noch in diesem Jahr in Betrieb zu nehmen, sodass 2018 erste klinische Erprobungen und weitere technische Entwicklungen beginnen können. © hil/aerzteblatt.de

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