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Medizin

Fehlerhafte Protein­faltung als Alzheimer-Risiko­marker besser als Apolipo­protein-E-Genvariante

Montag, 14. Oktober 2019

Amyloid-Plaques im Gehirn von Alzheimer-Patienten werden als Aß detektiert im PET-Scan oder als Aß42 im Liquor oder als Aß42/Aß42 Verhältnis. /designua stock.adobe.com
Amyloid-Plaques im Gehirn von Alzheimer-Patienten werden als Aß detektiert im PET-Scan oder als Aß42 im Liquor oder als Aß42/Aß42 Verhältnis. /designua stock.adobe.com

Heidelberg – Im Vergleich verschiedener Risikoprädiktoren für Alzheimer konnte die Bestimmung des fehlerhaft gefalteten Proteins Amyloid-β im Blut bei noch symptomfreien Menschen die beste Prognose abgeben. Dies zeigten Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), von der Ruhr-Universität Bochum (RUB), vom Krebsregister des Saarlands und vom Netzwerk Alternsforschung der Universität Heidelberg in einer Studie mit 770 Teilnehmern, die in Alzheimer & Dementia erschienen ist (2019; DOI: 10.1016/j.jalz.2019.08.189).

Für die Menschen, die später tatsächlich Alzheimer entwickelten, zeigte die Amyloid-Bestimmung ein gegenüber der Kontrollgruppe bis zu 23-fach erhöhtes Erkrankungsrisiko an – bis zu 14 Jahre vor der Diagnose der Alzheimer-Demenz. Bei anderen Demenzformen, die etwa auf Minderdurchblutung des Gehirns beruhen, lieferte die Untersuchung keine Hinweise auf erhöhte Risiken, sie ist also spezifisch für die Alzheimer Erkrankung.

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Die Forscher hatten auch zahlreiche andere mögliche Risikoprädiktoren in ihre Analyse eingeschlossen. Darunter war etwa eine bestimmte Variante des Gens für das Apolipoprotein E (APOE Ɛ4) sowie Vorerkrankungen wie etwa Diabetes, Bluthochdruck, Depression oder Lebensstilfaktoren wie Körpergewicht und Bildungsgrad. Mit Ausnahme des APOƐ4-Status, der für die Menschen, die später tatsächlich Alzheimer entwickelten, ein 2,4-fach erhöhtes Risiko anzeigte, korrelierte keiner der untersuchten Faktoren mit dem Erkrankungsrisiko.

Für die Risikovorhersage spielte es keine wesentliche Rolle, ob zwischen der Entnahme der Blutprobe und dem Beginn der klinisch manifesten Demenz 0 bis 8 oder 8 bis 14 Jahre lagen.

„Wir prüfen, ob dieser Laborwert für eine Risikostratifizierung größerer Bevölkerungs­gruppen geeignet ist. Hier hat sich die Untersuchung auf Fehlfaltung des Amyloid-β den anderen potenziellen Risikomarkern als weitaus überlegen erwiesen“, erklärt Hannah Stocker vom DKFZ und vom Netzwerk Alternsforschung der Universität Heidelberg, die Erstautorin der Arbeit.

Bisher wurde vorgeschlagen, dass in klinischen Studien auf Alzheimer typische patho­logische Veränderungen geachtet werden sollte. Dafür bieten sich die invasive Liquordiagnostik oder aber die kostenspielige Positronenemissionstomografie (PET) an. „Mit dem neuen Nachweisverfahren können wir möglicherweise nicht-invasiv und kostengünstig Hochrisikogruppen, die noch keine Symptome zeigen, erkennen. Bei diesen Personen greifen unter Umständen die Medikamente doch noch, die bislang in klinischen Studien keine Wirkung gezeigt haben“, so Klaus Gerwert von der RUB.

Morbus Alzheimer: Über seine Demenz im Bilde sein

Die Demenzdiagnostik profitiert eindeutig von der Präzision der Bestimmung pathologischer Marker in Liquor und Bildgebung. Allerdings hängt der Grad der Aussagekraft vom Stadium der Erkrankung ab. Dabei könnte auch die sogenannte „kognitive Reserve“ des Einzelnen eine Rolle spielen. Die Demenzforschung befindet sich in einer paradoxen Situation: Misserfolge bei der Therapie, Fortschritte bei der

Um die Eignung des Laborverfahrens zur Ermittlung des Alzheimer-Risikos bei beschwerdefreien Menschen zu prüfen, sind jedoch weitere Studien erforderlich: In größeren Gruppen wollen die Forscher nun die Zuverlässigkeit der Analyse von Amyloid-β-Veränderungen ermitteln: Ist die Blut-Untersuchung auffällig, so muss dies durch ein etabliertes Verfahren zur Frühdiagnose von Alzheimer bestätigt werden, etwa durch eine Liquordiagnostik oder durch spezielle Bildgebungsverfahren. Daher steht der Blut-Nachweis von fehlgefaltetem Amyloid-β derzeit noch nicht zur individuellen Risikoeinschätzung zur Verfügung.

Die Untersuchung auf Amyloid-β-Veränderungen beruht auf einer als „Immuno-Infrarot-Sensor“ bezeichneten Technologie, mit der das Verhältnis von abnormal und normal gefaltetem Amyloid Beta gemessen wird. Abnormal gefaltetes Protein neigt zur Aggregation in Amyloid Plaques, während die gesunde Struktur dies nicht tut. Die beiden Strukturen absorbieren Infrarotlicht mit unterschiedlicher Frequenz, sodass der Bluttest das Verhältnis von gesundem zu pathologischem Amyloid-β in der Probe bestimmen kann. © gie/aerzteblatt.de

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Avatar #720508
e.ne
am Donnerstag, 31. Oktober 2019, 14:59

Wenn ein Organ nicht mehr gebraucht wird, bildet es sich zurück.

Warum sollte das im Gehirn anders sein als z.B. bei den Tonsillen?
Ältere Menschen vereinsamen weil ihre Umgebung weg stirbt.
Was nach folgt sind ganz andere Generationen. Was gewesen ist, interessiert niemanden. Aktuell kann man sich kaum verständigen.
Der Wortschatz ist auch etwas lebendiges, der sich stets verändert.
Wenn nichts nichts nichts interessiert - dann kann man es doch auch vergessen, das ist sogar besser. Das tut nicht so weh. - Die abgestorbenen
Hirnzellen verändern ihre Struktur, werden wahrscheinlich abgestossen -
und langsam großflächig aufgefüllt mit Weiweißplaque.
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