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Medizin

Zusammenhang zwischen Betablockertherapie und Parkinson unwahrscheinlich

Mittwoch, 5. Februar 2020

/dpa

Kiel/Berlin – Der Zusammenhang zwischen einer Behandlung mit Betablockern und dem Risiko für eine Parkinson-Erkrankung ist im Augenblick in der Diskussion. Die Studienlage ist nicht einheitlich, mögliche kausale Zusammenhänge werden zurzeit erforscht.

Eine aktuelle Übersichtsarbeit in der Zeitschrift Lancet Neurology fasst den momentanen Erkenntnisstand zusammen und warnt Patienten davor, aus Sorge vor einer Parkinson-Erkrankung die Medikation abzusetzen. „Der Nutzen der Betablocker, beispielsweise nach Herzinfarkt, ist ungleich höher als das mögliche Parkinson-Risiko“, kommentierte die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) die Erkenntnislage.

Beobachtungsstudien haben einen möglichen Zusammenhang zwischen der Langzeit­therapie mit Betablockern und Parkinson ergeben, wohingegen die chronische Einnahme von Beta-Rezeptor-aktivierenden Medikamenten, also Beta-Agonisten, mit einem vermin­der­ten Parkinson-Risiko einherging.

Eine zellbiologische Arbeit hatte zudem Hinweise gefunden, dass der Betablocker Propranolol die Produktion von α-Synuclein hochreguliert. Man weiß aus genetischen Studien, dass der vermehrte Anfall von α-Synuclein zu häufigerem Auftreten von Parkin­son führt.

„Die Assoziationen zwischen Betablockern und erhöhtem Parkinson-Risiko könnten aber auch Resultat statistischer Verzerrungen und Störfaktoren sein“, meint Franziska Hopfner, die Erstautorin der Studie. Sie verweist darauf, dass Beobachtungsstudien keine Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge nachweisen können.

„Unsere Untersuchung konnte zeigen, dass das erhöhte Risiko für Parkinson unter Beta­blockern nicht mehr nachweisbar war, wenn Patienten mit Tremor ausgeschlossen werden“, erläutert sie.

Da ein unspezifischer Tremor zu den sehr frühen, wenn auch un­charakteristischen Parkin­son-Vorzeichen gehört, wurde Propranolol vermutlich zur Be­hand­lung des prodro­malen Parkinson-Symptoms Tremor eingesetzt und wäre damit nicht Verursacher der Erkrank­ung. Das würde auch erklären, warum Primidon, das ebenfalls zur Tremorbehandlung eingesetzt wird, auch mit einem erhöhten Parkinson-Risiko assoziiert zu sein schien – ein Effekt, der ebenfalls verschwindet, wenn man diese Patienten aus der Statistik aus­schließt.

Die Autoren der Übersichtsarbeit betonen, dass auch die Assoziation zwischen Beta-Rezeptor-Agonisten wie Salbutamol und einem vor Parkinson schützendem Effekt nicht bestätigt ist.

„Selbst, wenn ein kausaler Zusammenhang zwischen Betablockern und der Parkinson-Krankheit bestehen würde, was derzeit nicht bewiesen ist, so ist er nach jetzigem Kenntnisstand als gering einzustufen“, lautet Hopfners Fazit. © hil/aerzteblatt.de

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