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Medizin

Rugby: MRT deckt Schäden im Gehirn von Profisportlern auf

Freitag, 23. Juli 2021

/picture alliance, empics, Nigel French

London – Der häufige Zusammenprall der Köpfe hinterlässt bei professionellen Rugbyspielern Spuren im Gehirn, die in einer Studie in Brain Communications (2021; DOI: 10.1093/braincomms/fcab133) mit speziellen Bildgebungen in der Magnetresonanztomografie (MRT) sichtbar gemacht wurden.

Kollisionen mit dem Gegner gehören beim Rugby zur Taktik des Spiels. Nicht immer gehen sie glimpflich aus. Ein leichtes Schädel-Hirntrauma, das kurzeitig zu Bewusstlosigkeit oder anderen reversiblen neuro­logischen Störungen führt, tritt bei Profispielern häufig auf. Die britischen Rugbyverbände schätzen die Inzidenz auf 20 pro 1.000 Spielstunden.

Viele Spieler erleiden die Verletzung in ihrer Laufbahn mehrmals. In der Regel erholen sie sich nach kurzer Zeit, doch die Frage der Langzeitfolgen steht im Raum, seit bei dem American Football, einer ähnlichen Sportart mit besser geschützten Spielern, eine Zunahme von chronischen traumatischen Enzephalopathien beobachtet wurden, die an die Dementia pugilistica von Profiboxern erinnert.

Die Drake Foundation, die 2014 zur Erforschung von Hirnschäden bei Sportlern gegründet wurde, hat in den letzten Jahren 41 männliche und 3 weibliche Rugbyprofis genauer untersucht. Darunter waren 21 Sportler, die kürzlich ein leichtes Schädel-Hirntrauma erlitten hatten.

Bei allen Sportlern wurden MRTs des Schädels angefertigt, die bei etwa der Hälfte nach 1 Jahr wieder­holt wurden. Neben einer Bestimmung des Hirnvolumens wurden auch 2 Spezialeffekte untersucht. Das 1. war die suszeptibilitätsgewichtete Bildgebung, die auch kleinere Blutungen anzeigt. Die 2. Unter­suchung war eine Diffusions-Tensor-Bildgebung, mit der sich die Nervenbahnen beurteilen lassen. Der Maßstab ist die fraktionale Anisotropie (FA). Sie gibt an, wie stark die durch die MRT bestimmte Diffusion der Wasserionen sich verändert. Da Zellmembranen im Gehirn die wichtigste Barriere sind, erlaubt die FA Rückschlüsse über die Integrität der Nervenfasern.

In allen 3 MRT-Untersuchungen wurden Störungen gefunden. So hatten 7 der 42 Rugbyprofis Verände­run­gen in der FA einzelner Leitungsbahnen. Am häufigsten betroffen war das Corpus callosum, das beide Hemisphären des Großhirns miteinander verbindet. Auch die corticospinalen Bahnen, die von der Groß­hirnrinde zum Rückenmark verlaufen, werden offenbar durch die Gehirnerschütterungen beim Spiel in Mitleidenschaft gezogen.

Die suszeptibilitätsgewichtete Bildgebung deckte bei 3 Rugbysportlern Mikroblutungen im Gehirn auf, darunter waren 2 Profis, die kürzlich ein Schädel-Hirntrauma erlitten hatten. Ein Vergleich mit gesunden Personen und Nichtkontaktsportlern ergab, dass das Hirnvolumen der Rugbyprofis vermindert war. Alle diese Veränderungen wären nach Einschätzung des Teams um Karl Zimmerman vom Imperial College London in einem Routine-MRT nicht aufgefallen.

Die Rugbyprofis erzielten in neuropsychiatrischen Tests schlechtere Ergebnisse als die Kontrollgruppe. Die Forscher fanden zwar keine signifikante Korrelation mit den Hirnveränderungen, was aber an der geringen Teilnehmerzahl der Studie gelegen haben kann. Es ist deshalb nicht sicher, ob und wie sich die Hirnschäden langfristig auf die Hirnfunktion der Sportler auswirken.

Der Gründer der Stiftung, der Biochemiker und Unternehmer James Drake, ist jedoch überzeugt, dass es zu Regeländerungen im professionellen Rugby kommen muss. Der Sport wurde lange nur von Amateuren betrieben und hat sich erst in den 1990er Jahren professionalisiert. Seither seien die Spieler im Allge­mei­nen größer und kräftiger geworden, was laut Drake das Verletzungsrisiko erhöht hat.

Rugbyspieler tragen im Gegensatz zum American Football keine besondere Schutzkleidung oder Helme. die Kopfstöße abfangen könnten. © rme/aerzteblatt.de

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