MedizinNeurologieStudien Neurologie
Studien
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Kombination aus Schwerhörigkeit und Sehverlust mit erhöhtem Demenzrisiko assoziiert

Freitag, 13. Mai 2022

/ArTo, stock.adobe.com

Berlin – Ältere Menschen, die nicht mehr gut hören und noch dazu schlecht sehen, haben ein erheblich er­höhtes Demenzrisiko. Das zeigt eine Studie aus den USA. Durch Hör- und Sehtests ließen sich möglicher­weise Senioren mit einem hohen Risiko für die Entwicklung einer Demenz identifizieren, schreiben die Autoren in JAMA Network Open (2022; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2022.10734).

„Es wurde bereits gezeigt, dass Einschränkungen des Hör- und Sehvermögens individuell mit einem erhöhten Demenzrisiko assoziiert sind“, berichten Phillip Hwang vom Department of Anatomy & Neurobiology an der Boston University School of Medicine, Boston, und seine Kollegen.

Aber viele ältere Menschen weisen sowohl Probleme mit dem Gehör als auch mit den Augen auf. Welche Effekt Auswirkungen diese duale sensorische Beeinträchti­gung auf das Demenzrisiko habe, sei ungeklärt gewesen, so die US-Forscher.

In einer prospektiven Kohortenstudie untersuchten sie 2.927 Menschen über 65 Jahren aus 4 Städten in den USA. Während einer bis zu 8 Jahre langen Nachbeob­achtung fanden Hör- und Sehtests sowie ein MRT-Untersuchung des Kopfes und eine modifizierte Mini-Mental State Examination statt. Zu Studienbeginn hatte keiner der im Schnitt 74,6 Jahre alten Teilnehmenden eine Demenz.

Assoziation mit Alzheimererkrankung ist am stärksten

Es zeigte sich, dass eine gleichzeitige Einschränkung von Hör- und Sehvermögen mit einem um 160 % erhöhten Risiko für Demenz assoziiert war (HR 2,60 [95-%-KI 1,66-2,06]; p<0,001). Das Risiko für eine Alzheimererkrankung war bei einer dualen sensorischen Beeinträchtigung um 267% erhöht (HR 3,67 [95-%-KI 2,04-6,60]; p<0,001).

Das Risiko für vaskuläre Demenz dagegen unterschied sich nicht signifikant von dem bei Senioren ohne Einschränkungen des Hör- und Sehvermögens beobachteten Risiko (HR 2,03 [95-%-KI 1,00-4,09]; p=0,05).

Kausalität von Hör- und Sehverlust muss noch gezeigt werden

„Zusammengefasst deuten diese Daten darauf hin, dass ältere Menschen mit einer dualen sensorischen Beeinträchtigung ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Demenz haben, speziell einer Alzheimer­erkrankung“, schreiben die Autoren um Hwang.

Es seien weitere Studien nötig, um herauszufinden, ob die sensorischen Beein­trächtigungen ein kausaler Risikofaktor oder ein Marker für eine beginnende Demenz sind.

„Angesichts der erwarteten Zunahme an Demenzerkrankungen in den kommenden Jahrzehnten, legen unsere Ergebnisse nahe, dass die Überprüfung von Hör- und Sehvermögen in der Demenzprävention eine wichtige Rolle spielen sollte.“ © nec/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 27. Mai 2022, 18:40

Hör-/Sehverlust potenzieren kognitive Einschränkungen bis zur Demenz

Demenz-Forscher um Professor Gill Livingston vom University College in London verfolgen Ansätze, Demenz-Erkrankungen vorzubeugen:

Bei Menschen ab einem Alter von 40 Jahren sollte der höhere, zuerst genannte Wert beim Blutdruck nicht über 130 mmHg steigen. Die Behandlung von Bluthochdruck sei bisher die einzig bekannte Möglichkeit, einer Demenz mit Medikamenten vorzubeugen.

Wer schlecht hört, sollte schon in mittleren Lebensjahren Hörgeräte tragen und generell übermäßige Lärmbelastung meiden.

Menschen sollten sich möglichst wenig Luftverschmutzung aussetzen und Tabakrauch in der Umgebungsluft meiden (Passivrauchen).

Menschen sollten ihren Kopf schützen, um das Risiko für Verletzungen zu mindern. Das gilt beispielsweise für Sportarten wie Boxen und Eishockey, aber auch für den Straßenverkehr.

Alkohol nur in Maßen. Exzessiver Alkoholkonsum steigert das Demenzrisiko.

Gar nicht erst mit dem Rauchen anfangen – oder möglichst bald wieder aufhören. Dies kann sich noch im späteren Leben auszahlen, da der Rauchstopp das Demenzrisiko verringert. 

Alle Kinder sollten eine Schulbildung erhalten. Bildung gilt als einer der “Schlüsselfaktoren” in Bezug auf Demenz: Durch sie entwickeln Menschen die geistigen Reserven, die eine mögliche spätere Erkrankung hinauszögern und den Umgang damit erleichtern können.  

Übergewicht reduzieren. Damit sinkt auch das Diabetes-Risiko.

Menschen sollten spätestens ab der Lebensmitte körperlich aktiv werden und es möglichst lange bleiben.

Zusammenfassung der 12 Demenz-Faktoren:
Eingeschränkte Bildung
Schwerhörigkeit/Einschränkung der Sinnesorgane
Schädel-Hirn-Traumata (SHT)
Hypertonie
Übermäßiger Alkoholkonsum
Adipositas
Rauchen
Depressionen und psychischer Stress
Soziale Isolation/Vereinsamung
Luftverschmutzung
Körperliche Inaktivität
Altersdiabetes.

Hör-/Sehverlust potenzieren starke kognitive Einschränkungen.

MfG, Dr. Schätzler

MfG
LNS

Stellenangebote

    NEWSLETTER