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Zwei Jahre Follow-up in Wuhan: Hälfte der ersten hospitalisierten COVID-19-Patienten hat noch Symptome

Donnerstag, 12. Mai 2022

/scaliger, stock.adobe.com

Peking – 2 Jahre nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 hat die Hälfte der in einem Krankenhaus in Wuhan behandelten Patienten noch immer mindestens 1 Symptom. Dies zeigt die bis dato längste Nachbeobach­tung von COVID-19-Patienten, die sich in der Frühphase der Pandemie in 2020 in China mit dem Virus angesteckt hatten. Die Ergebnisse wurden nun in The Lancet Respiratory Medicine veröffentlicht (2022; DOI: 10.1016/S2213-2600(22)00126-6).

Die Autoren um Lixue Huang von der Abteilung für Lungenheilkunde und Intensiv­medizin am Chinesisch-Japanischen Freundschaftskrankenhaus in Peking berichten, dass sich die körperliche und psychische Verfassung der 1.192 Studienteilneh­menden im Laufe der Zeit zwar zunehmend normalisierte. Aber auch nach Ablauf von 2 Jahren hätten die ehemaligen COVID-19-Patienten im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung noch einen schlechteren Gesundheitszustand und eine geringere Lebensqualität aufgewiesen.

In besonderem Grade galt dies für Patienten mit Long COVID, die 2 Jahre nach der Erkrankung noch immer an mindestens 1 Symptom litten, etwa Fatigue, Kurzatmig­keit oder Schlafstörungen.

Manche Patienten brauchen mehr als 2 Jahre zur vollständigen Erholung

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein gewisser Teil der hospitalisierten COVID-19-Patienten zwar die eigentliche Infektion loswird, aber mehr als 2 Jahre benötigt, um sich vollständig von der COVID-19-Erkrankung zu erholen“, sagt Studienleiter Bin Cao, ebenfalls vom Chinesisch-Japanischen Freundschaftskran­kenhaus in Peking.

Welche langfristigen Auswirkungen COVID-19 hat, war bis dato weitgehend unge­klärt. Die längsten Follow-up-Studien liefen über etwa 1 Jahr. Auch fehlende Daten zum Gesundheitszustand der Infizierten vor der COVID-19-Erkrankung sowie fehlende Vergleiche mit der Allgemeinbevölkerung, erschwerten die Beurteilung, wie gut sich Patienten von COVID-19 erholen.

Patienten aus der Frühphase der Pandemie untersucht

In ihrer neuen Studie untersuchten die Autoren um Huang und Cao, wie es 1.192 COVID-19-Patienten, ergangen ist, die zwischen dem 7. Januar und 29. Mai 2020 aus dem Jin-Yin-tan-Krankenhaus in Wuhan entlassen wurden.

Nach 6 Monaten, 12 Monaten und 24 Monaten nahmen die ehemaligen Patienten an einem 6-Minuten-Gehtest teil und unterzogen sich verschiedenen Labortests. Darüber hinaus füllten sie eine Reihe von Fragebögen zu Symptomen, psychischer Gesundheit, gesundheitsbezogener Lebensqualität, Rückkehr an den Arbeitsplatz und Inanspruchnahme medizinischer Leistungen nach der Entlassung aus.

Verglichen wurde das langfristige gesundheitliche Outcome zum einen zwischen COVID-19-Patienten, die Long COVID entwickelten, und COVID-19-Patienten, die kein Long COVID entwickelten. Zum anderen wurde die Patientengruppe mit einer um Alter, Geschlecht und Komorbiditäten angepassten Kontrollgruppe aus der Allge­mein­­bevölkerung ohne COVID-19-Infektion verglichen.

Manche Symptome sind extrem hartnäckig

6 Monate nach Erkrankungsbeginn gaben 68 % der bei Entlassung im Schnitt 57 Jahre alten Studienteilnehmenden an, mindestens 1 Long-COVID-Symptom zu haben. Nach 2 Jahren war der Anteil mit noch mindestens 1 Symptom auf 55 % gefallen.

Die häufigsten Long-COVID-Symptome waren Fatigue oder Muskelschwäche. Sie nahmen von 52 % nach 6 Monaten auf 30 % nach 2 Jahren ab.

Unabhängig von der Schwere der COVID-19-Erkrankung waren 89 % der Teilnehmenden nach 2 Jahren wieder an ihren ursprünglichen Arbeitsplatz zurückgekehrt.

Weniger gesund als die Allgemeinbevölkerung

Dennoch zeigten die ehemaligen COVID-19-Patienten nach 2 Jahren einen schlechteren Gesundheitszustand als die Allgemeinbevölkerung: Sie litten häufiger an Fatigue oder Muskelschwäche (31 % vs. 5 %) sowie Schlafstörungen (31 % vs. 14 %). Häufiger waren bei ihnen außerdem Gelenkschmerzen, Herzklopfen, Schwindel und Kopfschmerzen.

Die ehemaligen COVID-19-Patienten gaben darüber hinaus häufiger als die Kontrollgruppe Schmerzen und Unwohlsein (23 % vs. 5 %) sowie Angst oder Depression (12 % vs. 5 %) an.

Auch die Psyche leidet langfristig

Etwa die Hälfte der ehemaligen COVID-19-Patienten hatte nach 2 Jahren Long-COVID-Symptome. Sie berichteten von einer schlechteren Lebensqualität als diejenigen ohne Long COVID.

Auf den Fragebögen zur psychischen Gesundheit gaben sie nach 2 Jahren häufiger Schmerzen oder Unwohlsein (35 % vs. 10 %) sowie Angst oder Depression (19 % vs. 4 %). Häufiger waren bei den Studienteilnehmenden mit Long COVID außerdem Probleme mit der Mobilität (5 % vs. 1 %) und dem Aktivitätsniveau (4 % vs. 2 %).

Long COVID war bei den Studienteilnehmenden außerdem mit einer häufigeren Inanspruchnahme medizinischer Leistungen (26 % vs. 11 %) sowie häufigeren Hospitalisierungen nach der Entlassung (17 % vs. 10 %) assoziiert.

Kausalität nicht eindeutig bewiesen

Die Autoren um Huang und Cao weisen darauf hin, dass es der Studie an einer Kontrollgruppe von Krankenhauspatienten, die aufgrund einer anderen Erkrankung hospitalisiert waren, gefehlt habe.

Dies erschwere es, zu beurteilen, welche der beobachteten Anomalien auf COVID-19 zurückgehen und welche mit der Hospitalisierung zusammenhängen.

Effekte von Impfungen, neuen Therapien und Varianten unklar

Da es sich um eine monozentrische Studie mit Patienten aus der Frühphase der COVID-19-Pandemie handelt, lassen sich die Ergebnisse möglicherwiese nicht ohne Weiteres auf Patienten übertragen, die zu einem späteren Zeitpunkt erkrankten.

„Wir müssen offensichtlich noch weiter erforschen, wie sich Impfungen, neue Therapeutika und Varianten von SARS-CoV-2 auf das langfristige gesundheitliche Outcome der Patienten auswirken“, sagt Cao.

Dennoch lasse sich aus der Studie ableiten, „dass ein signifikanter Anteil an COVID-19-Patienten Bedarf an fortlaufender Unterstützung hat. Um ihnen besser helfen zu können, müssten spezifische Rehabilitationsprogramme entwickelt und erforscht werden“, schlussfolgert er. © nec/aerzteblatt.de

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