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Medizin

Impfung nach Infektion mit SARS-CoV-2 könnte Long-COVID-Symptome reduzieren

Donnerstag, 19. Mai 2022

/picture alliance, NurPhoto, Eyepix

Newport – Wer noch ungeimpft ist und nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 an Long COVID leidet, könnte mit einer nachträglichen Impfung gegen COVID-19 möglicherweise seine Symptome reduzieren.

Dies zeigt eine große Studie aus dem Vereinigten Königreich, deren Ergebnisse im BMJ veröffentlicht wurden (DOI: 10.1136/bmj-2021-069676).

Die Autoren um Daniel Ayoubkhani vom Office for National Statistics in Newport betonen, dass sich aus ihren Beobachtungen noch keine Kausalität ableiten lasse. Um eindeutige Schlussfolgerungen ziehen zu können, seien weitere Daten notwendig.

„Aber die Impfung von bereits infizierten Menschen könnte dazu beitragen, die Belastung durch Long COVID auf Bevölkerungsebene etwas abzumildern, zumindest in den ersten paar Monaten nach der Impfung“, schreiben sie.

Es gibt bereits Hinweise darauf, dass gegen COVID-19 geimpfte Menschen bei einer Infektion weniger stark von Long COVID betroffen sind als Ungeimpfte. Aber erstreckt sich dieser Schutzeffekt der Impfung auch auf Menschen, die bereits an Long COVID leiden?

Hoher Bedarf an Handlungsoptionen für Long COVID

Eine spezifische Therapiemöglichkeit für Long COVID gibt es bis dato nicht. Und eine Befragung im Vereinigten Königreich ergab, dass 44 % der Menschen mit Long-COVID-Symptomen diese für mindestens 1 Jahr haben. 2/3 davon gaben an, dass die Symptome schwer genug sind, um sie im Alltag einzuschränken.

Ayoubkhani und seine Kollegen analysierten Daten von 28.356 Erwachsenen im Alter von 18-69 Jahren, die nach einem positiven Test auf SARS-CoV-2 mindestens 1 Mal gegen COVID-19 geimpft wurden. Das Vorliegen von Long-COVID-Symptomen verfolgten sie dann über einen 7-monatigen Zeitraum von Februar bis September 2021.

Insgesamt 6.729 Studienteilnehmer (23,7 %) gaben an, in den 7 Monaten mindestens 1 Mal Long-COVID-Symptome gehabt zu haben. Vor der Impfung gegen COVID-19 veränderte sich das Risiko für Long COVID im Zeitverlauf wenig.

Abnahme der Symptome nach der 1. Impfung und nach der 2. Impfung

Eine 1. Impfung gegen COVID-19 war mit einer initialen signifikanten Abnahme des Risikos für Long COVID um 12,8 % assoziiert. Allerdings ließ sich aus den Daten nicht ablesen, ob diese Verbesserung über die folgenden 12 Wochen bis zur 2. Impfung erhalten blieb.

Die 2. Impfung gegen COVID-19 war mit einer ebenfalls signifikanten weiteren Abnahme des Risikos für Long COVID um 8,8 % assoziiert. Diese Verbesserung sei mindestens über 9 Wochen erhalten geblieben, berichten die Autoren.

Auch wenn der Fokus der Untersuchung auf schwere, den Alltag einschränkende Long-COVID-Symptome gelegt wurde, waren die Ergebnisse vergleichbar.

Kein Beweis für Kausalität

„Die Wahrscheinlichkeit, mit der Long-COVID-Symptome auftraten, nahm nach der Impfung gegen COVID-19 ab und die Evidenz deutet auf eine anhaltende Verbesserung nach der 2. Impfung hin – zumindest über eine Nachbeobachtung von median 67 Tagen“, schreiben die Autoren.

Aufgrund der beobachtenden Natur der Studie lässt sich nicht ausschließen, dass die Reduktionen von anderen, nicht gemessenen Faktoren verursacht wurden. Allerdings blieben die Ergebnisse auch nach Berücksichtigung von soziodemografischen Faktoren, Gesundheitszustand, Vakzintyp und Abstand zwischen Infektion und Impfung konsistent.

Als nächstes müsse die langfristige Beziehung zwischen der Impfung gegen COVID-19 und Long COVID näher untersucht werden, so die Forschungsgruppe um Ayoubkhani.

„Wir müssen die biologischen Mechanismen verstehen, die der Verbesserung der Long-COVID-Symptomatik nach einer Impfung zugrunde liegen. Das könnte auch bei der Entwicklung von Therapien gegen Long COVID helfen.“

Effekt der nachträglichen Impfung auf Long COVID ist umstritten

In einem begleitenden Editorial schreiben der Rehabilitationsmediziner Manoj Sivan von der University of Leeds und seine Kollegen, dass der Effekt von Impfungen bei Menschen, die bereits Long COVID haben, ein umstrittenes Thema sei, unter Patienten ebenso wie unter Ärzten.

Die Studie des Office for National Statistics deute darauf hin, dass einige Menschen mit Long COVID nicht alle – einen Nutzen aus einer nachträglichen COVID-19-Impfung ziehen könnten. Für eindeutige Aussagen sei allerdings weit mehr Evidenz und die Aufklärung des zugrunde liegenden Mechanismus erforderlich.

Bis eine Erklärung für die beobachteten Verbesserungen gefunden worden sei, sei eine Impfung gegen COVID-19 für Menschen mit Long COVID vor allem deshalb wichtig, um erneuten Infektionen vorzubeugen, schlussfolgern Sivan und seine Koautoren. © nec/aerzteblatt.de

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