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Medizin

Alzheimer-Gen beeinflusst IQ von Kindern

Dienstag, 15. August 2017

/fotoliaxrender - stock.adobe.com

Bergen – Die Sequenz eines Gens, das auch in der Entwicklung von Alzheimer eingebunden ist, scheint eine wichtige Rolle für die kindliche Intelligenz zu spielen. Im Journal of Alzheimers Disease berichten Forscher um Tetyanaa Zayats an der University of Bergen über die mögliche Rolle, die das Gen für die Kognition darstellen könnte (2017; doi: 10.3233/JAD-170049).

In der Herausbildung der Intelligenz, die über IQ-Tests quantifiziert werden kann, scheinen zum einen der genetische Hintergrund und zum anderen sozioökonomische Faktoren eine Rolle zu spielen. Die Psychologie unterscheidet im Rahmen des Zwei-Faktoren-Modells nach Cattel unter anderem zwischen der kristallinen und der fluiden Intelligenz. Die kristalline Intelligenz umfasst explizites Wissen und Fähigkeiten, welche ein Mensch im Laufe des Lebens erwirbt, während die fluide Intelligenz die prinzipielle geistige Grundkapazität und die Fähigkeit zur Problemlösung umfasst. 

In Bezug auf die Entwicklung von Alzheimer ist bekannt, dass seltene genetische Vari­an­ten des Amyloid-Precursor-Proteins (APP) darüber entscheiden, wie stark ein Mensch zur Ausbildung des krankheitsbegünstigenden Beta-Amyloids tendiert. Da das Gen auf dem Chromosom 21 liegt, neigen beispielsweise auch Trisomie-Patienten häufiger zu einer Demenz. Ein Zusammenhang zwischen Risikogenen für Alzheimer und der Intelligenz wurden bereits von anderen Studien beschrieben, berichten die Wissenschaftler. Genetische Varianten von ApoE4 scheinen beispielsweise Einfluss auf die Intelligenz im jungen Alter zu nehmen. Epidemiologische Studien zeigen außer­dem, dass bei Kindern schlechte Ergebnisse in Intelligenztests mit einer erhöhten Alzheimerrate assoziiert sind.

In ihrer Untersuchung nutzten die Forscher die Daten zweier großer Studien, welche die genetischen Profile von mehr als 171.000 Probanden erhoben. Unter diesen Pro­banden waren 5.165 Kinder, bei denen außerdem ein IQ-Test durchgeführt wurde sowie 17.008 Patienten mit einer Alzheimer-Demenz.

In der Analyse der Daten zeigte sich, dass eine bestimmte Variante von APP nicht nur das Alzheimerrisiko erhöhte, sondern auch die Leistung von Kindern in IQ-Tests ver­schlech­terte. Hier war besonders der Performance IQ betroffen, welcher der fluiden Intelligenz nach Cattel entspricht. In einer Kohorte mit erwachsenen Patienten stellten die Forscher außerdem fest, dass bestimmte Varianten des Gens das Gedächtnis und die Reaktionszeit beeinflussten. 

Die Ergebnisse deuten laut den Forschern darauf hin, dass Gene, die das Alzheimer­risiko beeinflussen, auch für die Erhaltung der neuronalen und synaptischen Stabilität sowie die Kognition verantwortlich sind. Dies würde auch erklären, warum Intelligenz scheinbar ein protektiver Faktor vor einer Alzheimererkrankung ist. © hil/aerzteblatt.de

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