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Medizin

Areal für Stimmerkennung im Gehirn identifiziert

Donnerstag, 4. Januar 2018

Gyrus temporalis superior (rot) /Wikimedia Commons, Anatomography

Leipzig – Eine Windung im rechten Schläfenlappen des Gehirns ist dafür verant­wortlich, dass wir Stimmen wiedererkennen. Das berichtet ein Team des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig (MPI CBS) in der Januarausgabe der Zeitschrift Brain (2018; doi: 10.1093/brain/awx313).

„Sehr zuverlässige Aussagen darüber, welche Gehirnbereiche welche Funktionen innehaben, lassen sich anhand von Untersuchungen an Patienten mit Hirnverletzungen treffen. Ist ein bestimmter Bereich im Gehirn verletzt und fällt dadurch eine bestimmte Fähigkeit aus, lässt sich beides einander zuordnen“, erläuterte die Erstautorin der Studie, Claudia Roswandowitz, Wissenschaftlerin am MPI CBS.

Tests an 58 Patienten

Die Forscher testeten bei 58 Patienten mit Hirnschädigungen, vor allem Schlaganfall-Betroffenen, die Fähigkeit, Stimmen zu lernen und diese dann wiederzuerkennen. Zusätzliche nutzten die Forscher Hirnscans der Patienten, die hochaufgelöst deren Hirnstrukturen und -schädigungen zeigten.

Die Neurowissenschaftler erkannten, dass besonders Patienten mit Läsionen in bestimmten Bereichen des rechten hinteren Schläfenlappens Stimmen schlechter erkannten. Sie gehen daher davon aus, dass der hintere Gyrus temporalis superior unerlässlich für die Stimmerkennung ist.

„Durch diese Erkenntnisse können wir besser verstehen, wie das Gehirn Stimmen erkennt“, so Roswandowitz. Das sei die Grundlage, um wirksame Therapien für Patienten mit einer sogenannten Phonagnosie zu entwickeln, also für Patienten, die Stimmen nicht erkennen können.

„In unserer Studie haben beispielsweise 9 Prozent der Patienten von deutlichen Schwierigkeiten beim Erkennen von Stimmen berichtet. Trotzdem ist das Phänomen im medizinischen Bereich bisher kaum bekannt. Hier müssten wir zu einer höheren Sensibilität gelangen“, so Roswandowitz. © hil/aerzteblatt.de

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