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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Mortalität nach Krebs: Immer mehr Tumorpatienten sterben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Dtsch Arztebl 2019; 116(50): A-2357

Meyer, Rüdiger

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Foto: Sagittaria/ stock.adobe.com
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Infolge verbesserter onkologischer Therapien überleben immer mehr Krebspatienten das Tumorleiden. Für sie sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen zur zweithäufigsten Todesursache geworden. Bei einigen Krebsarten sterben nach einer Auswertung des US-Krebsregisters SEER mittlerweile sogar mehr Patienten an Herzerkrankungen als am Krebsleiden.

Die Zahl der Krebsüberlebenden steigt rasch. 2040 könnten in den USA mehr als 26 Millionen von dann 380 Millionen Einwohnern eine Krebserkrankung in der Vorgeschichte haben. In den vergangenen Jahren sind deshalb zunehmend die gesundheitlichen Probleme in den Blickpunkt geraten, die sich aus der Lebensweise, die zur Krebserkrankung geführt hat, oder aus den Folgen der Behandlung ergeben. Viele Chemotherapeutika, aber auch die Radiotherapie können insbesondere den Herzmuskel schädigen.

Wie groß das Ausmaß des Problems mittlerweile ist, zeigt eine Analyse des US-Krebsregisters SEER (Surveillance, Epidemiology and End Results). Der Radioonkologe Nicholas Zaorsky vom Penn State Cancer Institute in Hershey hat zusammen mit der Public Health-Forscherin Kathleen Sturgeon die Daten zu 3 234 256 Krebspatienten ausgewertet. Von ihnen starben 38 % (1 228 328) an Krebs und 11 % (365 689) an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die zu zwei Drittel auf ein kardiales Geschehen zurückzuführen waren. Das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, war umso höher, je jünger die Krebspatienten waren. Krebsüberlebende im Alter von unter 55 Jahren hatten beispielsweise ein 10-fach höheres Risiko als die Allgemeinbevölkerung, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben.

Fazit: Insgesamt war der Anteil der Herz-Kreislauf-Toten nach Tumoren der Harnblase (19 % der Patienten), des Kehlkopfes (17 %), der Prostata (17 %), des Endometriums (16 %), des Darms (14 %) und der Brustdrüse (12 %) am höchsten. Überlebende von Brustkrebs, Kehlkopfkrebs, Hautkrebs, Hodgkin-Lymphom, Schilddrüsenkrebs, Hodenkrebs, Prostatakarzinom, Endometriumkarzinom, Blasenkrebs sowie Krebserkrankungen von Vulva und Penis starben in etwa gleich häufig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie an ihrem Krebsleiden. Von allen tödlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die im Jahr 2012 bei Krebspatienten auftraten, entfielen 61 % auf Brust-, Prostata- oder Blasenkrebs. Das sind gleichzeitig diejenigen Erkrankungen mit den besten mittelfristigen Überlebenszeiten, was eine Erklärung für die Häufung ist. Die andere dürfte in den Folgen der verbesserten Therapien zu suchen sein. Rüdiger Meyer

Sturgeon KM, et al.: A population-based study of cardiovascular disease mortality risk in US cancer patients. European Heart Journal 25. Nov. 2019 DOI: 10.1093/eurheartj/ehz766.

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