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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Rezidiviertes Leberzellkarzinom: Kein Gesamtvorteil einer Resektion gegenüber perkutaner Radiofrequenzablation

Gulden, Josef

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Foto: picture-alliance/Berlin Picture Gate
Foto: picture-alliance/Berlin Picture Gate

Das hepatozelluläre Karzinom wird meist mit kurativer Intention reseziert, allerdings treten häufig Rezidive auf. Eine verbesserte Überwachung ermöglicht aber selbst noch bei Rezidiven, potenziell kurativ zu therapieren, vor allem durch erneute Hepatektomie und perkutane Radiofrequenzablation (PRFA). An einem chinesischen Zentrum sind erstmals beide Methoden randomisiert verglichen worden.

In der Studie wurden 240 Patienten (median 53 Jahre alt) auf eine der beiden Techniken randomisiert und 217 von ihnen behandelt. Als Rezidiv waren ein solitärer Herd von bis zu 5 cm erlaubt oder maximal 3 Herde von bis zu 3 cm Größe, es durfte keine makroskopische vaskuläre Invasion und keine Fernmetastasierung vorliegen. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben (OS), und nach median 44,3 Monaten Nachbeobachtungsdauer lagen die Raten hier in der Intention-to-treat-Analyse nach 1, 3 und 5 Jahren für die (offene) Hepatektomie bei 92,5 %, 65,8 % und 43,6 %, für die PRFA bei 87,5 %, 52,5 % und 38,5 %. Dieser Trend zugunsten der Operation war nicht signifikant (p = 0,17). Ähnlich war es beim sekundären Endpunkt, dem rezidivfreien Überleben (RFS): Die 1-, 3- und 5-Jahres-Raten betrugen jeweils 85,0 %, 52,4 % und 36,2 für die offene Hepatektomie vs. 74,2 %, 41,7 % und 30,2 % für die PRFA (p = 0,09).

Signifikant wirksamer schien die ablative Therapie bei der lokalen Kontrolle zu sein: Lokalrezidive waren hier mit 21,7 % vs. 37,8 % deutlich seltener (p = 0,04), ebenso frühe Rezidive binnen 12 Monaten mit 23,3 % vs. 40,3 % (p = 0,04). Als signifikant wirksamer erwies sich die Hepatektomie in einer multivariaten Analyse bei Tumorherden > 3 cm Durchmesser (Hazard Ratio [HR]: 1,72; 95%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [1,05; 2,84]) und bei Patienten mit α-Fetoprotein-Titern von ≥ 200 ng/mL, also hoher Tumorlast (HR: 1,85 [1,15; 2,96]). Die Resektion verursachte allerdings mehr Komplikationen als die PRFA (22,4 % vs. 7,3%; p = 0,001).

Fazit: Die Studienergebnisse seien schwer auf europäische Patienten zu übertragen, kommentiert Prof. Dr. med. Arndt Vogel, Medizinische Hochschule Hannover. Europäische Patienten seien median fast 20 Jahre älter und hätten zu 70–80 % eine Zirrhose. In der chinesischen Population waren das nur etwa 45 %, und die Ätiologie war hier primär durch Hepatitis B bedingt. Auffällig sei außerdem, dass das OS im Hepatektomie-Arm im Median nicht viel länger war als das RFS (47 vs. 38 Monate). Das könnte daran liegen, dass nur etwa jeder 10. Patient im erneuten Rezidiv eine systemische Therapie erhalten hatte, meist Sorafenib, zum Teil in Kombination mit interventionellen Behandlungen. „Das entspricht nicht unserer Behandlungsrealität“, so Vogel, „vor allem kommt nicht zum Ausdruck, dass es mit mittlerweile 6 Medikamenten große Fortschritte auch in der systemischen Therapie gibt.“ Weiterhin müsse man also kritisch im Einzelfall entscheiden, ob eine PRFA oder eine Resektion durchgeführt werde. Josef Gulden

Xia Y, Li J, Liu G, et al.: Long-term effects of repeat hepatectomy vs percutaneous radiofrequency ablation among patients with recurrent hepatocellular carcinoma. A randomized clinical trial. JAMA Oncol 2020; 6255–63.

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