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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Gastrointestinale Stromatumoren: Erfolg der adjuvanten Therapie nicht von der Radikalität der Resektion abhängig

Gulden, Josef

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Foto: CC BY-SA 3.0
Foto: CC BY-SA 3.0

Gastrointestinale Stromatumoren (GIST) werden in lokal fortgeschrittenen Stadien operiert und dann adjuvant mit Imatinib behandelt. Ziel der Operation ist eine R0-Resektion, aber auch bei positiven Schnitträndern (R1) erfolgt die adjuvante Therapie, ohne dass bisher klar war, ob dies die Prognose beeinflusst. Die EORTC hat die bislang größte randomisierte Studie zur adjuvanten Therapie von GIST durchgeführt (2004–2008). In einer Post-hoc-Analyse wurde analysiert, ob die Radikalität der Operation die Überlebenschance beeinflusst.

Von 908 eingeschlossenen Patienten mit lokalisiertem Intermediär- oder Hochrisiko-GIST war bei 162 (17,8 %) eine R1-Resektion dokumentiert, darunter 97 Patienten (59,9 %), bei denen eine Tumorruptur nicht vermieden werden konnte. Beim primären Endpunkt Gesamtüberleben war eine R1- gegenüber einer R0-Resektion insgesamt mit einer Verdoppelung des Letalitätsrisikos assoziiert (Hazard Ratio [HR]: 2,05; [95-%-Konfidenzintervall] [1,45; 2,89]). Im Imatinib-Arm war es noch höher (HR: 2,65; [1,37; 3,75]), im Kontrollarm hingegen etwas niedriger (HR: 1,86; [1,16; 2,99]). Die Risikoerhöhung ging offenbar auf die Tumorrupturen zurück: Blieben diese Patienten unberücksichtigt, verschwand der Unterschied zwischen R1- und R0-Resektion (HR: 1,05; [0,54; 2,01]).

Fazit: Wichtigstes Ergebnis dieser Analyse ist, dass eine Entscheidung über eine adjuvante ImatinibTherapie nicht vom Resektionsstatus abhängig gemacht werden sollte, kommentiert Priv.-Doz. Dr. med. Peter Reichardt, Helios-Klinikum Berlin-Buch. „Dennoch ist natürlich, wann immer möglich, eine R0-Resektion anzustreben, gegebenenfalls auch – bei entsprechendem präoperativen Staging – mithilfe einer großzügigeren neoadjuvanten Anwendung von Imatinib. Das trifft ganz besonders auf die extrem seltenen GIST des Rektums zu, für die ein positiver Resektionsrand tatsächlich mit einem höheren Rezidiv- und Mortalitätsrisiko in Verbindung gebracht wurde.“ Und selbstverständlich sei eine iatrogene Verletzung der Tumorintegrität möglichst zu vermeiden. Josef Gulden

Gronchi A, et al.: Quality of surgery and outcome in localized gastrointestinal stromal tumors treated within an international Intergroup randomized clinical trial of adjuvant imatinib. JAMA Surgery 2020, DOI: 10.1001/jamasurg.2020.0397.

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