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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

COVID-19 und Tumorbehandlung: Sterberisiko von Krebspatienten steigt bereits nach kurzen Therapieverzögerungen

Meyer, Rüdiger

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Foto: Christoph Burgstedt/iStock
Foto: Christoph Burgstedt/iStock

Nach frühzeitiger Therapie sind die Überlebenschancen bei vielen Krebserkrankungen besser, wie eine Metaanalyse für einige häufige Tumorentitäten bereits für eine kurze Zeitspanne von 4 Wochen zeigt.

Tumortherapien können sich verzögern, weil multimodale Therapien abgestimmt werden müssen oder Behandlungskapazitäten begrenzt sind. Die COVID-19-Pandemie verschärft dieses Problem vielerorts. Britische und kanadische Forscher haben jetzt versucht, in einer Metaanalyse den Effekt der Verzögerungen auf die Mortalität von Krebspatienten zu berechnen.

Dies ist allerdings nur bedingt möglich, da schlechtere Ergebnisse bei einem späteren Therapiebeginn auch daher rühren können, dass Ärzte – bewusst oder unbewusst – bei Engpässen zunächst jene Patienten bevorzugen, deren Überlebenschancen sie am höchsten einstufen.

Die Untersuchung der Queen’s University in Kingston/Kanada und der London School of Hygiene and Tropical Medicine basiert auf der Analyse von 34 Studien zu 17 verschiedenen Krebserkrankungen, die von einer Behandlung profitieren. Für 13 Indikationen waren negative Effekte einer Zeitverzögerung auf die Mortalität nachweisbar.

Verzögerte sich eine Operation um 4 Wochen, stieg das Sterberisiko bei Kopf- und Halstumoren um 6 % (Hazard Ratio [HR] 1,06; 95-%-Konfidenzintervall [KI] 1,04–1,08), bei Brustkrebs zeigte sich dies ebenso (HR 1,08; KI 1,03–1,13). Bei Lungenkrebs gab es keinen signifikanten Anstieg (HR 1,06; KI 0,93–1,19).

Auch das Hinauszögern einer neoadjuvanten systemischen Behandlung ging beim Blasenkrebs (HR 1,24; KI 1,03–1,50) und beim Mammakarzinom (HR 1,28; KI 1,05–1,56) mit deutlichen Mortalitätsanstiegen einher. Beim Kolorektalkarzinom galt dies für eine Verzögerung der Chemotherapie (HR 1,13; KI 1,09–1,17). Für die adjuvante Chemotherapie des nicht-kleinzelligen Lungenkrebs und bei Blasenkrebs war die Assoziation nicht signifikant.

Fazit: Die Effekte zeigten eine Zeitabhängigkeit und verstärkten sich bei längerem Aufschub. Bei Brustkrebs stieg nach einer Verschiebung von 8 oder 12 Wochen das Sterberisiko um 17 % und 26 % an. Dies kann zu spürbarer Übersterblichkeit führen. Wenn alle Brustkrebsoperationen um 12 Wochen verschoben würden, bedeutete dies 1 400 zusätzliche Todesfälle pro Jahr in Großbritannien. Rüdiger Meyer

Hanna TP, et al.: Mortality due to cancer treatment delay: systematic review and meta-analysis. BMJ. 4 Nov 2020; 371: m4087. doi: 10.1136/bmj.m4087.

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