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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Metastasiertes Hormonrezeptor-positives, Her2-negatives Mammakarzinom: Real-World-Daten ergeben höhere Überlebensraten durch Palbociclib plus Letrozol

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: Axel Kock/stock.adobe.com
Foto: Axel Kock/stock.adobe.com

Beim metastasierten Mammakarzinom beträgt die 5-Jahres-Krebsüberlebenswahrscheinlichkeit 28–29 %. Für das Hormonrezeptor-positive (HR+) Her2-negative (Her2–) Mammakarzinom ist die Kombination aus Hormontherapie mit einem CDK4/6-Inhibitor wie Palbocilcib ein Standard. Die zulassungsrelevante randomisierte Phase-3-Studie PALOMA-2 ergab – je nach Auswertungszeitpunkt – einen Zugewinn beim progressionsfreien Überleben (PFS) von 10–13 Monaten gegenüber Letrozol alleine. Für das mediane Gesamtüberleben (OS) ist im Rahmen des PALOMA-Programms ein numerischer, nicht aber ein statistisch signifikanter Vorteil von 3 Monaten durch Palbociclib plus Letrozol im Vergleich zur Letrozol-Monotherapie in der Erstlinie ermittelt worden (37,5 vs. 34,5 Monate; PALOMA-2 [1]). Nun liegen Daten zu PFS und OS aus der klinischen Routine vor (2).

Sie stammen aus der Flatiron Health Analytic Database der USA. Es wurden die Therapieergebnisse von 1 430 Patientinnen ausgewertet, zu 94 % an kommunalen Kliniken behandelt. 772 hatten Palbociclib plus Letrozol als Erstlinientherapie erhalten und 658 Letrozol alleine. Die Behandlung hatte ≤ 60 Tage nach Diagnose der metastasierten Erkrankung begonnen.

Um die Therapieeffekte herauszuarbeiten und das Problem einer möglichen Bias zwischen Interventions- und Kontrollgruppe zu minimieren, wendeten die Autoren Propensity-Score-Methoden an, darunter das „stabilized inverse probability of treatment weighting“ (sIPTW). Die Patientinnen waren durchschnittlich 67 Jahre alt. Das mediane Follow-up betrug 24,2 Monate (Kombination) und 23,3 Monate (Monotherapie). Nach sIPTW-Adjustierung lag das PFS in der Gruppe Palbociclib plus Letrozol bei median 20,0 Monaten und bei median 11,9 Monaten unter Letrozol alleine (Hazard Ratio [HR]: 0,58 [95-%-Konfidenzintervall [0,49; 0,69]; p < 0,0001). Das mediane Gesamtüberleben war bei dualer Behandlung noch nicht erreicht und betrug bei Letrozol-Monotherapie median 43,1 Monate (HR: 0,66 [0,53; 0,82]; p = 0,0002). Im 2-Jahres-Zeitraum überlebten 78,3 % im Palbociclib-Arm und 68,0 % unter Letrozol alleine.

Fazit: „Nicht zuletzt mit Blick auf Zulassung und attestierten Zusatznutzen ist das Erreichen eines Gesamtüberlebensvorteils wichtig für neue Substanzen beim metastasiertem Mammakarzinom“, kommentiert Prof. Dr. med. Cornelia Kolberg-Liedtke, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Universitätsklinikum Essen. „Auch wenn es sich bei der ‚Flatiron‘-Analyse um eine retrospektive Analyse handelt, zeigen diese Daten, dass auch die Substanz Palbociclib, ähnlich wie die anderen CDK-4/6-Inhibitoren Ribociclib und Abemaciclib, das Potenzial hat, das Gesamtüberleben der Patientinnen signifikant zu verbessern. Die Studie unterstreicht den hohen Stellenwert von CDK-4/6-Inhibitoren für die Anwendung beim metastasierten HR+/Her2–-Mammakarzinom.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Finn RS, Boer K, Bondarenko I, et al.: Overall survival results from the randomized phase 2 study of palbociclib in combination with letrozole versus letrozole alone for first-line treatment of ER+/HER2– advanced breast cancer (PALOMA-1, TRIO-18). Breast Cancer Res Treat. 2020; 183: 419–28.
  2. DeMichele A, et al.: Comparative effectiveness of first-line palbociclib plus letrozole versus letrozole alone for HR+/HER2− metastatic breast cancer in US real-world clinical practice. Breast Cancer Research 2021; https://doi.org/10.1186/s13058-021-01409-8.

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