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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Melanom: Geringere Mortalität nach Screeningbefunden als bei Verdacht des Patienten selbst

Gerste, Ronald D.

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Foto: Science Photo Library/MID ESSEX HOSPITAL SERVICES NHS TRUST
Foto: Science Photo Library/MID ESSEX HOSPITAL SERVICES NHS TRUST

Wenn Melanome in einem frühen Stadium erkannt werden, führt dies zu einer geringeren Mortalität als wenn der Tumor bei Diagnose bereits dicker und damit fortgeschrittener ist. Ein populationsbasiertes Melanom-Screeningprogramm gebe es nur in Deutschland, so eine australische Autorengruppe. In einer populationsbasierten prospektiven Kohortenstudie haben die Dermatologen der University of Sydney untersucht, ob das Setting bei der Entdeckung des Hautkrebses einen Einfluss auf die Gesamtmortalität und auf die melanomspezifische Mortalität hat.

Erfasst wurden 2 452 Patienten im Bundesstaat New South Wales, bei denen zwischen Oktober 2006 und Oktober 2007 ein Melanom diagnostiziert wurde. Die im Durchschnitt bei Diagnosestellung 65 Jahre alten Patienten – zu 61 % männlich – wurden im Mittel über 11,9 Jahre nachbeobachtet.

In dieser Zeit kam es zu 162 Todesfällen aufgrund eines Melanoms und zu 604 Todesfällen aus anderer Ursache. Bei 858 Patienten (39 %) erfolgte die Melanomdiagnose während einer routinemäßigen Hautuntersuchung, 1 148 Patienten (47 %) bemerkten das Melanom selbst und bei 293 Patienten (12 %) wurde der Tumor zufällig im Kontext anderer Hautbefunde entdeckt. 153 Patienten (6 %) berichteten andere Settings ärztlicher Untersuchungen.

Die Entdeckung eines invasiven Melanoms während eines Routinechecks war gegenüber einer Untersuchung auf Verdacht des Patienten hin mit einer um 59 % niedrigeren melanomspezifischen Mortalität – Odds Ratio (OR) 0,41 ([95-%-Konfidenzintervall] [0,28; 0,60]) – und einer um 36 % geringeren Gesamtmortalität assoziiert (OR: 0,64 [0,54; 0,76]). Die Chancen einer solchen Entdeckung bei einer Routineuntersuchung waren höher für Männer (OR weiblich vs. männlich: 0,73 [0,60; 0,89]), für ein Alter > 50 Jahre vs. < 40 Jahre (OR: 2,89 [1,92; 4,34] und für Patienten mit Melanom in der Anamnese (OR: 2,36 [1,77; 3,15]). Bei der Routineuntersuchung entdeckte Melanome waren häufiger dünn oder in-situ-Tumore als in den anderen Settings. So waren 74 % von ihnen nichtulzerierend und 37 % hatten eine niedrige Mitoserate von < 1 pro mm2. Eine sehr hohe Mitoserate von
> 10 pro mm2 fand sich hingegen überdurchschnittlich häufig (70 %) bei den von Patienten selbst entdeckten Melanomen. Nach Adjustierung um Variablen wie soziodemografische Merkmale, klinische prognostische Faktoren sowie Mitoserate und Ulzeration war die melanomspezifische Mortalität zwar noch nominell, aber nicht mehr signifikant unterschiedlich – im Gegensatz zur Gesamtmortalität.

Fazit: „Diese Kohortenstudie ergibt bei Melanomen, die bei einer Routineuntersuchung diagnostiziert wurden, eine signifikant niedrigere Gesamtmortalität, nicht allerdings eine niedrigere melanomspezifische Mortalität“, fasst Prof. Dr. med. Detlef Zillikens, Direktor der Klinik für Dermatologie der Universität zu Lübeck, die Daten zusammen. Dr. med. Ronald D. Gerste

Watts CG, McLoughlin K, et al.: Association between melanoma detected during routine skin checks and mortality. JAMA Dermatol. 2021; doi:10.1001/jamadermatol.2021.3884

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