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CAR-T-Zellen in der Praxis: Gleiche Zielantigene, unterschiedliche Effektivität und Toxizität

Montag, 9. Dezember 2019

/stock.adobe.com picture-waterfall

Orlando – Die beiden in den USA und Europa zugelassenen CAR-T-Zell-Produkte Tisagen­lecleucel und Axicabtagene Ciloleucel sind eine neuartige Immuntherapie für Patienten mit B-Zell-Malignomen. Das therapeutische Potenzial ist hoch. Beide Produkte haben das Protein CD19 auf B-Lymphozyten als Zielantigen, die Indikationen überlappen sich teilweise und beide werden zunehmend außerhalb von klinischen Studien angewendet, auch in Deutschland.

Nun belegt eine größere Analyse aus der klinischen Routine an US-amerikanischen Zentren: In der Praxis lässt sich eine ähnliche Wirksamkeit erreichen wie in den zulassungs­relevanten Studien. Zwischen beiden Produkten aber gibt es Unterschiede, wenn sie in derselben Indikation angewendet werden. Dies gilt auch für die höhergradigen Nebenwirkungen. (Riedell PA, Walling C, Nastoupil , et al, A Multicenter Retrospective Analysis of Clinical Outcomes, Toxicities, and Patterns of Use in Institutions Utilizing Commercial Axicabtagene Ciloleucel and Tisagenlecleucel for Relapsed/Refractory Aggressive B-Cell Lymphomas. Abstr. 1599)

Daten von 270 Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphomen

Die retrospektiven Daten aus der kommerziellen Anwendung von Tisagenlecleucel (Novartis) und Axicabtagene Ciloleucel (Gilead) haben bei der 61. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) große Aufmerksamkeit gefunden, denn es gibt bisher erst wenige systematische Untersuchungen zu Effektivität und Toxizität in der Routine­anwendung der Produkte. In den USA war die Zulassung 2017 erfolgt, in Europa im August 2018.

Von 261 mehrfach rezidivierten Patienten, die zwischen Januar 2018 und November 2019 an 8 zertifizierten Zentren in den USA mit einem der beiden Produkte behandelt wurden, hatte das Team um Peter A. Riedell von der University of Chicago detaillierte Wirksamkeits- und Toxizitätdaten. Die meisten Patienten (> 87 %) litten an r/r DLBCL. 168 Patienten hatten Axicabtagene Ciloleucel (Axi-cel) erhalten und 93 Tisagenlecleucel (Tisa-cel). Das mediane Follow-Up lag für beide Produkte bei 5,8 bis 5,9 Monate.

CAR-T-Zellen (Chimeric Antigen Receptor T-cells)

sind gentechnisch veränderte T-Lymphozyten des Patienten. Sie können sich nach der Veränderung an ein Protein auf der Zellpopulation des Malignoms binden und damit Effektorfunktionen auslösen, die zur Zytolyse der Tumorzellen führen. Indikation für Tisagenlecleucel ist die Behandlung von pädiatrischen Patienten und jungen Erwachsenen (bis 25 Jahren) mit ALL vom B-Zell-Vorläufer-Typ, die refraktär ist oder im zweiten oder späteren Rezidiv, und für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit rezidiviertem oder refraktären diffusem, großzelligem B-Zell-Lymphom (r/rDLBCL) nach zwei oder mehr Linien systemischer Therapie indiziert. Axicabtagene Ciloleucel ist zugelassen zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit r/rDLBCL und Patienten mit primärem mediastinalen B-Zell-Lymphom (PMBCL) nach mindestens 2 systemischen Behandlungen. Bei refraktären oder mehrfach rezidivierten B-Zell-Lymphomen haben die Kliniken also die Wahl, ob sie Tisagenlecleucel oder und Axicabtagene Ciloleucel anwenden.

40 bis 50 Prozent der Patienten sprechen komplett an

Am Tag 90 nach Infusion von Axi-cel hatten 56 % komplett angesprochen, die Gesamt­ansprechrate betrug 70 %. In der Zulassungsstudie (ZUMA1) betrugen die entsprechenden Raten 83 % für das Gesamtansprechen (ORR) und 58 % für die komplette Response (CR).

Für Tisa-cel lag die ORR in der Routineanwendung bei 59 % und die CR-Rate bei 45 %. In der zulassungsrelevanten Studie JULIET betrug die ORR 52 % und die CR-Rate 40 %.
Deutliche Unterschiede zwischen den Produkten gab es beim höhergradigen Zytokin-Release-Syndrom (CRS mindestens Grad 3).

Bei Axi-cel hatten 12 % in der Routine­anwendung ein höhergradiges CRS und bei Tisa-cel 4 %. Auch höhergradige ZNS-Nebenwirkungen waren unter Axi-cel mit 40 % deutlich häufiger als bei Tisa-cel mit 2 %. Nach Axi-cel Therapie mussten daher auch mehr Patienten intensivmedizinisch behandelt werden als unter Tisa-cel-Therapie (38 vs. 7 %).

„Die CAR-T-Zell-Therapie mit Axi-cel war etwas wirksamer als die mit Tisa-cel“, resümieren, die Autoren. „Aber die Inzidenz und die Schwere von therapierelevanten Nebenwirkungen war höher unter der Axi-cel-Behandlung, obwohl die Patienten der Tisa-cel-Gruppe durchschnittlich älter waren und intensiver vorbehandelt“, so das Studienteam.

„Noch aber ist es zu früh, um daraus Entscheidungen für die klinische Praxis abzuleiten. Wir benötigen Daten von mehr Patienten und eine längere Beobachtungszeit.“ CAR-T-Zellen sind ein Schwerpunkt bei der 61. Jahrestagung der ASH in Orlando. Zehn Prozent von circa 4.500 Abstracts gab es zu dieser Form der Immuntherapie. © nsi/aerzteblatt.de

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