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Medizin

Operables NSCLC: Überlebensvorteil mit adjuvantem EGFR-TKI

Mittwoch, 3. Juni 2020

/decade3d, stock.adobe.com

Alexandria – Erstmals führte eine adjuvante zielgerichtete Therapie beim resektablen nicht kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) in einer globalen Studie zu einer längeren Krankheitsfreiheit. In der placebokontrollierten ADAURA-Studie lebten Patienten nach kompletter Entfernung eines nicht kleinzelligen Bronchialkarzinoms (NSCLC) mit einer Mutation im epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor(EGFR)-Gen signifikant länger krankheitsfrei, wenn sie eine adjuvante Therapie mit Osimertinib erhalten hatten, wie Roy S. Herbst vom Yale Krebszentrum in New Haven, USA, anlässlich des virtuellen Kongresses der American Society of Clinical Oncology berichtete.

Etwa 30% aller Patienten mit NSCLC werden in einem Stadium diagnostiziert, in dem noch eine Tumorentfernung möglich ist (Stadium I-IIIA). Dann ist die Resektion die primäre Therapie. Im Stadium III und bei ausgewählten Patienten mit einem NSCLC im Stadium IIB ist eine adjuvante, platinhaltige Chemotherapie nach der Operation Standard. Bislang erleiden dennoch viele dieser Patienten ein Rezidiv.

Deshalb untersuchte die randomisierte, doppelblinde Phase-III-Studie ADAURA, ob die Therapie mit Osimertinib bei Patienten mit einem EGFR-mutierten NSCLC im Stadium IIB-III nach kompletter Resektion und adjuvanter Chemotherapie das krankheitsfreie Überleben verbessern kann. Osimertinib ist ein gegen EGFR gerichteter Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI) der dritten Generation. Der TKI ist bei der Behandlung von EGFR-mutierten fortge­schrittenen NSCLC wirksamer als andere EGFR-TKI (N Engl J Med 2020; 382: 41-50).

An der ADAURA-Studie teilnehmen konnten erwachsene Patienten in gutem Allgemein­zustand mit einem primären NSCLC im Stadium I bis III ohne plattenepitheliale Histologie, bei denen eine EGFR-Mutation (ex19del/L858R) nachgewiesen worden war. Die Patienten mussten sich von der Komplettresektion des Karzinoms erholt haben und konnten auch bereits eine adjuvante Chemotherapie erhalten haben. Randomisiert erhielten sie über bis zu drei Jahre Osimertinib in einer Dosis von 80 mg einmal täglich oder Placebo.

Die jetzt vorgestellte Interimsanalyse der Studie wurde durchgeführt, nachdem ein unabhängiges Komitee die vorzeitige Entblindung der Studie wegen der Wirksamkeits­unterschiede zwischen den beiden Armen empfohlen hatte, wie der Hersteller im April mitteilte. Insgesamt nahmen 682 Patienten an der Studie teil. 339 hatten randomisiert bis zu 3 Jahre lang Osimertinib in einer Dosierung von 80 mg einmal täglich erhalten, 343 Placebo.

Primärer Endpunkt der Studie war das vom Prüfarzt festgestellte krankheitsfreie Überleben in der Gruppe der Patienten mit einer Erkrankung des Stadiums II und IIIA. An einem NSCLC dieses Stadiums waren 69 % aller Studienteilnehmer erkrankt. Mit Osimertinib waren nach zwei Jahren noch 90 % dieser Patienten krankheitsfrei, mit Placebo nur 44 %. Das mediane krankheitsfreie Überleben war in der Osimertinib-Gruppe noch nicht erreicht und lag mit Placebo bei 20,4 Monaten. Dies entsprach einer Hazard Ratio zugunsten von Osimertinib von 0,17 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,12 bis 0,23 (p<0,0001).

Wie Herbst betonte, zeigte sich der Unterschied zwischen Osimertinib- und Placebogruppe von Beginn an. Der Vorteil war noch weit ausgeprägter als ursprünglich erwartet, sagte er.
Über alle Patienten hinweg, also auch mit den 31 % der Patienten mit Stadium-IB-Erkrankung, ergab sich ein ähnliches Ergebnis. Krankheitsfrei lebten nach 2 Jahren noch 89 % der Patienten, die Osimertinib adjuvant erhalten hatten, und 53 % in der Placebogruppe. Die Hazard Ratio für das krankheitsfreie Überleben lag hier bei 0,21 zugunsten von Osimertinib mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,16 bis 0,28 (p<0,0001). Das deutete laut Herbst darauf hin, dass Osimertinib auch für die Behandlung von Patienten mit Stadium-IB-Erkrankung geeignet ist.

In allen untersuchten Subgruppen nach Alter, Geschlecht, Rauchstatus, Herkunft, Stadium, Art der EGRFR-Mutation oder ob bereits eine adjuvante Chemotherapie erfolgt war oder nicht, fand sich ein klarer Vorteil für Osimertinib. So klar sehe man das sonst in Studien selten, sagte Herbst.

Osimertinib ging in der Studie mit den von der Substanz bekannten unerwünschten Effekten einher. Häufig sind Diarrhoen bei 46 % der Patienten oder Hautprobleme wie Paronychien (25 %), trockene Haut (23 %) oder Pruritus (19 %). Nur selten erreichten Nebenwirkungen aber einen Grad 3 oder 4 (Diarrhö 2 %, Paronychie 1 %, Stomatitis 2 %, verringerte Appetit 1 %, Harnwegsinfekt 1 %). Deshalb betonte Herbst, die Therapie sei sehr gut verträglich. Von 10 Patienten im Osimertinib-Arm (3 %) wurde eine interstitielle Lungenerkrankung berichtet, von 22 (7 %) eine QT-Zeit-Verlängerung – alle aber in milder Ausprägung.

Kongress-Highlights

Alle Berichte vom ASCO auf www.aerzteblatt.de/asco2020

Die noch frühen Daten zum Gesamtüberleben lassen bereits zum Zeitpunkt der Interimsanalyse einen Vorteil für die adjuvante Therapie mit Osimertinib vermuten. Hier müssen aber die Auswertungen nach längerer Laufzeit der Studie abgewartet werden.
Schon jetzt ist für Herbst aber klar, dass die adjuvante Therapie mit Osimertinib bei Patienten mit NSCLC im Stadium IB bis III und EGFR-Mutation eine sehr wirksame und die klinische Praxis verändernde Therapie nach kompletter Tumorresektion darstellen wird. © FK/aerzteblatt.de

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Avatar #663279
JohnQ
am Samstag, 6. Juni 2020, 09:21

Klassische Fehlinterpretation

InIhrer Überschritt schreiben Sie "Überlebensvorteil mit adjuvantem EGFR-TKI". Dieses Ergebnis liegt noch garnicht vor. Das ein progressionsfreies Überleben auch in einen Überlebensvorteil mündet ist insbesondere in dieser Studie der Endpunkt der mit Spannung noch erwartet wird.
LNS

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