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Medizin

Lungenkarzinom: Lokale Bestrahlung beim Kleinzeller verstärken

Mittwoch, 3. Juni 2020

crevis - stock.adobe.com

Alexandria – Beim kleinzelligen Lungenkrebs im Stadium III kann eine höhere Dosis Bestrahlung im Rahmen der Chemostrahlentherapie das Überleben verlängern, ohne mehr Strahlenschäden zu verursachen. Das berichtete Bjørn Henning Grønberg vom St. Olavs Hospital der Universitätsklinik Trondheim anlässlich der virtuellen Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO).

Die simultane Chemostrahlentherapie ist beim nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom des Stadiums III (engl. „Limited Disease“) Standard. Einige Patienten können so geheilt werden, viele entwickeln im Verlauf aber ein Rezidiv. Die 5-Jahres-Überlebensraten liegen laut der aktuellen DGHO-Leitlinie zwischen 20 % und 30 %. Es besteht daher ein Bedarf an verbesserten Behandlungsmöglichkeiten.

Das häufigste Bestrahlungsregime im Rahmen der Chemostrahlentherapie sieht eine kumulierte Strahlendosis von 45 Gy verteilt auf 30 zweimal täglich zu verabreichende Fraktionen vor. Es gab zwar bereits Hinweise, dass eine höhere Strahlendosis den Behandlungserfolg verbessern könnte. Zudem haben modern bildgebende Verfahren zum Staging und zur Definition des Zielvolumens dazu geführt, dass weniger gesundes Gewebe mit bestrahlt wird, sodass die Strahlentoxizität begrenzt wird.

Deshalb initiierten Grønberg und Kollegen einen randomisierten Vergleich zwischen einer zweimal täglichen Bestrahlung mit insgesamt 60 Gy verteilt auf 40 Fraktionen mit dem Standard im Rahmen der Chemostrahlentherapie beim kleinzelligen Bronchialkarzinom im Stadium III.

Für die Studie wurden erwachsene Patienten mit kleinzelligem Bronchialkarzinom im Stadium III rekrutiert, die noch keinen stark eingeschränkten Allgemeinzustand aufwiesen (Performance-Status 0 bis maximal 2). Alle Patienten erhielten eine Chemotherapie mit vier Zyklen Platin und Etoposid und randomisiert zweimal täglich eine Bestrahlung des Tumors mit einer kumulierten Dosis von 60 oder 45 Gy. Eine prophylaktische Schädelbestrahlung mit einer Dosis von 25 Gy in 10 Fraktionen bis 30 Gy in 15 Fraktionen wurde allen Patienten angeboten, die nach 4 Zyklen Chemotherapie auf die Therapie angesprochen hatten.
Als primären Endpunkt definierte die skandinavische Studiengruppe das 2-Jahres-Überleben. Weitere Endpunkte waren die Toxizität, das progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben.

Zwischen 2014 und 2018 konnten 176 Patienten an 22 skandinavischen Kliniken für die Studie rekrutiert werden. 160 schlossen die Radiochemotherapie wie geplant ab und wurden in die von Grønberg vorgestellte Auswertung reinbezogen. 84 hatten eine Bestrahlung mit 60Gy, 76 eine Bestrahlung mit 45 Gy erhalten.

Das mediane Alter der Patienten lag bei 65 Jahren, die Frauen waren mit 58% in der Überzahl. Neun von zehn Studienteilnehmern wiesen eine guten oder kaum eingeschränkten Allgemeinzustand auf (Performance-Status 0 bis 1). Etwa 80% der Patienten litten an einem SCLC des Stadiums III.

In beiden Armen hatten fast alle Patienten die Bestrahlung vollständig erhalten. Grønberg betonte, dass im Hochdosisarm nur 5 Patienten nicht eine kumulative Strahlendosis von mindestens 56 Gy erreicht hatten. Auch die Chemotherapie war fast allen Patienten wie geplant durchgeführt worden. Über 80 % der Patienten hatten zudem eine prophylaktische Ganzhirnbestrahlung erhalten.

Strahlenbedingte Nebenwirkungen waren bei der höheren Dosis nicht wesentlich häufiger als bei der Standarddosis. Eine Ösophagitis des Grads 3 oder 4 entwickelten 19 % der Patienten bei Bestrahlung mit 65-Gy und 18 % der Patienten bei Bestrahlung mit 45-Gy. Eine entsprechend schwere Pneumonitis fand sich bei 3 Patienten im Hochdosisarm der Studie, bei der niedrigen Dosis trat diese Nebenwirkungen nicht auf. Hier war allerdings ein Trend zu mehr neutropenen Infektionen (60 Gy: 21 %, 45 Gy: 36 %, p = 0,05). Alle übrigen strahlenbedingten Komplikationen mit einem Schweregrad 3 oder 4 waren in beiden Behandlungsgruppen vergleichbar häufig.

Während der Studie verstarben 3 Patienten, 2 im 60-Gy-Arm (ein Patient an einer neutropenen Infektion, ein Patient an einer Aortendissektion), einer im 45-Gy-Arm durch eine Blutung bei Thrombozytopenie).

Der primäre Endpunkt zeigte laut Grønberg klar einen Vorteil für die höhere Strahlendosis. Nach 2 Jahren lebten noch 70,2 % der Patienten nach der Bestrahlung mit 60 Gy, während es bei Bestrahlung mit 45 Gy nur 46,1 % waren (p = 0,002). Auch das mediane Gesamtüber­leben war bei Therapie mit der höheren Strahlendosis klar verlängert. Es lag bei den Patienten, die mit 60 Gy bestrahlt worden waren, bei 41,6 Monaten, und bei Patienten, die mit 45 Gy bestrahlt worden waren, bei 22,9 Monaten. Die sich daraus ergebende Hazard Ratio lag bei 0,63 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,41 bis 0,95 (p = 0,027).

Kongress-Highlights

Alle Berichte vom ASCO auf www.aerzteblatt.de/asco2020

Die übrigen Wirksamkeitsendpunkte zeigten keine Vorteile der 60-Gy-Bestrahlung. Die Ansprechrate betrug im Hochdosis-Arm 88 %, im Standardarm 85 %. Auch das mediane progressionsfreie Überleben war in den beiden Gruppen bislang nicht signifikant unterschiedlich (60 Gy: 19,9 Monate, 45 Gy 14,4 Monate, p = 0,257). Grønberg betonte, die Bestrahlung mit 60 Gy sei bei praktisch allen Patienten machbar, verbessere das Überleben deutlich und gehe dabei nicht mit mehr Strahlentoxizität als der Standard einher. © FK/aerzteblatt.de

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