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Rezidiviertes Ovarialkarzinom: Zweite Komplettresektion verlängert das Überleben im Median um fast 16 Monate

Dienstag, 2. Juni 2020

/PIC4U, stockadobecom

Alexandria – Wenn ein platinsensitives, erstmals rezidiviertes Ovarialkarzinom erneut komplett reseziert werden kann, haben die Patientinnen einen deutlichen Überlebensvorteil gegenüber einer ausschließlich systemischen Behandlung. Das ist das Endergebnis der DESKTOPIII-Studie, das bei der virtuellen Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt worden ist. Der Unterschied im Gesamtüberleben der Patien­tinnen mit einem komplett entfernten Tumor gegenüber Patientinnen mit Chemotherapie alleine betrug median 15,9 Monate.

„Diese prospektive Studie belegt: Selbst beim Rezidiv eines Ovarialkarzinoms können wir operativ noch einmal erheblich Einfluss nehmen auf die Überlebenschance der Patien­tinnen“, sagte Andreas du Bois, Direktor der Klinik für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie im Cancer Center an den Evang. Kliniken Essen-Mitte, bei der Präsentation der Daten. „Entscheidend ist, dass die richtigen Patientinnen am richtigen Zentrum operiert werden.“

Ovarialkarzinome sind mit der schlechtesten Prognose unter den gynäkologischen Krebserkrankungen assoziiert. In Deutschland überleben lediglich 41 % der Patientinnen die Diagnose 5 Jahre (Robert Koch-Institut, Krebs in Deutschland für 2013/2014). 70 % der Tumore rezidivieren. Aus früheren retrospektiven Studien gab es Hinweise, dass Patientinnen mit einem primär komplett resezierten Tumor bei einem ersten Rezidiv dann von einem zweiten chirurgischen Eingriff profitieren, wenn erneut tumorfrei operiert werden kann. Dies ist nun erstmals in einer prospektiven, randomisierten und kontrollierten internationalen Studie bestätigt worden. Federführend für die DESKTOPIII-Studie ist die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO). Du Bois ist Studienleiter der AGO.

Aufgenommen wurden Patientinnen mit einem ersten Rückfall des Ovarialkarzinoms nach mindestens 6 Monaten eines platinfreien Intervalls nach Ansprechen auf eine platinhaltige Therapie (platinsensibel). Voraussetzung war ein positiv prädiktiver AGO-Score für eine komplette Resektion eines erstmals rezidivierten Ovarialkarzinoms: ein guter Allge­mein­zustand (ECOG 0), Aszites ≤ 500 mL und eine R0-Resektion bei der Primäroperation. In der Vorläuferstudie DESKTOPII war belegt worden, dass 51 % der Patientinnen im ersten Rezidiv diesen positiven AGO-Score erreichen können und bei ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine erneute Operation ohne makroskopischen Tumorrest möglich ist.

Für die DESKTOPIII-Studie wurden von 2010 bis 2015 Patientinnen mit platinsensitivem Ovarialkarzinom im ersten Rezidiv rekrutiert, wenn zuvor komplett resziert worden und der AGO-Score positiv war. 407 Patientinnen wurden randomisiert in zwei Gruppen: direkte Zweitlinienchemotherapie allein oder zytoreduktive Behandlung gefolgt vom selben Chemotherapieregime wie nach Op. Eine platinhaltige Kombination wurde empfohlen. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben. Beim ASCO 2017 waren bereits Daten einer Zwischenanalyse vorgestellt worden. Nun sind es die endgültigen Ergebnisse (J Clin Oncol 38: 2020 suppl; abstr 6000; DOI: 10.1200/JCO.2020.38.15_suppl.6000).

Bei drei Viertel der Studienteilnehmerinnen hatte das therapiefreie Intervall (keine platinbasierte Chemotherapie) mehr als 12 Monate betragen. 206 Patientinnen wurden der Gruppe „chirurgische Intervention“ zugeteilt und 201 in die Gruppe direkte Chemotherapie. Bei den median fast vierstündigen Operationen ließ sich zu 74,2 % eine komplette Resek­tion erreichen. In beiden Studienarmen zusammen erhielten fast 90 % eine platinbasierte Zweitlinienchemotherapie.

Das mediane Gesamtüberleben betrug in der Gruppe mit Rezidivoperation 53,7 Monate und 46,0 Monate in der Gruppe ohne Operation (Hazard Ratio [HR]: 0,75; p = 0,02). Das mediane progressionsfreie Überleben lag bei 18,4 Monaten nach Operation plus Chemotherapie und bei 14,0 Monaten unter ausschließlicher Zytostatikabehandlung (HR: 0,66; p < 0,001).
In der Gruppe der Operierten überlebten diejenigen mit einer R0-Resektion median 61,9 Monate, also median 15,9 Monate länger als ohne Operation (46,0 Monate). Bei einer inkompletten Tumorentfernung dagegen war das Gesamtüberleben mit median 28,8 Monaten schlechter als bei systemischer Therapie alleine. Konnte das Malignom im ersten Rezidiv nur inkomplett entfernt werden, hatten die Patientinnen also einen relevanten Nachteil beim Gesamtüberleben gegenüber einer ausschließlich systemischen Behandlung (28,8 vs. 46,0 Monate).

Kongress-Highlights

Alle Berichte vom ASCO auf www.aerzteblatt.de/asco2020

Der postoperative Tumorrest ist damit bei der Sekundäroperation prognostisch sehr bedeutend. Wenn Patientinnen mit einem rezidivierten Ovarialkarzinom Voraussetzungen erfüllen, wie sie den Studieneinschlusskriterien entsprachen, sollte die Operation angeboten werden, so du Bois - vorausgesetzt, sie könne an einem spezialisierten und erfahrenen Zentrum erfolgen. © nsi/aerzteblatt.de

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