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Medizin

Pleuramesotheliom: Anhaltender Überlebensvorteil mit Immuntherapie

Dienstag, 28. September 2021

/stockdevil, stock.adobe.com

Lugano – Das maligne Mesotheliom war lange Zeit eine der hoffnungslosesten Indikationen in der Onko­logie. Insbesondere die neuen Immuntherapien haben in den letzten Jahren Bewegung in die Behand­lung dieser Erkrankung gebracht: So konnte in der Phase-III-Studie CheckMate-743 die 2-jährige Be­hand­lung mit einer Kombination aus dem CTLA-4-Inhibitor Ipilimumab und dem PD-1-Inhibitor Nivolu­mab gegenüber der klassischen Chemotherapie das Gesamtüberleben signifikant verbessern (The Lancet, 2021; DOI: 10.1016/S0140-6736(20)32714-8), was zur weltweiten Zulassung in der Erstlinie führte.

Solange Peters von der Universität Lausanne in der Schweiz konnte nun beim virtuellen ESMO-Kongress neue Resultate mit einer mindestens 3-jährigen Nachbeobachtungszeit sowie Biomarkeranalysen vor­stel­len (Annals of Oncology; DOI: 10.1016/j.annonc.2021.08.2146).

In der CheckMate-743-Studie waren 605 Patienten mit neu diagnostiziertem, nicht resezierbarem, malig­nem Pleuramesotheliom randomisiert worden, entweder 6 3-wöchige Zyklen einer Chemotherapie (Cis- oder Carboplatin plus Pemetrexed) oder für maximal 2 Jahre eine Immuntherapie mit Nivolumab (3 mg/kg alle 2 Wochen) und Ipilimumab 1 mg/kg alle 6 Wochen zu erhalten.

Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben, als exploratorische Endpunkte waren die Sicherheit und eine Liste von Biomarkern festgelegt worden. Insbesondere sollte das Überleben mit einem Score korre­liert werden, in den die Expression von 4 inflammatorischen Genen (CD8A, PD-L1, STAT-1, LAG-3) ein­ging. Außerdem wurde ein Lungen-Immun-Prognose-Index (LIPI) erhoben, der auf dem Verhältnis von Neutrophilen zu Lymphozyten sowie den Laktatdehydrogenasetitern zu Beginn der Therapie basierte.

Bezüglich der Ansprechraten unterschieden sich beide Arme nicht, so Solange Peters beim ESMO-Kongress: Im Immuntherapiearm waren es 39,6 %, im Kontrollarm 44,0 %. Bereits bei der Dauer des An­sprechens war aber – nach einer Mindestnachbeobachtungsdauer von 35,5 Monaten – die Immunthera­pie mit median 11,6 versus 6,7 Monaten signifikant überlegen, 28 % der Responder sind auch nach 3 Jahren noch in Remission.

Ebenso zeigte sich eine anhaltende Überlegenheit der Immuntherapie beim Gesamtüberleben mit medi­an 18,1 versus 14,1 Monaten (Hazard Ratio 0,75; 75 %-Konfidenzintervall 0,63–0,90). Nach 3 Jahren waren noch 23,2 % versus 15,4 % der Patienten am Leben; beim progressionsfreien Überleben lagen die 3-Jahresraten bei 13,6 % bzw. 0,8 %.

Die inflammatorische Gensignatur hatte im Immuntherapiearm auch einen Einfluss: Patienten mit einem hohen Score überlebten median 21,8 Monate lang, diejenigen mit einem niedrigen Score lediglich 16,8 Monate; im Chemotherapiearm wirkte sich der Score nicht aus. Auch der LIPI-Index könnte eine Rolle spielen: Hier betrugen die Hazard Ratios für das Gesamtüberleben bei Patienten mit guten, intermediä­ren und schlechten Werten 0,78 (95 %-KI 0,60–1,01), 0,76 (95 %-KI 0,57–1,01) bzw. 0,83 (95 %-KI 0,44 – 1,57) – zumindest in der letzten Gruppe scheint der Überlebensvorteil nicht mehr signifikant zu sein, auch wenn die niedrigen Patientenzahlen hier keine definitive Aussage zulassen.

Die Immuntherapie war gut verträglich: Mit einer Häufigkeit von 30,7 % traten Grad-3/4-Nebenwirkun­gen hier nicht öfter auf als im Chemotherapiearm mit 32,0 %. In einer Post-hoc-Analyse war ein Abbruch der Immuntherapie wegen Nebenwirkungen nicht mit einem schlechteren Outcome assoziiert: 34 % der Responder, die die Behandlung abgebrochen hatten, befanden sich auch nach mehr als 3 Jahren noch in Remission.

Auch wenn nach mindestens 3 Jahren Nachbeobachtung die Immuntherapie bei den Patienten im experi­mentellen Arm seit mindestens 1 Jahr beendet war, hält der Überlebensvorteil durch Ipilimumab/Nivolu­mab beim nicht operablen Pleuramesotheliom also weiterhin an, so Peters – ohne dass neue Sicherheits­signale beobachtet worden wären. Eine inflammatorische Grundaktivität scheint die Wirkung der Immun­therapie zu begünstigen. © jfg/aerzteblatt.de

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