MedizinOnkologieKongressberichte Onkologie
Kongressberichte
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Maligne Thymustumoren: Monotherapie mit Checkpoint-Inhibitor mit enttäuschender Wirksamkeit

Freitag, 24. September 2021

/CLIPAREA.com, stock.adobe.com

Lugano – Maligne Tumoren des Thymus sind seltene Erkrankungen: Aggressive Thymome vom Typ B3 sowie Thymuskarzinome werden am häufigsten im fortgeschrittenen oder metastasierten Stadium diagnostiziert und neigen zum Rezidivieren. Abgesehen von einer platinbasierten Chemotherapie als Erstlinienbehandlung gibt es keinen Therapiestandard. Immuncheckpointinhibitoren könnten wirksam sein, wenngleich das Risiko für Autoimmunstörungen höher sein könnte als bei anderen Tumoren.

Eine europäische Studie, die beim virtuellen ESMO-Kongress vorgestellt wurde, zeigt allerdings zumin­dest für eine Nivolumab-Monotherapie eine eher enttäuschende Wirksamkeit (DOI: 10.1016/j.annonc.2021.08.2147).

In der internationalen Phase-II-Studie NIVOTHYM wurde unter Federführung der European Organization for Research and Treatment of Cancer (EORTC) und der European Thoracic Oncology Platform (ETOP) erstmals eine solche Immuntherapie bei Patienten mit fortgeschrittenem, rezidiviertem B3-Thymom oder Thymuskarzinom getestet: In 2 Kohorten erhielten die Patienten, die bereits eine Chemotherapie bekom­men hatten, den PD-L1-Inhibitor Nivolumab (240 mg alle 2 Wochen) entweder alleine oder in Kombina­tion mit dem CTLA-4-Inhibitor Ipilimumab (1 mg/kg alle 6 Wochen). Primärer Endpunkt ist das progres­sions­freie Überleben nach 6 Monaten, wobei hier eine Rate von 60 % angepeilt wurde.

Beim ESMO-Kongress konnte Nicolas Girard vom Institut du Thorax Curie-Montsouris in Paris die 1. Resultate für die Nivolumab-Monotherapiekohorte präsentieren:

Eingeschlossen darin wurden in 15 Zentren in 5 europäischen Ländern 55 Patienten, zu knapp 2/3 Männer, zur Hälfte Nie-Raucher und überwiegend mit einem ECOG-Performancestatus von 0 oder 1; Hirnmetastasen lagen in keinem Fall vor. 10 der Patienten litten an einem Thymom, die übrigen an einem Karzinom, 16 hatten sich zuvor einer Resektion unterzogen, und alle hatten wenigstens eine Linie einer platinhaltigen Chemotherapie erhalten. Die Wirksamkeit von Nivolumab war weniger gut als erhofft:

Die progressionsfreie Überlebensrate nach 6 Monaten betrug bei zentraler Beurteilung der radiologi­schen Aufnahmen 35 %, bei lokaler Beurteilung 39 %. Die Gesamtansprechrate lag bei 12 %, ein­schließlich Krankheitsstabilisierungen ergab sich eine Rate von 63 %. Die mediane progressionsfreie Überlebenszeit wurde mit 6,0, die mediane Gesamtüberlebenszeit mit 21,3 Monaten errechnet.

Bemerkenswert sind die Überlebensraten, die nach 6 Monaten bei 86 % lagen und nach 12 und 18 Monaten bei jeweils 68 % zu stagnieren scheinen; ob sich hier ein Plateau entwickelt, bleibt abzuwarten, so Girard.

Nach median 13,3 Monaten hatten 45 der Patienten die Behandlung beendet, in 2/3 der Fälle wegen einer Progression. Nebenwirkungen vom Grad 1 oder 2 wurden bei 41 %, vom Grad 3 oder 4 bei 57 % der Patienten registriert, ein Patient verstarb an einem Lungenversagen. Immunologisch bedingte Nebenwir­kungen vom Grad 3/4 umfassten 2 Myokarditiden, 4 Hepatitiden, 2 Kolitiden und 1 Pneumonitis.

Das Sicherheitsprofil der Nivolumab-Monotherapie bei vorbehandelten fortgeschrittenen Thymustu­moren ist also handhabbar, wenn vor der Behandlung sorgfältig auf Autoimmunerkrankungen kontrol­liert wird. Die Behandlung zeigt eine gewisse Aktivität, so Girard, die aber nicht so hoch wie erhofft ist. Abzuwarten bleibt, wie die Kombinationstherapie aus Nivolumab und Ipilimumab, die bei anderen Tumo­ren zum Teil wirksamer war, in der 2. Kohorte abschneiden wird. © jfg/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS

Stellenangebote

    NEWSLETTER