MedizinOnkologieKongressberichte Onkologie
Kongressberichte
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Die meisten Patienten mit AML oder MDS bilden ausreichend Antikörper nach 2. COVID-Impfung

Montag, 27. Dezember 2021

/Tatiana Shepeleva, stock.adobe.com

Atlanta – Bei akuten myeloischen Leukämien (AML) und myelodysplastischen Syndromen (MDS) beste­hen häufig Defizite bei den neutrophilen Granulozyten und Lymphozyten, sowohl durch Zytopenien, als auch durch reduzierte Funktionsfähigkeit der Leukozyten. Patienten mit diesen hämatoonkologischen Erkrankungen sind durch COVID-19 besonders gefährdet.

Bei der 63. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH), die als Präsenzveranstaltung in Atlanta stattfand und parallel virtuell, sind erstmals detaillierte, serielle Daten zu den Immunantworten von Patientinnen und Patienten mit aktiver Behandlung eines MDS oder einer AML auf eine COVID-19-Impfung vorgestellt worden.

„Wir wissen aus anderen Untersuchungen, dass vor allem Patienten mit B-Zell-Lymphomen oder mit chronischer lymphatischer Leukämie oft nur ungenügend auf eine COVID-19-Impfung mit mRNA-Impfstoffen ansprechen“, sagte Jeffrey E. Lancet, Professor für Hämatoonkologie am H. Lee Moffitt Cancer Center & Research Institute in Tampa, Florida, bei der Jahrestagung der ASH.

„Die Therapien der AML oder des MDS lösen ebenfalls häufig eine Immunsuppression aus, zum Beispiel die allogene Stamzelltrans­plantation. Wir wollten eruieren, wie die Immunantworten dieser Patienten auf eine mRNA-Vakzine gegen SARS-CoV-2 verlaufen“, so der Seniorautor der Studie bei einer Pressekon­ferenz der ASH.

1/3 bei Impfung unter aktiver Tumortherapie

In den 1. Januarwochen 2021 wurden 30 Patientinnen und Patienten mit AML und 16 mit MDS in die Beobachtungsstudie aufgenommen. Das mediane Alter der insgesamt 46 Teilnehmerinnen und Teil­nehmer lag bei 68 Jahren, die Malignomdiagnose lag durchschnittlich 2 Jahre zurück.

1/3 der Gesamt­gruppe erhielt zum Zeitpunkt der 1. Impfung eine Malignomtherapie, bei den übrigen 2/3 (67 %) lag diese bereits ein Zeit zurück. 70 % hatten allogene Stammzellen erhalten (4,9-75,8 Monate vor der Impfung). 87 % der Gesamtgruppe waren in Remission. Geimpft wurde ausschließlich mit der Vakzine von Moderna (mRNA-1273), die zum Zeitpunkt des Studienbeginns am behandelnden Zentrum verwendet wurde.

Serologische Proben zur Bestimmung der IgG-Titer wurden vor jeder Impfung untersucht (Tag 1 und Tag 29) und 4 Wochen nach der 2. Dosis (Tag 57). 69,6 % Patienten waren an Tag 29, also nach der 1. Impf­dosis, seropositiv und 95,7 % Patienten an Tag 57, also nach der 2. Impfdosis, sagte Akriti Gupta Jain, Hämatoonkologin am Lee Moffitt Cancer Center & Research Institute, Tampa, die die Daten bei der ASH-Tagung vortrug.

Antikörperantwort unabhängig von Vortherapien

Die durchschnittlichen Antikörpertiter lagen nach der 1. Impfung bei 315 und nach der 2. Dosis bei 3.806,5, berichtete Jain. Dieser Unterschied war hoch signifikant (p < 0,0001) und die Differenzen zwischen 1. und 2. Immunantwort waren unabhängig von potenziellen Einflussfaktoren wie Zeitpunkt und Art der Vortherapien, aber auch Alter und Geschlecht.

Es gab keine unerwarteten unerwünschten Reaktionen auf die Impfungen, im allgemeinen vorüber­gehen­der lokaler Schmerz, Schwellung am Arm, Kopfschmerzen und Müdigkeit.

„Die Tatsache, dass die überwiegende Mehrzahl der Patientinnen und Patienten mit AML oder MDS zumindest nach der 2. Impfung eine gute humorale Immunantwort ausbildet, spricht für serielle Impf­versuche, auch wenn die 1. Impfungen noch keine optimale Immunreaktion induziert haben“ so das Fazit der Forscher. „Die Effekte der COVID-19-Impfungen sollten nun in Studien mit größeren Patientenzahlen weiter untersucht werden.“ © nsi/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS

Stellenangebote

    NEWSLETTER