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Hodgkin-Lymphom: Checkpoint­inhibition im Rezidiv und in der Frontlinetherapie vielversprechend

Dienstag, 21. Dezember 2021

/dpa

Atlanta – Das klassische Hodgkin-Lymphom ist durch Veränderungen der Kopienzahl des chromosomalen Locus 9p24.1 gekennzeichnet, die zu einer verstärkten Expression der Checkpointliganden PD-L1 und PD-L2 führen. Das ist einerseits mit einem schlechteren Ansprechen auf Standardchemotherapien, andererseits mit einer guten Wirksamkeit von PD-1-Checkpoint-Inhibitoren assoziiert. 2 davon, Pembrolizumab und Nivolumab, sind bereits in Monotherapie zur Behandlung rezidivierter Erkrankungen nach Versagen einer autologen Stammzelltransplantation (ASCT) zugelassen.

Bei der Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) in Atlanta wurden eine Reihe von Phase-2-Studien vorgestellt, die die Anwendung von PD-1-Inhibitoren im Rezidiv ebenso wie in der Erstlinientherapie untersuchen.

Die traditionelle Zweitlinienchemotherapie des Hodgkin-Lymphoms mit Ifosfamid, Carboplatin und Etoposid (ICE) führt zu Komplettremissionsraten von rund 50 %. Da eine komplette metabolische Remission, bestimmt mit Positronenemissionstomografie (PET) vor der ASCT mit besserem progressions­freiem und Gesamtüberleben korreliert, wurde in einer US-amerikanischen Phase-2-Studie versucht, durch Zugabe von Pembrolizumab zum ICE-Protokoll im Rezidiv diese Ergebnisse zu verbessern.

Von 37 auswertbaren Patienten, von denen 16 primär refraktär waren, sprachen 97,3 % nach 2 Zyklen Pembrolizumab-ICE an, davon 86,5 % mit einer kompletten metabolischen Remission, so Bryan Locke von der Augusta University in Georgia. 5 Patienten erhielten einen optionalen 3. Zyklus der Therapie, wodurch bei insgesamt 35 der 37 Patienten eine ASCT durchgeführt werden konnte. Das mediane progressionsfreie Überleben lag bei 27 Monaten, und zu diesem Zeitpunkt waren noch 95,1 % der Patienten am Leben. Die Nachbeobachtungszeit ist noch kurz, aber die Überlebensdaten sind exzellent und rechtfertigen die weitere Untersuchung dieses Protokoll beim rezidivierten oder refraktären Hodgkin-Lymphom, so Locke.

Auch in der Erstlinientherapie des Hodgkin-Lymphoms werden Checkpointinhibitoren untersucht: Die französische Lymphomstudiengruppe behandelte in ihrer Phase-2-Studie NIVINIHO ältere Patienten, die aufgrund von Komorbiditäten keine klassische Chemotherapie mehr erhalten konnten, mit Nivolumab.

Patienten, die nach 6 Dosen eine komplette metabolische Remission aufwiesen, erhielten 18 weitere Dosen zur Konsolidierung, solche mit nur partieller oder gar keiner metabolischen Remission dasselbe in Kombination mit Vinblastin. Wie Julien Lazarovici vom Gustave Roussy Cancer Campus Grand Paris in Villejuif beim ASH-Kongress berichtete, waren 9 von 53 auswertbaren Patienten nach den 6 Induktions­zyklen in kompletter metabolischer Remission, nach Ende der gesamten Therapie waren es 16 (28,6 %). 23 Patienten hatten die Konsolidierung unter Einschluss von Vinblastin erhalten; nach median 21 Monaten lag das mediane progressionsfreie Überleben bei 9,8 Monaten. Grundsätzlich scheint diese Erstlinientherapie bei komorbiden älteren Hodgkin-Patienten also wirksam zu sein; weitere Untersu­chungen sollten darauf abzielen, Subgruppen zu identifizieren, die besonders davon profitieren, so Lazarovici.

Auch bei Patienten, die eine Chemotherapie tolerieren, wird die Zugabe von Checkpointinhibitoren zur Erstlinientherapie untersucht. In einer multizentrischen US-amerikanischen Phase-2-Studie, die Pamela Allen vom Winship Cancer Institute an der Emory University in Decatur, Georgia, vorstellte, erhielten 30 Patienten mit neu diagnostiziertem Hodgkin-Lymphom zunächst 3 Dosen Pembrolizumab, gefolgt von 4 bis 6 Zyklen AVD (Doxorubicin, Vinblastin, Dacarbazin. Mehr als 1/3 von ihnen hatte bereits nach der Pembrolizumabbehandlung eine komplette metabolische Remission, nach der Chemotherapie waren es 100 %. Die hohe Ansprechraten waren unabhängig von der Expression von PD-L1 und PD-L1, so Allen.

In einer weiteren amerikanischen Pilotstudie, die Ryan Lynch vom Fred Hutchinson Cancer Research Center der University of Washington in Seattle präsentiert, wurde bei 30 Patienten mit neu diagnostiziertem Hodgkin-Lymphom ebenfalls Pembrolizumab mit AVD kombiniert. Nach 2 Zyklen waren 2/3 der Patienten (68 %) PET-negativ, aber auch keiner der PET-positiven Patienten wies bisher eine Progression auf. Nach 2 bis 6 Zyklen lag die Rate für PET-Negativität bei 78 %, von den 5 Patienten mit positivem PET nach Ende der Behandlung hat bisher nur 1 ein Rezidiv entwickelt, die Raten für progressionsfreies und Gesamtüberleben nach 1 Jahr betragen 95 % bzw. 100 %.

Die Behandlung war sicher, und die aufgeführten Resultate lassen insgesamt die Kombination aus PD-1-Blockade und Chemotherapie in der Erstlinientherapie als sehr vielversprechend erscheinen. Natürlich bleib tim Detail zu prüfen, wie die Langzeitergebnisse im Vergleich mit der herkömmlichen reinen Chemotherapie aussehen. © jfg/aerzteblatt.de

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