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Politik

Rolle des Epstein-Barr-Virus bei zahlreichen Krebserkrankungen unklar

Dienstag, 21. Mai 2019

/dpa

Berlin – Das Epstein-Barr-Virus (EBV) ist auch in Deutschland weit verbreitet: Die Seroprävalenz von EBV in Deutschland, also das Vorkommen von Antikörpern gegen EBV im Blut, beträgt bei kleinen Kindern von 6 bis 38 Monaten 35 Prozent und 74 Pro­zent bei älteren Kindern beziehungsweise Jugendlichen bis 17 Jahre. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Bun­destag hervor.

Hintergrund der Anfrage ist die am 29. Januar 2019 vom Bundesministerium für Bil­dung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und weiteren Partnern ausgerufene „Nationale Dekade gegen Krebs“. Die Ab­geordneten wollten von der Regierung nun  unter anderem wissen, welche Rolle EBV in der Onkologie spielt.

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„Weltweit tragen mehr als 90 Prozent der Bevölkerung meist völlig unbemerkt das Ep­stein-Barr-Virus in sich, und alle Bevölkerungsgruppen sind betroffen“, informiert die Bundesregierung. Gesunde Virusträger bildeten eine intensive Immunantwort aus, die das Virus in den meisten Fällen dauerhaft unter Kontrolle halte. Bei Personen mit stark geschwächtem Immunsystem könne dieser Immunschutz aber versagen, und es könne zu einer unkontrollierten Vermehrung von EBV-infizierten Zellen kommen.

Der Bundesregierung zufolge werden die meisten Tumore aber nicht systematisch auf EBV untersucht, daher sei es nicht möglich, eine exakte Anzahl an EBV-assoziierten Tumoren für Deutschland anzugeben.

Aus europäischen und amerikanischen Studien sei bekannt, dass etwa acht bis zehn Prozent der Magenkarzinome, 30 Prozent der Hodgkin-Lymphome, 20 Prozent der Burkitt-Lymphome, zehn Prozent der großzelligen B-Zell-Lymphome, alle altersasso­ziierten Lymphome, 70 Prozent der HIV-assoziierten Lymphome sowie 70 Prozent der Lymphdrüsentumore nach einer Organtransplantation EBV-assoziiert sind.

„Weltweit werden circa 1,8 Prozent aller Krebstodesfälle auf eine EBV-Infektion zu­rück­geführt, jährlich geschätzt 200.000 neue Fälle“, heißt es in der Antwort. Die durch EBV hervorgerufenen Lymphome etwa nach einer Organtransplantation sind laut der Bundesregierung in ihrer Pathogenese relativ gut verstanden.

Für die EBV-assoziierten Hals-Nasen-Rachen-Tumore sowie Magentumore sei die Pathogenese aber weitgehend unverstanden. Des Weiteren sei die Rolle des Virus als Beitrag zur Entstehung von Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose „gänzlich unbekannt“. © hil/aerzteblatt.de

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