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Erste S3-Leitlinie Hodentumoren finalisiert

Mittwoch, 22. Mai 2019

In der neuen S3-Leitlinie geben Fachgesellschaften und Patientenvertreter auf 240 Seiten evidenz- und konsensbasierte Handlungsempfehlungen. /PIC4U, stock.adobe.com

Berlin – Nach den S3-Leitlinien zum Prostatakarzinom, zum Nierenzellkarzinom und dem Harnblasenkarzinom folgt nun die vierte onkologische Leitlinie höchster Klassifikation: Erstmals wurde eine S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Keimzelltumoren des Hodens“ publiziert. Eine begleitende Patientenleitlinie zu Hodentumoren ist zudem in Arbeit.

„Angesichts einer Flut hochwertiger internationaler Konsensuspapiere war die Zeit reif für eine nationale S3-Leitlinie, in der wir klare Empfehlungen für eine evidenzbasierte Diagnostik und Versorgung anhand wissenschaftlich gestützter Informationen herausgefiltert haben“, sagt Leitlinienkoordinatorin der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) Sabine Kliesch vom Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums Münster.
 
Keimzelltumoren (KZT) des Hodens zählen zu den Krebserkrankungen mit den höchsten Überlebenswahrscheinlichkeiten und entsprechend hohen relativen 5-Jahres-Überlebensraten von zuletzt 96 %. Auch nach 10 Jahren liegt dieser Anteil immer noch bei 95 %. Allerdings zeigen Analysen des Nationalen Zweitmeinungs­projekts Hodentumor nach 10 Jahren Laufzeit und über 6.000 Zweitmeinungen, dass jede fünfte Zweitmeinung zu einer Optimierung der Therapieplanung führt.

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Die neue S3-Leitlinie zu Hodentumoren wurde unter Federführung der DGU und der Deutschen interdisziplinären Hodentumorgruppe der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie erstellt.

„Die S3-Leitlinie soll die Prognose für alle Patienten verbessern und Über- sowie Untertherapie vermeiden“, so Kliesch. Dazu gehört die Empfehlung, dass Patienten mit metastasiertem Hodenkrebs in Einrichtungen mit ausgewiesener Expertise behandelt werden sollen. Auf ein hohes Risiko für eine Übertherapie durch eine adjuvante Therapie verweisen die Leitlienienexperten bei Patienten mit einem Seminom als auch bei Patienten mit einem nichtseminomatösen KZT. Mehr als die Hälfte dieser Patienten bliebe auch ohne adjuvante Therapie rezidivfrei.

Magnetresonanztomografie verhindert Strahlenbelastung

Bei der Nachsorge sollte zur Minderung der Strahlenbelastung die Computertomo­grafie des Abdomens und Beckens durch die Magnetresonanztomografie an einem Fach­zentrum ersetzt werden. Für eine adäquate Nachsorge zum Ausschluss eines Rezidivs empfiehlt die Leitlinie den verschiedenen Risikogruppen entsprechende Nachsorge­untersuchungen und stellt tabellarische Pläne zum Download zur Verfügung.

Spätestens vor Beginn einer Chemo- oder Strahlentherapie soll den Patienten die Kryokonservierung von Spermien angeboten werden. Sabine Kliesch, Universitätsklinikum Münster

Außerdem berücksichtigt die Leitlinie therapiebedingte Spätfolgen und Langzeit­schäden wie den Testosteronmangel oder kardiovaskuläre Risiken und legt besonderes Augenmerk auf den Fertilitätserhalt. „Spätestens vor Beginn einer Chemo- oder Strahlentherapie soll den Patienten die Kryokonservierung von Spermien angeboten werden“, sagt die DGU-Leitlinienkoordinatorin und betont, dass die Kostenübernahme für diese Maßnahme durch die Krankenkassen unmittelbar bevorstehe.
 
Während ein allgemeines Screening zur Früherkennung nicht empfohlen wird, ist die regelmäßige Selbstuntersuchung der Hoden insbesondere bei jungen Männern sinnvoll. Bei Vorliegen von Risikofaktoren sollte laut Leitlinie das Vorliegen eines Keimzelltumors abgeklärt werden. Anerkannte Risikofaktoren sind die Vorerkrankung mit einseitigem Hodentumor, ein Hodenhochstand, eine positive Familienanamnese sowie Infertilität. „Anleitung zur Selbstuntersuchung gibt die DGU auf ihrem Internet­portal www.hodencheck.de, das 2017 anlässlich der urologischen Themenwoche Hodenkrebs eingerichtet wurde und Jugendliche und Männer ab dem Pubertätsalter zur regelmäßigen Eigenuntersuchung der Hoden aufruft“, erinnert DGU-Presse­sprecher Christian Wülfing.

Im Unterschied zu anderen Tumoren betreffen Keimzelltumoren (KZT) des Hodens vor allem jüngere Männer. Mit jährlich rund 4.000 Neuerkrankungen sind sie die häufigste Krebserkrankung bei Männern zwischen 20 und 44 Jahren. Seit einigen Jahrzehnten wird allerdings eine Verschiebung des Altersgipfels in Richtung zunehmenden Alters beobachtet. Der Anteil der Tumorentität an allen Krebserkrankungen liegt bei 1,6 %. Damit gehört diese Tumorerkrankung bei Männern aller Altersgruppen zu den selteneren Krebskrankheiten. © gie/aerzteblatt.de

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